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| 15:51 Uhr

Das Sieger-Interview
Franz Löschke: „Man hätte nach Ägypten fliegen müssen“

 Franz Löschke vor der Frankfurter Skyline. Der Finsterwalde holte sich vor zwei Wochen EM-Bronze in der Main-Metropole.
Franz Löschke vor der Frankfurter Skyline. Der Finsterwalde holte sich vor zwei Wochen EM-Bronze in der Main-Metropole. FOTO: EIBNER/rrz
Finsterwalde. Der Triathlet spricht über die Hitzeschlacht von Frankfurt und EM-Bronze – aber auch über seinen Olympia-Verzicht. Von Julian Münz

Während den meisten bei Temperaturen bis zu 40 Grad schon ganz ohne Sport die Schweißperlen auf der Stirn stehen, absolvierte Triathlet Franz Löschke bei dieser Hitze einen ganzen Ironman: Bei der Triathlon-EM in Frankfurt am Main vor zwei Wochen legte der Finsterwalder 3,8 Kilometer Schwimmstrecke, 180 Kilometer auf dem Fahrrad und zum Schluss noch einen Marathon zurück, bevor er völlig erschöpft, aber erfolgreich als Dritter ins Ziel einlief. Und nicht nur dank EM-Bronze haben sich die Strapazen für den RUNDSCHAU-Sportler der Woche gelohnt. Mit dem Ergebnis löste er zudem sein Ticket für den im Oktober stattfindenden Ironman Hawaii, den Olymp der Triathleten, ein.

Herr Löschke, in Frankfurt haben, Sie sich für den Ironman Hawaii qualifiziert. Wie geht es Ihnen mehr als eine Woche später?

Löschke Muskulär sind die Wunden gut verheilt, ich kann mich wieder sehr gut bewegen. Jetzt überwiegt natürlich die Freude über die Qualifikation für Hawaii und die Medaille bei der Europameisterschaft.

Wussten Sie schon vor dem Rennen, dass Sie Medaillenchancen haben oder entwickelte sich das erst während des Rennens?

Löschke Ich hatte schon im Vorfeld ein gutes Gefühl, dass die Qualifikation für Hawaii möglich ist. Zum einen weil es dafür vier freie Plätze gab, und zum anderen, weil andere Stars nicht mit in die Wertung eingingen (Jan Frodeno, Sebastian Kienle und Patrick Lange haben sich als frühere Sieger des Ironman Hawaii unabhängig von ihrer Platzierung qualifiziert, Anm.d.Red.) Das Ziel war nicht unbedingt, um die ersten drei Plätze zu laufen. Als es zum Laufen ging, wurde mir aber gesagt, dass ich schneller bin als alle anderen außer Sebi und Jan. Dadurch, dass ich enorm viel Familie und Helfer dabei hatte, wusste ich dann alle paar hundert Meter, wie ich stehe.

Acht Stunden Höchstleistung bei 40 Grad Celsius – kann man sich auf sowas überhaupt vorbereiten?

Löschke Nur bedingt. Im Vorfeld wusste man schon, dass es richtig heiß wird. Ich habe ein paar Vorbereitungen getroffen, mir etwa im Internet eine richtig gute Sonnencreme mit Zink bestellt und überlegt, wie ich meine Mütze bearbeite. Aber um mich speziell darauf vorzubereiten, hätte ich wahrscheinlich nach Ägypten fliegen müssen.

Bei den Frauen brach die lange führende Sarah True wenige Meter vor dem Ziel zusammen. Mussten Sie sich während des Rennens zurücknehmen, um nicht das gleiche Schicksal zu erleiden?

Löschke Ich hatte mir im Vorhinein eine Geschwindigkeit beim Laufen zurechtgelegt. Nach fünf, sechs Kilometern habe ich mich dann aber den Bedingungen angepasst und bin langsamer gelaufen, um meinen Energieverbrauch zu senken.

Die vor ihnen platzierten Jan Frodeno und Sebastian Kienle haben den Ironman in Hawaii bereits gewonnen. Welche Ziele haben Sie sich für den Wettbewerb im Oktober gesetzt?

Löschke Wir werden das Rennen richtig gut vorbereiten und fliegen auch schon einige Wochen vorher nach Hawaii. In erster Linie geht es darum, Erfahrung zu sammeln. Aber ich möchte gerade nach der Form der letzten Wochen auch gute Leistungen zeigen. Sich ein zeitliches Ziel zu setzen, ist in Hawaii immer schwer, da die Windbedingungen unterschiedlich sind. Und bei Platzierungszielen bin ich abergläubisch. In den letzten Jahren bin ich gut damit gefahren, wenn ich im Vorfeld keine konkreten Platzierungsprognosen gemacht habe.

In den letzten fünf Jahren gewannen auf Hawaii bei den Männern immer deutsche Sportler. Woher kommt diese Dominanz?

Löschke Das ist schwer zu beantworten. Aber es stimmt, dass wir gerade bei den Männern die am stärksten vertretene Nation sind. Manche sagen schon, dass der Ironman auf Hawaii die deutschen Meisterschaften mit internationaler Beteiligung sind. (lacht)

Schielen Sie auch schon auf die Olympischen Spiele 2020, die nächstes Jahr in Tokio stattfinden?

Löschke Nein. Um mich dort ins Gespräch zu bringen, müsste ich auf eigene Kosten bei Qualifikationsrennen mitmachen. Das ist nicht so mein Ding.

Wie viele Gratulationen haben Sie schon aus ihrer Heimat Finsterwalde bekommen?

Löschke Zum Einen gab es sehr viele über den direkten Weg, zum Anderen auch welche, die an mich über meine Eltern überbracht wurden. So etwa der Finsterwalder Bürgermeister, der direkt nach dem Wettkampf an meinen Papa geschrieben hat, oder auch meine ehemalige Trainerin Marlies Homagk und einige Trainingskollegen.

Sie sind wegen des Sports häufig unterwegs. Wie viel Zeit bleibt da noch, die alte Heimat zu besuchen?

Löschke In letzter Zeit bin ich eher weniger Zuhause – nicht einmal in Potsdam, wo ich momentan lebe. In der Regel schaffe ich es etwa fünf bis sechsmal im Jahr nach Finsterwalde. In den nächsten vier bis fünf Wochen bin ich erstmal unterwegs, deshalb weiß ich gar nicht, wann ich das nächste Mal wiederkomme. Gerade bin ich auf dem Weg nach München zu einem Fototermin für einen Sponsor. Danach geht es in ein Höhentrainingslager nach St. Moritz.