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| 19:08 Uhr

Rücktritt von Skeleton-Trainer
Sportpolitikerin Dagmar Freitag verteidigt Reformpläne

Dagmar Freitag
Dagmar Freitag FOTO: Sven Hoppe
Berlin. Nach dem Rücktritt von Skeleton-Cheftrainer Jens Müller (52) und dessen Kritik an der Spitzensportreform in Deutschland hat Sportpolitikerin Dagmar Freitag die geplanten Änderungen bei der Förderung verteidigt.

Müller hatte am Montag erklärt, dass er seinen Job nach acht Jahren unter anderem wegen der aus seiner Sicht schlechten Bezahlung zur Verfügung stellt.

"Kernpunkt der Reform ist es, die Bedürfnisse der Athleten deutlich stärker als bisher in den Mittelpunkt zu rücken. Da ist es folgerichtig, dass wir auch die Rolle der Trainer fokussierter betrachten", sagte die Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag dem SID. Dabei gehe es um wichtige Dinge wie Berufsbild, Qualifikationen, Verantwortlichkeiten und Arbeitsumfeld.

Freitag räumte aber auch ein, dass die Bezahlung der Bundestrainer Sache der Verbände sei. "Wir hatten im Rahmen der Traineroffensive den Verbänden deutlich mehr Mittel zur Bezahlung von Trainern zur Verfügung gestellt - aber nicht alle haben diese als Gehaltserhöhungen weitergereicht, sondern zusätzliche Trainer angestellt", so Freitag.

Müller hatte die zuletzt gestartete Reform zur Förderung des Leistungssports in Deutschland kritisiert, zumal die Rolle der Trainer nicht genug berücksichtigt werde. "Im neuen Koalitionsvertrag ist nicht mal das Wort Trainer erwähnt", so Müller.

Monika Lazar, Sprecherin der Oppositionspartei Bündnis 90/Die Grünen zeigte Verständnis für Müller. "Bei den Arbeitsbedingungen der Trainer und Trainerinnen gibt es noch einiges zu verbessern. Nicht umsonst wandern in einigen Disziplinen immer mehr Trainer ins Ausland ab, wo teilweise deutlich mehr gezahlt wird", sagte Lazar dem SID.

Am Mittwochnachmittag erläuterten Vertreter des DOSB dem Sportausschuss den aktuellen Stand der Reform. Dabei ging es auch um die Trainer-Frage. "Uns ist wichtig, dass ausreichend Geld für Trainer zur Verfügung steht", sagte Freitag. "Man darf sich aber nicht der Illusion hingeben, dass ähnliche Löhne gezahlt werden wie in China, das derzeit reihenweise deutsche Trainer abwirbt", so Freitag.

Mitte März war das Kernstück der Reform, das Potenzialanalyse-System PotAS, online gegangen. Die Verbände müssen seitdem bis zum 22. Mai 151 Fragen beantworten. Daraus bildet sich die Grundlage für die künftige Förderung.

Durch die Reform erwartet der DOSB einen deutlichen Mittelaufwuchs durch den Bund um 60 Millionen Euro in diesem Jahr, um 90 Millionen Euro im nächsten Jahr und um 120 Millionen Euro im Olympiajahr 2020. Derzeit fließen etwa 170 Millionen Euro pro Jahr aus Berlin an den Sport.

(sid)