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| 10:39 Uhr

Krefeld
Uerdingen meldet sich zurück

Krefeld. Zehn Jahre nach dem Absturz in die Sechstklassigkeit kehrt der Verein in den Profifußball zurück. Der Erfolg ist Balsam für Fans, die zwar Erinnerungen an erfolgreiche 1980er Jahre haben, aber in jüngerer Vergangenheit allzu oft enttäuscht wurden. Oliver Schaulandt

Der KFC Uerdingen ist wieder da. Zumindest wieder mal in der Dritten Liga, und damit in dem Bereich, der in Deutschland als Profifußball gilt. Tausende Fans feierten gestern das Team, das am Sonntag in Mannheim den Durchmarsch von der Oberliga perfekt machte, bei der offiziellen Aufstiegsfeier am Krefelder Rathaus. Dieser Erfolg stillt ganz viel Sehnsucht. Sehnsucht von Anhängern, die mit ihrem Klub, der damals noch FC Bayer 05 Uerdingen hieß, in den 1980ern die große Fußballbühne kennenlernen durften, die aber seit gut 20 Jahren vor allem eins erlebten: Enttäuschungen, Pleiten und Skandale.

14 Spielzeiten zählte Uerdingen zur 1. Bundesliga, und mindestens zwei Auftritte bescherten dem Team von der Grotenburg einen Platz im kollektiven Gedächtnis von Fußball-Deutschland. Zum einen ist da der Gewinn der DFB-Pokals 1985, als der Underdog mit Spielern wie Friedhelm Funkel und Matthias Herget und Trainer Karl-Heinz Feldkamp die großen Bayern 2:1 schlagen konnte. Noch denkwürdiger fiel in der darauffolgenden Saison das Viertelfinalrückspiel im Pokal der Pokalsieger aus: 0:2 hatte Uerdingen das Hinspiel bei Dynamo Dresden verloren, und zur Pause stand es im zweiten Vergleich 1:3. Uerdingen benötigte also fünf Treffer - und es schoss sechs. Spieler und Trainer wählten dieses 7:3 im Januar 2007 bei einer Umfrage des Magazins "11 Freunde" zum größten Fußballspiel aller Zeiten.

Doch wer den Jubel verstehen will, muss sich vor allem mit dem Niedergang in Uerdingen beschäftigen. Er begann 1995. Nach der Saison trennte sich die Bayer AG vom damaligen Erstligisten, der in KFC Uerdingen 05 umbenannt wurde. 1996 folgte der Abstieg aus der Bundesliga, 1999 der in die damals drittklassige Regionalliga Nord. Am 31. Oktober 2004 drohten beim KFC angesichts von Verbindlichkeiten und Rückstellungen von 1,835 Millionen Euro endgültig die Lichter auszugehen. Die einzige Lösung: ein Insolvenzplanverfahren. Der Verein durfte so weiter am Spielbetrieb teilnehmen. 2005 entzog der DFB wegen eines Verstoßes gegen die Verbandsstatuten dem Club die Lizenz - rückwirkend. Der Zwangsabstieg in die Oberliga war die Folge.

2008 war der KFC in der sechsten Liga angekommen und eigentlich klinisch tot. Der dritte Insolvenzantrag binnen fünf Jahren war gestellt. Doch es folgte eine ungeahnte Sympathiewelle. Das Fan-Bündnis "Krefeld wählt" entstand, Benefizspiele folgten. Neuer Vorsitzender wurde der griechische Unternehmer Agissilaos Kourkoudialos, der sich nur Lakis nennt. Er brachte nicht nur neuen Schwung in den Laden, sondern auch eine ganze Menge Geld mit, als Darlehen. Der KFC war damit gerettet - zumindest wirtschaftlich. Sportlich hingegen ging es immer mehr bergab. Spektakulär war allerdings die Verpflichtung des ehemaligen Bundesliga-Torschützenkönigs Ailton. Der kam mitten im Winter, war verletzt, versprach aber 21 Tore in der Rückserie. Sein persönlicher Höhepunkt beim Comebackspiel war, dass er sein Auto aus dem Parkverbot bringen sollte. 2011 gelang der Aufstieg in die Oberliga, 2013 der erste Regionalliga-Aufstieg. Doch nur zwei Jahre hielt sich der Club hier.

Im zweiten Jahr stieg der russische Geschäftsmann Mikhail Ponomarev als Investor ein und löste Lakis als Vorsitzenden ab. Seither investierte er mächtig Geld und gliederte die erste Mannschaft in eine GmbH aus. Und nun ging es eben binnen eines Jahres aus der Oberliga in die Dritte Liga. Auch das soll nur eine Zwischenstation sein.