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Rodeln bei Olympia
Loch kann sich nur noch selbst schlagen

Das historische Olympia-Gold fest vor Augen, verabschiedete sich Felix Loch in die bitterkalte Nacht von Pyeongchang. "Schnell was essen und dann ab ins Bett", sagte Deutschlands Ausnahmerodler nach zwei von vier Läufen mit einem breiten Grinsen.

Zur Halbzeit führt Loch souverän und kann sich am Sonntag (ab 20.00 Uhr OZ/12.00 Uhr MEZ) im Kampf um seinen dritten Olympiasieg im Einzel nur noch selbst schlagen - diese Marke hat vor ihm nur sein Mentor Georg Hackl erreicht.

Fast zwei Zehntelsekunden trennen den Bayer vom zweitplatzierten Österreicher David Gleirscher (+0,188), Dritter ist der Russe Roman Repilow (0,217). "Hier auf dieser Bahn kann aber ganz schnell etwas schiefgehen", sagte Loch, "ich kann das alles nicht entspannt sehen und brauche noch zwei sichere Läufe."

Doch der Dominator der vergangenen zehn Jahre wirkte erleichtert, als er ins Publikum winkte. Sein Favoritenstatus war ein wenig brüchig geworden in den vergangenen beiden Jahren, ungewohnt viele Fehler und starke Konkurrenten machten ihm das Leben schwer. In Pyeongchang war nun aber plötzlich alles wieder so, wie man es über Jahre kannte: Aus der Riege der Top-Rodler hatte Loch seine Nerven beim absoluten Saisonhöhepunkt am besten im Griff, den zweiten Lauf beendete er in 47,625 Sekunden mit einem Bahnrekord.

Und die Mitfavoriten fielen weit zurück, wohl schon zu weit, um am Sonntag nochmal angreifen zu können. Weltmeister Wolfgang Kindl (Österreich/0,514) ist vor allem aufgrund des ersten Laufes nur Neunter. Und Europameister Semen Pawlitschenko verlor gleich mehrmals die Kontrolle über seinen Schlitten, der Russe liegt als 17. schon aussichtslos zurück.

Auch deshalb sah sich Loch in seiner Wahl eines wenig riskanten Schlittensetups bestätigt. "Harakiri bringt auf dieser Bahn nichts, du brauchst hier Einstellungen, auf die du dich verlassen kannst", sagte er: "Und die haben wir gefunden."

Weniger gut lief es für die beiden weiteren Deutschen. Johannes Ludwig (Oberhof) fiel nach einem schwächeren zweiten Lauf mit 0,405 Sekunden Rückstand vom dritten auf den achten Platz zurück. Zwölfter ist Routinier Andi Langenhan (Zella-Mehlis/0,634). "Ich habe den Arsch vollgekriegt, weil ich alles auf eine Karte gesetzt habe", sagte der Olympia-Vierte von Sotschi 2014 über seinen fehlerhaften ersten Lauf: "Ich wollte bei Olympia nicht nochmal Vierter, Fünfter oder Sechster werden sondern alles riskieren. Dann kann so etwas eben passieren."

Nach dem ersten Lauf hatte überraschend der 23-jährige Gleirscher geführt, der noch nie in seiner Karriere auf einem Weltcup-Podest stand. Der Österreicher hatte sich erst im Rahmen des Weltcups in Lillehammer und damit bei seiner letzten Chance für die Spiele qualifiziert und dabei seinen jüngeren Bruder Nico ausgestochen. Der Sport liegt den Geschwistern im Blut: Ihr Vater ist der frühere Weltklasse-Rodler Gerhard Gleirscher.

"Jeden kann man nicht auf der Rechnung haben, aber ich hatte ihn im Hinterkopf", sagte Loch: "Er hat hier schon im Training überzeugt." An Loch dürfte auch Gleirscher aber nur noch bei Fehlern des Deutschen herankommen.