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| 14:14 Uhr

Radsport
Viel Zuspruch für Maximilian Levy

Maximilian Levy hat die ersten 4000-Meter-Tests erfolgreich absolviert.
Maximilian Levy hat die ersten 4000-Meter-Tests erfolgreich absolviert. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Die Radsport-Szene traut dem Cottbuser den Umstieg in den Ausdauerbereich als Anfahrer beim LKT-Team zu. Es gibt jedoch auch eine Warnung vor der Gratwanderung. Von Frank Noack

Die Ausdauer-Ambitionen von Sprinter Maximilian Levy im Vierer des LKT-Team Brandenburg unter der Leitung von Erfolgstrainer Heiko Salzwedel sind natürlich auch bei den International Cycling Days in Cottbus ein heiß diskutiertes Thema. Die RUNDSCHAU hatte in der Samstag-Ausgabe exklusiv berichtet, dass der vierfache Kurzzeit-Weltmeister und amtierende Keirin-Europameister mit LKT bei der Deutschen Meisterschaft im Juli in Dudenhofen in der 4000-Meter-Mannschaftsverfolgung an den Start gehen will und bereits die ersten Tests erfolgreich absolviert hat.

Eine RUNDSCHAU-Umfrage am Wochenende bei den Cyclings Days des RK Endspurt auf der Radrennbahn in Cottbus ergab: Weggefährten von Maximilian Levy und Experten in diesem Metier trauen dem 30-jährigen Sprinter durchaus zu, auch im Ausdauerbereich als Anfahrer des LKT-Vierers eine gute Rolle zu spielen. Der Cottbuser Olaf Pollack (44), Olympiasieger und zweifacher Weltmeister in der Mannschaftsverfolgung, sagt: „Max traue ich alles zu! Von den körperlichen Voraussetzungen her hätte er in seiner Karriere auch ein guter Ausdauerfahrer werden können.“

Und Stefan Nimke (40) betont: „Wenn es einer aus dem Kurzzeitbereich packt – dann er.“ Der Schweriner gehört zu den erfolgreichsten deutschen Bahnradsportlern. 2008 gewann er gemeinsam mit Levy Olympia-Bronze im Teamsprint. 2010 und 2011 wurden beide Weltmeister in dieser Disziplin.

Auch bei den Fahrern, die den LKT-Legionärs-Vierer bilden sollen, ist die Vorfreude auf die Meisterschaft vom 11. bis 15. Juli groß. „Wir haben eine coole Combo beisammen“, findet der Finsterwalder Henning Bommel (35). „Wenn ein erfolgreicher Bahntrainer wie ­Heiko Salzwedel so ein Projekt anpackt, dann musst du nicht lange über­legen. Eine solche Chance bekommen nicht viele Rennfahrer.“

Neben Levy und Bommel sind Stefan Schäfer (32) und Roger Kluge (32) für den Legionärs-Vierer eingeplant. Kluge allerdings unter dem Vorbehalt, dass er von seinem australischen Straßenteam Mitchelton-Scott nicht für die Tour de France nominiert wird. „Natürlich ist die Tour de France mein großes Ziel. Wenn es nicht klappen sollte, dann werde ich sicher bei der Deutschen Meisterschaft fahren“, kündigt der Zweiermannschafts-Weltmeister an.

Mitte Juni will Trainer Heiko Salzwedel dem Team bei einem Trainingslager in Dudenhofen den Feinschliff geben. Geplant ist, dass LKT neben dem erfahrenen Vierer auch noch ein junges Team an den Start bringt.

In jedem Fall wird das spannende Projekt in der Radsport-Szene diskutiert. Leif Lampater (35) gehört zu den erfahrensten Fahrern im Feld der Cycling Days. Sein Urteil über den LKT-Plan, den Vierer mit Sprinter Levy als Anfahrer schnell auf eine hohe Geschwindigkeit zu bringen: „Es ist eine interessante Geschichte, zumal hohe Geschwindigkeiten heutzutage im Vierer mehr denn je gefragt sind. Aber es ist auch eine Gratwanderung, weil die anderen drei Fahrer hinten raus noch genügend Kraft haben müssen, um das Ding allein ins Ziel zu fahren.“

Levy soll schneller anfahren und auch länger das Quartett anführen, als das normalerweise üblich ist. Dadurch gibt es unterwegs weniger Wechsel. Laut Trainer Heiko Salzwedel bringt jeder eingesparte Wechsel etwa eine Zehntelsekunde an Zeitgewinn. Eine Erfolgsgarantie gibt es jedoch nicht, weil Levy bereits nach etwa der Hälfte der Distanz sein Pulver verschossen hat und rausgeht. „Wir gehen natürlich ein Risiko ein“, hatte Salzwedel im RUNDSCHAU-Interview betont.

Dieses Risiko ist aus Sicht von Stefan Nimke aber beherrschbar. Denn Levy sei eigentlich „ein untypischer Sprinter. Denn er kann auch längere Distanzen schnell fahren“. Im Gespräch mit der RUNDSCHAU verrät der Olympiasieger und sechsfache Weltmeister ein interessantes Detail aus seiner eigenen Karriere: „Vor den Olympischen Spielen 2012 habe ich auch mal überlegt, in den Ausdauerbereich zu wechseln. Aber im Sprint hatte ich meinen Status, der Vierer wäre ein Experiment gewesen.“

Levy wird von seinem Ausflug in die Mannschaftsverfolgung aber so oder so profitieren, ist sich Nimke sicher. „Es wird ihm guttun, auch mal in eine ganz andere Richtung zu trainieren, selbst wenn sein Fokus sicher weiter auf Olympia 2020 liegt. Ich finde es jedenfalls klasse!“

Henning Bommel setzt zudem auf die enorme Motivation von Levy. „Wenn Max an den Start geht, dann ganz sicher nicht, um nur teilzunehmen. Und vorführen lassen will er sich schon gar nicht. Das Projekt motiviert ihn – und uns motiviert es auch.“

Wie motiviert Levy das Ausdauertraining angeht, beweist übrigens auch dieses Detail: Zum Meeting seines Teams Erdgas 2012 ist er am Freitag nicht mit dem Auto, sondern mit dem Rad gefahren. Von Cottbus nach Chemnitz. 160 Kilometer.

Henning Bommel (l.): „Wir haben eine coole Combo beisammen.“
Henning Bommel (l.): „Wir haben eine coole Combo beisammen.“ FOTO: Hammerschmidt Frank / Frank Hammerschmidt
Leif Lampater: „Es ist eine Gratwanderung.“
Leif Lampater: „Es ist eine Gratwanderung.“ FOTO: Hammerschmidt Frank / Frank Hammerschmidt