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Sportler in Uniform
Das "Zoll Ski Team" glänzt mit Laura Dahlmeier

Ohne Bundeswehr, Bundespolizei und Zoll gäbe es womöglich auch die Olympia-Erfolge von Biathletin Laura Dahlmeier nicht. Seit 50 Jahren fördert der Bund den Spitzensport. Bei den Winterspielen in Pyeongchang zahlt es sich offenbar wieder aus.

Das "Zoll Ski Team" glänzt mit Biathlon-Königin Laura Dahlmeier und könnte das Goldstück der vom Bund angestellten deutschen Spitzensportler bei den Winterspielen in Pyeongchang werden. In drei von sechs Medaillenkämpfen hatten die "Zöllner" Olympiasiege durch Dahlmeier (2) - die am Donnerstag noch Bronze über 15 Kilometer dazu holte - und Skispringer Andreas Wellinger sowie Silber durch Schanzen-Kollegin Katharina Althaus verbucht.

"Für mich ist das das Beste, denn nebenbei findet keine Ausbildung statt, und ich kann zu Hause trainieren in Mittenwald und Kaltenbrunn", sagte Zollhauptfeldwebel Dahlmeier. Dass sie vor den Winterspielen auf die andere Seite der Grenze gewechselt sein könnte, um für den österreichischen Zoll Dienst zu schieben, wie im Olympia-Informationssystem zu lesen war, erwies sich als falsch.

Die vom Zoll geförderten Athleten (23) bilden hinter den Bundespolizisten (24) und den Bundeswehrsoldaten (60) im Team Deutschland (153) die kleinste Gruppe. Ohne diese staatlichen Planstellen - allein die Bundeswehr hat 744 Athleten im Sold - wären die deutschen Erfolge auf Eis und Schnee bei Olympia, WM und EM in dieser Breite kaum möglich.

Und hunderte von Topsportlern könnten nicht frei von Existenzsorgen auf Medaillenjagd gehen. "Ich musste nicht alles auf die Karte Sport setzen. Das war für mich perfekt", sagte Rodel-Olympiasiegerin Natalie Geisenberger, die seit 2010 bei der Polizei ist.

"Das Team Deutschland in der aktuellen Aufstellung wäre ohne diese öffentlichen Partner nicht denkbar", sagte Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes. "Deshalb ist das ein ganz klarer Erfolgsfaktor unseres deutschen Sportsystems."

Auf das Konto der Bundeswehrsoldaten, für die Eric Frenzel als Fahnenträger und erster Olympiasieger in Uniform von Pyeongchang voran stürmte, gingen seit den Winterspielen 1992 in Albertville mindestens die Hälfte aller Medaillengewinne. 2002 in Salt Lake City erwiesen sie sich als besonders erfolgreiche Streitmacht mit einem Erfolgsanteil von 71 Prozent oder dem Gewinn von 25 der 36 Plaketten.

Sogar beim Debakel 2014 in Sotschi holten die Sportsoldaten mit zehn von 19 (53 Prozent) die meisten Medaillen.

Dass die Bundeswehr an der Pleite von 2014 einen Anteil haben könnte, weist Oberregierungsrat Andreas Hahn zurück. "Wir sind nicht verantwortlich für Trainingsplanung und -inhalte", erklärte der Leiter des Referats Sport, Spitzensport und Militärsport des Kommandos Streitkräfte Basis in Bonn. "Wir sorgen dafür, dass sich die Sportler keine Gedanken über den Lebensunterhalt machen müssen."

Seit fast 50 Jahren erfüllt die Bundeswehr den 1968 erteilten parlamentarischen Auftrag, den Spitzensport zu fördern. 744 Planstellen stehen dafür jährlich zur Verfügung. "Wir sind sehr stolz auf die Erfolge. Der Anteil an der Olympia-Mannschaft und an der Medaillenausbeute bei Sommer- und Winterspielen sind Zeichen der Effizienz für uns", sagte Hahn.

Eine Aufstockung der Stellen für Athleten in Uniform ist auch im Zuge der Leistungsreform nicht vorgesehen. "Das wäre ein Thema gewesen, wenn die Olympia-Bewerbung von München 2018 oder für Hamburg für 2024 funktioniert hätte", meinte Hahn. Nur einmal habe es zusätzliche Sport-Planstellen gegeben: Zwischen den Spielen 2008 in Peking und 2012 in London bewilligte der Bundestag 120 Plätze mehr.

Wie bei den Sommerspielen in Rio wird die derzeit geschäftsführende Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen nicht zu einer Olympia-Inspektion nach Pyeongchang kommen. Dies sei der politischen Entwicklung in Berlin geschuldet und liege nicht an mangelnder Wertschätzung für die Sportsoldaten. "Nein, auf keinen Fall. Die Ministerin ist sportbegeistert", sagte Hahn. "Es tut ihr auch sehr leid, absagen zu müssen."