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Rodel-Hoffnung kämpft mit den Tränen
Ein Fehler bringt Loch um seinen großen Traum

Es hätten seine Winterspiele werden sollen. Felix Loch (28) wollte seine vierte Goldmedaille bei Olympischen Winterspielen gewinnen. Er wollte sein drittes Gold in Folge holen und damit den Rekord der Rodel-Legende Georg Hackl brechen. Doch es kam anders. Jessica Balleer

Am Ende des Eiskanals kämpfte der Deutsche mit den Tränen, weil er sich mit einem Fahrfehler selbst um die Erfüllung all dieser Träume gebracht hatte.

Nach drei von vier Durchgängen führte Loch das Einzel-Rodeln souverän und wie im Vorfeld erwartet an. Fast zwei Zehntelsekunden hatte er zwischen sich und den zweitplatzierten Österreicher David Gleirscher (+0,188) gebracht. Loch hatte also die Weichen für den Erfolg gestellt. Nur ein Durchlauf trennte ihn im Alpine Sliding Center in Pyeongchang davon. Eine Fahrt, bestenfalls rund 47 Sekunden lang, hatte der deutsche Topfavorit im Rennrodel-Einsitzer noch vor sich

Um 14.34 Uhr deutscher Zeit atmete er tief ein. Der dreifache 12-fache Weltmeister, fünffache deutsche Meister und Topfavorit bei den Spielen klappte das Visier herunter. Loch fokussierte die Bahn – und startete auf Goldkurs Richtung Ziel. Die ersten Zwischenzeiten waren passabel. Doch mit jeder Sekunde, jeder Kurve, jeder Unebenheit schmolz sein Vorsprung dahin. In Kurve neun dann der Fauxpas. Selbst für Laien war zu erkennen, wie der Schlitten des Deutschen geradezu abhob. Fast quer stand Loch nach einer Bandenberührung. Er konnte seinen Fahrfehler nicht mehr korrigieren, die verlorene Zeit nicht mehr aufholen.

Im Ziel wurde die Ahnung zur Gewissheit. Wie Schlitten und Bande, prallte die Hoffnung an der Zeitanzeige auf, die nicht in Grün, sondern in Rot aufblitzte: Der Olympiasieger von Sotschi 2014 fiel mit einer enttäuschenden Zeit von 48,109 Sekunden aus den Medaillenrängen. Überraschend siegte stattdessen der erst 23 Jahre alte Olympia-Debütant Gleirscher.

IOC-Präsident Thomas Bach tröstet Felix Loch

"Es ist unglaublich bitter", sagte Loch, mit den Tränen kämpfend. "Ich hatte hier drei super Läufe und einen Scheißlauf. So ist das im Sport." Loch hatte die zweitschlechteste Zeit im letzten Durchlauf erzielt. Anschließend ließ er sich von IOC-Präsident Thomas Bach trösten. "Das Gespräch war sehr emotional. Er wollte mich aufmuntern, er weiß wie weh so eine saftige Niederlage tut", sagte Loch.

Sein Absturz brachte einen anderen deutschen Rodler nach vorne. Johannes Ludwig wurde Dritter, gewann die Bronzemedaille und damit das bis dato fünfte Edelmetall in Pyeongchang für Deutschland. Doch am Sonntagmittag hatte ihm wieder einmal Felix Loch die Show gestohlen. Diesmal nicht als strahlender Titelträger und Rekordbrecher. Sondern als gefallener Held, dessen fünfter Rang sich für Fans und ihn selbst wie eine große Niederlage anfühlte.

Waren es die Nerven? Der Druck? Übermut jedenfalls war es wohl kaum. Der 28-Jährige hatte kurz vor dem finalen Akt selbst noch mahnende Worte gewählt: "Hier auf dieser Bahn kann ganz schnell etwas schiefgehen", hatte Loch gesagt. Seine Vorahnung war um 14.35 Uhr Gewissheit.