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| 09:01 Uhr

Barcelona
Vettel und Ferrari verpokern sich

Barcelona. Bei der fehlerfreien Siegerfahrt von Lewis Hamilton (Mercedes) blieb für den Deutschen in Barcelona nur Rang vier. Kristof Stühm

Bei der fehlerfreien Siegerfahrt von Lewis Hamilton (Mercedes) blieb für den Deutschen in Barcelona nur Rang vier.

Sebastian Vettel hat trotz eines Super-Starts im Rennen der Wahrheit eine empfindliche Klatsche eingesteckt. Der Ferrari-Star hatte auch wegen neuerlicher taktischer Patzer seiner Scuderia nicht den Hauch einer Chance und musste sich beim Großen Preis von Spanien nicht nur seinem Titelrivalen Lewis Hamilton geschlagen geben. Bei der fehlerlosen One-Man-Show des Weltmeisters blieb Vettel nur Rang vier.

Durch seinen zweiten Sieg in Serie baute Mercedes-Star Hamilton seine WM-Führung gegenüber Vettel auf 17 Punkte aus. Der Heppenheimer, für den Platz zwei möglich gewesen wäre, musste durch ungünstige Boxenstopps aber auch Valtteri Bottas im zweiten Silberpfeil und zudem Red-Bull-Pilot Max Verstappen ziehen lassen. Kimi Räikkönens Aus wegen technischer Probleme machte den schwarzen Sonntag für Ferrari perfekt - während Mercedes seinen ersten Doppelsieg 2018 feierte.

"Das Auto und ich waren heute eine Synergie. Das war ein tolles Gefühl", sagte Hamilton: "Wir machen jetzt wieder Druck auf Ferrari. Es ist großartig zu sehen, dass wir im Team die Kraft haben, das zu leisten."

Dabei hatte Vettel schon am Start zunächst den Finnen Bottas überholt und war danach auf die Jagd nach seinem Rivalen Hamilton gegangen. Doch der Pole-Setter aus England präsentierte sich wie im Qualifying stark und konnte schnell einen beruhigenden Vorsprung auf Vettel herausfahren, der wiederum Bottas auf Distanz halten konnte.

Weil Vettel auf der Strecke keine Chance gegen Hamilton hatte, entschied sich Ferrari zu einem frühen Boxenstopp und schickte ihn mit Medium-Reifen wieder raus. Fast sah es so aus, als hätte sich die Scuderia da schon verzockt, aber Mercedes legte bei Bottas anschließend keinen sauberen Reifenwechsel hin und Vettel blieb knapp vor Bottas.

Hamilton, der an der Spitze bequem Reifenmanagement betreiben konnte, blieb deutlich länger draußen als Vettel und Bottas, seine Führung war nie in Gefahr. Dahinter reihte sich das Red-Bull-Duo Max Verstappen und Daniel Ricciardo ein. Für den deutschen Fahrer Nico Hülkenberg war das Rennen schon nach wenigen Minuten beendet. Der Emmericher war mit seinem Renault Opfer des von Romain Grosjean (Haas) ausgelösten Startcrashs und wetterte hinterher gegen den Franzosen. "Einmal wieder sehr gut gemacht, der alte Fliegenfänger", sagte Hülkenberg bei RTL: "Jede Wochenende aufs Neue ist es eine Show mit ihm." In der Folge kam das Safety Car zum Einsatz.

Eigentlich wurde in Barcelona wieder einmal nur in der Box überholt, Vettel wurde nach zwei Dritteln des Rennens während einer Virtual-Safety-Car-Phase dann erneut an die Box geholt. Bottas fuhr aber ebenso wie Verstappen - trotz eines kaputten Frontflügels - weiter, beide zogen an Vettel vorbei. Da machten die Ferrari-Strategen eine ganz schlechte Figur.

Insgesamt schien Hamilton am besten die empfindlichen Walzen zu beherrschen. Nach Problemen bei den Tests in Barcelona vor der Saison hatte Pirelli einen neuen Reifen produziert, der außer in Spanien noch in Frankreich und England zum Einsatz kommen wird - die Gummis sind 0,4 Millimeter dünner und so ein Kilo leichter pro Stück.

Das Kräfteverhältnis scheint sich nach dem fünften Rennen der Saison geändert zu haben. Hamilton hatte Vettel in Barcelona im Griff. Und Spanien gilt als Gradmesser schlechthin für den weiteren Verlauf des Jahres. In der Formel 1 heißt es: Wer in Barcelona schnell ist, ist auch im Rest der Welt schnell.

In zwei Wochen steigt erst einmal der Klassiker in Monte Carlo, wo es das zu beweisen gilt.