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| 02:41 Uhr

Zusammenarbeit ist das A und O

Chorprobe in Guben. Dirigentin Halina Nodzak kommt aus Polen. Guben und Gubin sind für sie "wie eine Stadt".
Chorprobe in Guben. Dirigentin Halina Nodzak kommt aus Polen. Guben und Gubin sind für sie "wie eine Stadt". FOTO: dpa
Guben. Im Alltag vieler Deutscher ist die Grenze zu Polen nicht mehr spürbar: Die Bewohner des Grenzlandes pflegen Freundschaften, singen gemeinsam im Chor oder kaufen im Nachbarland ein. Hat sich das verändert, seitdem die neue polnische Regierung am Ruder ist? Anna Ringle

Es ist eine Chorprobe, wie es sie in so vielen Orten in Deutschland gibt: Rund 40 Frauen und Männer kommen einmal in der Woche in dem kleinen Probenraum in einer Einkaufszeile in Guben (Spree-Neiße) zusammen. "Wir haben nicht den Anspruch, philharmonische Reife zu erreichen", sagt der Vorsitzende des Stadtchores Guben, Udo Koob, scherzhaft. Die Sänger kennen sich seit Jahren und üben Volks- und Kirchenlieder. Das Besondere: Die Dirigentin lebt in der Nachbarstadt - im polnischen Gubin. "Sie vermittelt uns als Polin die Seele der deutschen Lieder", sagt Koob.

Streit um Gesetze und Medien

Eine polnische Dirigentin und ein deutscher Chor - in Guben und in anderen Grenzstädten zu Polen gibt es derzeit viele solcher Kooperationen. In Guben mit beinahe 20 000 Einwohnern kicken zum Beispiel Polen und Deutsche in einer Männermannschaft.

Auf der großen politischen Bühne steht die polnische Regierung wegen Gesetzesänderungen heftig in der Kritik. Erst vor wenigen Tagen demonstrierten Zehntausende im eigenen Land gegen die Politik der nationalkonservativen Regierung.

Die EU-Kommission hatte kürzlich ein Prüfverfahren zur Rechtsstaatlichkeit der Gesetzesänderungen in Polen eingeleitet. Umstritten ist unter anderem ein Mediengesetz, wonach die seit November amtierende Regierung entscheiden darf, wer Führungspositionen in den öffentlich-rechtlichen Medien bekommt. Zudem befürchten Gegner, dass geänderte Regeln für das Verfassungsgericht die Gewaltenteilung im Land bedrohen und ein neues Polizeigesetz die Internet-Privatsphäre einschränken könnte.

Kritische Äußerungen gerade deutscher Politiker wie EU-Kommissar Günther Oettinger oder EU-Parlamentspräsident Martin Schulz kamen in Polen teilweise gar nicht gut an. Einige polnische Medien keilten zurück, ein Magazin zeigte Kanzlerin Angela Merkel sogar in Hitler-Uniform. Wie wirkt sich die eingetrübte Stimmung zwischen politischen Apparaten auf das Leben in der Grenzregion aus? Auf dem Gemüsemarkt, im Fußballclub oder im Chor? Viele Passanten oder Ladenbesitzer wollen dazu nichts sagen. Andere erzählen, dass man die Medienberichte über Polen ganz genau verfolge. Dass das auf die Stimmung im Grenzgebiet drücke, bemerke man aber nicht. Dirigentin Halina Nodzak sagt: "Für mich ist das wie eine Stadt." Und beschreibt so den Alltag in Guben und Gubin, die durch die Neiße getrennt sind. Auch Gubens amtierender Bürgermeister Fred Mahro (CDU) betont: "Der Regierungswechsel ist auf kommunaler Ebene nicht spürbar." Die Menschen bewegten Dinge vor ihrer Haustür wie die Unterbringung von Flüchtlingen oder ein geplanter Braunkohletagebau auf der polnischen Grenzseite.

Kommunales im Mittelpunkt

Auch in Frankfurt (Oder) verweist die Stadtverwaltung darauf, dass es keine Veränderung im Verhältnis zur benachbarten polnischen Stadt Slubice oder in der Qualität der Zusammenarbeit gebe. Die beiden Städte arbeiten derzeit an einem Plan für ein weiteres Zusammenwachsen. Es geht dabei um Kooperationen etwa beim Wassertourismus auf der Oder oder der Fahrradinfrastruktur.

Ähnlich äußert sich der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in Ostsachsen. Im praktischen Miteinander gehe es in der Grenzregion um konkrete Interessen zum Beispiel für Arbeitnehmer. Der DGB gab am Freitag in Bautzen einen Empfang. Anlass ist das 25. Jubiläum des deutsch-polnischen Vertrages über gute Nachbarschaft.

Dirigentin Nodzak ist bei der Probe gerade beim Einsingen mit ihrem Chor, dann schlagen alle dieses Lied auf: "Geh' mit einem Lächeln durch die Welt."