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Zwei Sechstligisten im Dauerstress

Wieder in sicheren Händen: Christian Zech (l.), der Kapitän vom Sechstligisten Sportfreunde Dorfmerkingen, und der Vereinsvorsitzende Thomas Wieser präsentieren den wieder aufgetauchten wfv-Pokal, der ihnen auf Mallorca geklaut worden war.
Wieder in sicheren Händen: Christian Zech (l.), der Kapitän vom Sechstligisten Sportfreunde Dorfmerkingen, und der Vereinsvorsitzende Thomas Wieser präsentieren den wieder aufgetauchten wfv-Pokal, der ihnen auf Mallorca geklaut worden war. FOTO: dpa
Aalen. Leipzigs Pokalgegner aus Dorfmerkingen ist neben Rielasingen-Arlen der klassentiefste Starter im diesjährigen DFB-Pokal. Die "Jahrhundertspiele" bedeuten auch großen Aufwand. Doch die beiden Underdogs scheuen keine Mühen. Maximilian Haupt / dpa/swr

Vor dem Spiel des Jahres heißt es für die klassentiefsten Teilnehmer im DFB-Pokal: Arbeit, Arbeit, Arbeit. Und das weniger auf dem Platz als abseits des Rasens. Seit die Sportfreunde Dorfmerkingen am 11. Juni RB Leipzig zugelost bekommen haben und der 1. FC Rielasingen-Arlen sich mit Titelverteidiger Borussia Dortmund als Gegner in der ersten Pokal-Runde beschäftigt, fahren die Macher der beiden Verbandsligisten aus Baden-Württemberg Zusatzschicht um Zusatzschicht. "Ich bin Gesamtorganisator und mache quasi rund um die Uhr alles", erläutert Josef Schill von den SfD vor dem Duell mit dem sächsischen Champions-League-Teilnehmer.

Oliver Ley, vorübergehend zum Pressesprecher bestellt, formuliert es so: "Jetzt ist gerade Hochfrequenz. Sechs, sieben Stunden täglich zusätzlich zum normalen Job. 16, 17 Stunden kann ich nicht jeden Tag leisten." Für den Chef zweier Autohäuser ist klar: "Wir sind froh, wenn es mal wieder normal wird. Aber das ist ein einmaliges Event, so muss man das sehen."

Zudem besteht die Hoffnung auf unerwartete Einnahmen für die Underdogs. Beide Clubs, daran lässt niemand Zweifel aufkommen, freuen sich trotz des riesigen Aufwands wahnsinnig auf ihre Pflichtspiele gegen zwei der besten Mannschaften Deutschlands. Für Dorfmerkingens Cheforganisator Schill ist der Bundesliga-Zweite aus Leipzig sogar "die beste Mannschaft der Bundesrepublik". "Die haben wenig Tore bekommen in der vergangenen Saison", sagt er. "Auch die Vorbereitung ist gut." Sein Tipp für den bevorstehenden Sonntag, wenn der Pokalsieger des Württembergischen Fußballverbands (wfv) und Aufsteiger aus der Landesliga in der Ostalb-Arena des VfR Aalen aufläuft: 1:0. "Ich kann ja nicht anders."

Auch der Sieger des südbadischen Pokals träumt von einer Sensation gegen Pierre-Emerick Aubameyang, Marcel Schmelzer und Co. "Das ist ein Jahrhundertspiel für uns, für den ein oder anderen auch ein Lebensspiel", sagt Ley, der selbst allerdings kein Träumer sein will. "Jeder Realist weiß, dass sechs Ligen Unterschied was ausmachen. Früher gab's die Faustregel: Pro Liga zwei Tore." Für die Partie im Schwarzwald-Stadion in Freiburg wäre er deshalb glücklich, wenn das Team am Samstag eine gute Leistung zeigt, "wenn wir unter sieben (Gegentreffer) nach Hause gehen und vielleicht sogar ein Tor schießen könnten".

Beide Verbandsligisten loben die Zusammenarbeit mit dem DFB und den Pokal-Gegnern. Auch die Freiburger seien als Hausherr im Stadion immer freundlich, obwohl sie über den zusätzlichen Aufwand nicht sonderlich begeistert waren. "Sie sind sich für keine Frage zu schade, man darf immer anrufen und fragen", berichtet Ley. Dorfmerkingen erkundigte sich bei Gegner Leipzig nach dem richtigen Spielball - und bekam nicht nur das Angebot, dass sich die Gäste darum kümmern, sondern auch 50 Exemplare geschenkt.

Der Club hatte beim Feiern auf Mallorca die Trophäe für den Sieg im wfv-Pokalfinale über die Stuttgarter Kickers verloren, wenige Tage später aber zurückbekommen. Inzwischen bewacht er den Cup mit höchster Aufmerksamkeit. Für den wfv-Pokalsieger wird das Duell mit Leipzig bei einer Niederlage für lange Zeit das letzte DFB-Pokalspiel und deswegen noch bedeutsamer sein, als es ohnehin schon ist. Denn in der ersten Runde des neuen wfv-Pokals gab es für die - vom ehemaligen VfB-Profi Helmut Dietterle trainierte - Mannschaft am vergangenen Wochenende ein ärgerliches 0:3 gegen den SGV Freiberg. Zusatzschichten in einem Jahr sind also ausgeschlossen.

Zum Thema:
Ohne Top-Scorer Emil Forsberg, aber wieder mit Verteidiger Bernardo hat RB Leipzig am Mittwoch seine Vorbereitung auf das Erstrundenspiel im DFB-Pokal aufgenommen. Der schwedische Nationalspieler Forsberg fehlte bei der ersten Trainingseinheit der Woche. Er soll sich seit zwei Tagen nicht fit fühlen. Eine Diagnose steht noch aus. Bernardo stieg dagegen ins Mannschaftstraining ein, nachdem er beim Emirates Cup einen Schlag auf den Köchel bekommen hatte. Derweil zieht sich die Verletzungspause von Diego Demme weiter hin. Er und der angeschlagene Innenverteidiger Ibrahima Konaté, jüngst vom FC Sochaux gekommen, standen nicht mit dem Team auf dem Platz. Demme laboriert immer noch an seiner vor zweieinhalb Wochen im Trainingslager erlittenen Prellung am rechten Knie. Mittelfeldspieler Naby Keita hatte Demme in einer Einheit rüde gefoult. Demme wird damit am kommenden Sonntag (15.30 Uhr) in der ersten Runde des DFB-Pokals beim Sechstligisten Sportfreunde Dorfmerkingen fehlen. (dpa/swr)

Wird den Pokal-Auftakt verpassen: Leipzigs Emil Forsberg.
Wird den Pokal-Auftakt verpassen: Leipzigs Emil Forsberg. FOTO: dpa