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| 02:39 Uhr

Zverev: "Ich habe keine Lust mehr zu lernen"

Alexander Zverev muss das Aus in Wimbledon verdauen.
Alexander Zverev muss das Aus in Wimbledon verdauen. FOTO: dpa
London. Alexander Zverev hat genug von den ständigen Lobeshymnen. "Wir reden ja immer davon, dass ich aus jedem Match, das ich verliere, lerne. Wolfgang Müller

Das sage ich mir schon seit drei Jahren. Irgendwann habe ich keine Lust mehr zu lernen", sagte der Rohdiamant des deutschen Herren-Tennis nach seinem frustrierenden Wimbledon-Aus im Achtelfinale. "Ich möchte solche Matches endlich gewinnen."

Als ein englischer Journalist in der Pressekonferenz nach seiner Fünfsatz-Niederlage gegen den Vorjahresfinalisten Milos Raonic die Frage stellte, ob er nicht das Gefühl habe, dass er dieses Match hätte gewinnen müssen, sagte Zverev nur ein Wort: "Ja."

Natürlich freute sich der 20 Jahre alte Hamburger über seine erste Achtelfinal-Teilnahme bei einem Grand-Slam-Turnier. Auch auf dem bedeutendsten aller Spielplätze seiner Sportart hat er eine Woche lang demonstriert, warum so viele Experten in ihm eine künftige Nummer eins und einen baldigen Grand-Slam-Champion sehen.

Ob Boris Becker, John McEnroe oder seine aktuellen Konkurrenten von Roger Federer bis Novak Djokovic - kaum einer, der Zverev nicht eine ganz große Zukunft prophezeit. Doch für die frühere Nummer eins der Junioren-Weltrangliste kann diese Zukunft jetzt endlich auch einmal beginnen. Er will nicht mehr hören, dass solche Niederlagen wie gegen Raonic zum Lernprozess gehören und er noch Erfahrung sammeln müsse. Der gerade dem Teenageralter entwachsene 1,98-Mann mag sich mit dem Erreichten und dem Staus quo als Nummer zwölf der Weltrangliste nicht mehr so recht zufrieden geben.

Vor einigen Wochen überraschte er beim Rasenturnier in Halle mit der Aussage, er wolle sich in diesem Jahr für die ATP-WM der besten acht Spieler der Saison qualifizieren. In dieser Wertung liegt er aktuell auf Platz fünf - nur Rafael Nadal, der am Montagabend spektakulär in fünf Sätzen mit 3:6, 4:6, 6:3, 6:4, 13:15 am Luxemburger Gilles Muller scheiterte, Federer, Dominic Thiem und Stan Wawrinka liegen vor ihm. Dabei war Zverev von der Spielerorganisation ATP eigentlich als Zugpferd einer ganz anderen Veranstaltung vorgesehen. Um neue Gesichter für die Zeit nach Federer, Nadal, Djokovic und Murray zu pushen, hat sie eine Art Mini-WM für alle Profis bis 21 Jahre im November in Mailand ins Leben gerufen. Doch allein der Blick auf das sogenannte Race to Milan offenbart, dass Zverev in der Riege der Youngster schon jetzt in seiner eigenen Welt Tennis spielt. Mit 2530 Punkten liegt er dort an der Spitze. Es folgt der Russe Karen Chatschanow mit 695 Zählern.

Zverevs Name wird längst nicht mehr im Zusammenhang der jungen Wilden genannt. Er knallt zwar auch noch immer den Schläger auf den Boden, um seine Wut zu kanalisieren. Aber er spielt reifer, variabler, kreativer und, nun ja, erwachsener als seine Altersgenossen. Die ersten drei Wimbledon-Runden überstand er ohne Satzverlust. Daher will er sich auch nicht allzu lange mit der Frustbewältigung quälen. In der kommenden Woche beginnt Zverev in Florida mit dem Training auf Hartplatz, um sich auf die Nordamerika-Tour mit den US Open als Höhepunkt vorzubereiten.

Zum Thema:
Mit einem Tag Verspätung hat auch der dreimalige Turniersieger und ehemalige Weltranglisten-Erste Novak Djokovic in Wimbledon das Viertelfinale erreicht. Der 30 Jahre alte Tennisprofi aus Serbien kam am Dienstag zu einem 6:2, 7:6 (7:5), 6:4 gegen den Franzosen Adrian Mannarino.