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| 14:06 Uhr

Das Sieger-Interview
Frank Kutzsch: „Pumper-Typen stehen nur vorm Spiegel“

 Drei Europameistertitel, ein Europa-Rekord – und das innerhalb von zehn Tagen: Frank Kutzsch hat Deutschland in Riga und Prag stark vertreten.  
Drei Europameistertitel, ein Europa-Rekord – und das innerhalb von zehn Tagen: Frank Kutzsch hat Deutschland in Riga und Prag stark vertreten.   FOTO: Jan Lehmann
Herzberg. Der Gewichtheber ist neuer Sportler der Woche. Trotz – oder gerade wegen – seines Alters gewinnt er immer noch. Von Josephine Japke

Mit überragenden 79 Prozent der Stimmen ist Frank Kutzsch zum neuen RUNDSCHAU-„Sportler der Woche“ gekürt worden. Trotz vieler Meistertitel in nationalen und internationalen Wettbewerben ist diese Auszeichnung für den 63-jährigen Gewichtheber aus Herzberg etwas ganz Besonders.

Herr Kutzsch, Gratulation zum Sieg. 934 Personen haben Sie zum Sportler der Woche gewählt. Wie fühlt sich dieser Erfolg an?

Kutzsch Das ist grandios! Gerade, dass wir gegen die Fußballer gewonnen haben, ist super und unerwartet. Viele Kraftsportler haben mir die Stimme gegeben und das zeugt davon, dass wir eine super Truppe sind, die zusammenhält. Unsere Sportart ist nicht so bekannt, da ist der Sieg einmalig.

Bei den Deutschen Meisterschaften des UPC-Verbandes haben Sie 157,5 Kilo im Bankdrücken gestemmt, 230 Kilo im Kreuzheben. Schafft man das jede Woche? Und was ist Ihre Bestmarke?

Kutzsch (lacht) Und die dritten Versuche waren leider ungültig, sonst wären das deutsche Rekorde gewesen. Aber nein, das schafft man nicht jede Woche, denn man wird ja auch älter und schwächer. Vor zwei bis drei Jahren konnte ich beim Bankdrücken etwa zehn Kilo mehr stemmen und beim Kreuzheben sogar 25 Kilo. International könnte meine Leistung dennoch für Platz zwei reichen.

Gibt es ein Geheimnis für Ihren Erfolg, trotz Ihrer 63 Jahre?

Kutzsch Ich bin unter anderem etwa acht Mal Weltmeister geworden. Doch trotz der Erfolge muss man immer bodenständig bleiben. An erster Stelle steht außerdem die Gesundheit. Und ohne meine Gönner und Sponsoren, die es mir ermöglichen, überhaupt zu Wettkämpfen zu fahren, wäre das nicht möglich gewesen.

Was unterscheidet Sie von den jungen Hüpfern, die heute im Kraftsport erfolgreich sein wollen?

Kutzsch Bei den Jüngeren gibt es viele Pumper-Typen, die vor dem Spiegel stehen und abends in die Disco gehen. Aber es gehört einiges dazu, Wettkämpfe zu bestreiten, vor allem Disziplin. Ich bin jetzt 20 Jahre aktiver Powerlifter und zehre von meiner Routine und der Erfahrung – und die bekommt man nur, wenn man an Wettkämpfen teilnimmt. Hantelstangen und Atmosphäre sind da einfach anders als im heimischen Wohnzimmer. Da kommt auch nach 20 Jahren noch Nervenflattern auf und wenn du dieses Adrenalin nicht mehr hast, brauchst du nicht mehr mitmachen.

Was Ihre Konkurrenz sicher interes­sieren wird: Wie lange wollen Sie der jungen Garde noch die Medaillen wegschnappen?

Kutzsch Das kommt darauf an, wie meine Gesundheit mitspielt, denn Wehwehchen hat man ja immer. Aber auf jeden Fall will ich noch in meinem Wohnzimmer im April 2020 Deutscher Meister werden. Da trage ich nämlich gemeinsam mit der Stadt Herzberg die deutsche Meisterschaft im Powerlifting aus. Ich rechne mit bis zu 300 Teilnehmern, was auch für unsere Region sicher eine Bereicherung wäre.