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Die deutsche Koreanerin
Aileen Frisch rodelt für den Gastgeber

Aileen Frisch war mal ein großes deutsches Rodel-Talent, nun ist sie Südkoreanerin. Für den Traum von Olympia hat sie die Staatsbürgerschaft gewechselt.

Als Deutsche erklärte Aileen Frisch vor drei Jahren eine vielversprechende Rodelkarriere für beendet. Als Südkoreanerin lief sie am vergangenen Freitag ins Olympiastadion von Pyeongchang ein, nahm inmitten ihrer neuen Landsleute an der Eröffnungsfeier teil. Ein komisches Gefühl? "Nö", sagt Frisch: "Emotional, überwältigend, sehr schön. Aber nicht komisch."

Für ihren großen Traum von einer Olympia-Teilnahme hat die 25-Jährige die Nationalität gewechselt, und Frisch ist schon klar, dass das eine Geschichte ist. "Am Ende ist es aber doch nur eine Staatsbürgerschaft, etwas, das auf einem Papier steht", sagt sie im Gespräch mit dem SID: "Das macht mich als Person ja nicht aus."

Im Zuge der Einbürgerung im Schnellverfahren bekam sie dann auch einen neuen Namen verpasst, eine Art Rufnamen nur, der weder auf dem Pass noch in den Startlisten auftaucht. Und der verwirrte sie dann doch ein wenig. Lim Il Wi wurde sie genannt. "Ich wusste nicht, was das bedeutet. Erst nach ein paar Monaten haben es mir ein paar Journalisten erklärt: 'Il Wi', das heißt so viel wie: 'Gewinnt den ersten Preis.'".

Die Erwartungshaltung, die da kurz vor Olympia mitschwang, war dann doch etwas erdrückend. Mittlerweile hat Frisch sich auch damit angefreundet. "Ich gehe mal davon aus, dass das Ganze nicht so richtig ernst gemeint war", sagte Frisch.

Dass ihre neue Heimat viel von ihr erwartet, liegt allerdings auf der Hand. Deutschlands Bob-Ikone Andre Lange und der frühere Rodler Steffen Sartor wurden schon als Trainer verpflichtet, diesen Aufwand betreibt niemand umsonst. Und Frischs Vita liest sich auch sehr gut. Junioren-Weltmeisterin 2012 war sie, dazu schon in jungen Jahren Dritte bei den deutschen Meisterschaften.

Doch irgendwann ging es nicht mehr bergauf, im Gegenteil. "Ich hatte keinen Spaß mehr, ich wurde nicht besser, eher schlechter." Daher der Schlussstrich. Frisch hatte mit der Sportler-Karriere abgeschlossen, arbeitete im Karriere-Beratungsbüro der Bundeswehr in Chemnitz, als das erste Angebot aus Fernost hereinflatterte.

Der erste Gedanke? "Wie soll das denn bitte gehen? Ich sehe nicht aus wie eine Koreanerin, ich spreche die Sprache nicht." Der einzige Bezug: "Ich hatte mich schon vorher für koreanische Popmusik interessiert."

Doch das reichte nicht, sie lehnte ab. Irgendwann allerdings wurde "die Sehnsucht nach dem Schlitten" wieder größer. "Ich habe das Rodeln wieder vermisst. Nicht das deutsche Team, die Reisen, die Weltcups. Einfach nur den Sport." Das zweite Angebot fiel daher auf fruchtbaren Boden.

Und einen Wissenstest auf koreanisch, das Singen der Nationalhymne und viel Papierkram später war sie dann Südkoreanerin. Um dem Rodel-Entwicklungsland noch bis Dienstag ein gutes Ergebnis bei den Winterspielen zu ermöglichen. Und sich selbst den lang gehegten Traum von Olympia zu erfüllen.