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Namensliste veröffentlicht
Russland mit IOC einig: 169 Sportler für Pyeongchang

Anton Schipulin wird nicht bei den Olympischen Winterspielen in Südkorea teilnehmen: Biathlet Anton Schipulin. Foto: Robert F. Bukaty
Anton Schipulin wird nicht bei den Olympischen Winterspielen in Südkorea teilnehmen: Biathlet Anton Schipulin. Foto: Robert F. Bukaty FOTO: Robert F. Bukaty
Moskau. Russland ist sich nach eigenen Angaben mit dem IOC über den Start von 169 Sportlerinnen und Sportlern bei den Olympischen Winterspielen in Südkorea einig. Von Friedemann Kohler, dpa

Olympia-Legende Viktor Ahn ging auf Konfrontationskurs zu Thomas Bach, doch das Olympia-Aus vieler russischer Sportstars ist wohl unumgänglich.

Nachdem das Nationale Olympische Komitee Russlands (ROC) mit einer Liste von 169 Teilnehmern für die Winterspiele in Pyeongchang vom 9. bis 25. Februar vorgeprescht ist, dürfte klar sein, dass Russland weitgehend namenlose Sportler an den Start schickt. Weder Ahn, noch Biathlon-Olympiasieger Anton Schipulin, noch Langlauf-Weltmeister Sergej Ustjugow stehen auf der Teilnehmer-Liste. Russland, das vor vier Jahren in Sotschi noch die Medaillenwertung gewonnen hatte, muss sich auf deutlich weniger erfolgreiche Spiele einstellen.

Shorttracker Ahn, immerhin sechsmaliger Goldmedaillengewinner, kann sich mit seinem Olympia-Aus nicht abfinden und richtete in einem offenen Brief deutliche Worte an IOC-Präsident Bach. „Während meiner gesamten Shorttrack-Karriere hat es nie einen Grund gegeben, an meiner Ehrlichkeit und Integrität zu zweifeln“, schrieb er. „Es ist empörend, dass es keinen konkreten Grund gibt, der meinen Ausschluss von den Olympischen Spielen erklärt, und außerdem sehen mich die Leute jetzt als einen Athleten an, der gedopt hat.“

Warum Ahn und Co. in Pyeongchang nicht erwünscht sind, wird vom IOC nur nebulös dargestellt. Einen positiven Dopingbefund gibt es bislang nicht. „Unser Job war die Zusammenstellung aller Information aus allen bisherigen Ermittlungen und Quellen“, sagte WADA-Chefermittler Günter Younger der Deutschen Presse-Agentur. Genutzt wurden auch die Daten aus dem Moskauer Doping-Analyselabor für die Zeit von 2012 bis 2015, die der WADA zugespielt worden waren. Herangezogen wurden aber auch die Untersuchungsergebnisse von Richard McLaren in Russland, Steroidprofile und Blutpässe der Athleten sowie DNA-Analysen von Urin-Proben oder die Ergebnisse der vorolympischen Doping-Tests.

Das IOC verweist indes auf die Suspendierung des russischen NOK im Zuge des riesigen Sotschi-Dopingskandals. Daher sind die russischen Athleten, die nur unter neutraler Flagge und ohne Hymne starten dürfen, auf eine Einladung des IOC angewiesen. Aus einem Kreis von 500 Athleten waren bereits 111 Sportler aussortiert worden. Schließlich legte Russland selbst eine Liste von 169 Athleten vor, die mit dem IOC abgestimmt sei. „Die darin aufgeführten Athleten erhalten eine Einladung des IOC“, wurde Sportminister Pawel Kolobkow zitiert. Vom IOC in Lausanne gab es zunächst keine Bestätigung, dass die Aufstellung endgültig sei. Ursprünglich sollte erst am Samstag über die Einladungsliste entschieden werden.

Schipulin, Kapitän der russischen Biathlon-Mannschaft, schrieb im sozialen Netzwerk Instagram, er sei tieftraurig. „Ich habe in meiner ganzen Karriere nie Anlass zu Zweifeln gegeben, ob ich sauber bin.“ Auch er fragte das IOC nach dem Grund des Ausschlusses.

Auf der russischen Liste stehen viele Nachwuchssportler. „Das Niveau dieser Mannschaft ist schwächer, als es sein könnte, und das liegt nicht nur an fehlenden Stars“, schrieb „Sport-Express“. „Zum Beispiel können wir im Biathlon erstmals seit 1968 nicht bei den Staffeln mitlaufen.“ Gemeldet sind nur zwei Männer und zwei Frauen, so dass nur ein Start im Mixed möglich ist.

Was bleibt Russland noch? Erstklassig besetzt - wenn auch ohne NHL-Stars - ist das russische Eishockey-Team mit den Topspielern Ilja Kowaltschuk und Pawel Dazjuk. Im Eiskunstlauf gehören die Paarlauf-Europameister Jewgenija Tarassowa/Wladimir Morosow zu den größten Konkurrenten der deutschen Goldanwärter Aljona Savchenko/Bruno Massot. Die 15 Jahre alte Europameisterin Alina Sagitowa und ihre drei Jahre ältere Teamkollegin Jewgenija Medwedjewa dürften Olympia-Gold unter sich ausmachen.

Wegen des Ausschlusses vieler Sporthelden gab es in Russland Forderungen, dass auch die anderen Athleten auf den Start verzichten sollten. Das ROC lehnt einen Boykott aber ab. Sportminister Kolobkow sagte, jeder Athlet müsse selber entscheiden. Seines Wissens gebe es aber niemanden, der verzichte. Shorttrack-Weltmeister Semjon Jelistratow kündigte an, er werde auf alle Fälle fahren.

Russische Olympia-Teilnehmer laut ROC (Russ.)

Offener Brief Viktor Ahn an Thomas Bach (Russ./Engl.)