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Wortgewaltig, angriffslustig und tatendurstig

Uli Hoeneß hat nach seiner Haftzeit die "Rückkehr ins normale Leben endgültig besiegelt".
Uli Hoeneß hat nach seiner Haftzeit die "Rückkehr ins normale Leben endgültig besiegelt". FOTO: dpa
München. Mit der Rückkehr an die Spitze des FC Bayern hat Uli Hoeneß für sich eine "sehr schwierige Phase" seines Lebens abgeschlossen. Der nun 65-Jährige möchte seine zweite Chance nutzen. Christian Kunz

Seine Bayern ließ Uli Hoeneß erst einmal alleine nach Katar düsen. Der alte, neue Präsident will auch im Trainingslager im Wüstenstaat vorbeischauen, aber erst einmal steht für den großen Macher des deutschen Fußball-Rekordmeisters ein wichtiger Tag in der Heimat an: An diesem Donnerstag wird Hoeneß 65 Jahre alt. Nach der öffentlich diskutierten und persönlich schwierigen Lebensphase dürfte es ein ganz besonderer Geburtstag für die Vereinsikone sein.

"Zunächst kann ich glücklich festhalten: Privat ist alles perfekt. Die Familie, die Kinder, Schwiegertochter, Schwiegersohn und meine vier Enkel - alles Buben - das ist alles wunderbar", erklärte Hoeneß zuletzt, als er nach seinen Wünschen für das neue Jahr gefragt wurde. "Beim FC Bayern fühle ich mich darüber hinaus wieder total wohl, mein Einstieg hier hat bestens funktioniert."

Markenzeichen: deutliche Worte

Auch für Carlo Ancelotti war dieser Einstieg bestens. "Nach seiner Wahl zum Präsidenten haben wir alle Spiele gewonnen, und ich hoffe, das kann so weitergehen", sagte der Trainer am Mittwoch in Doha. Die Rückkehr in das Präsidentenamt - am 25. November 2016 und 270 Tage nach seiner Haftentlassung - bedeutet Hoeneß aber ungleich mehr. Wie von 2009 bis zu seiner Verurteilung 2014 ist er nun wieder an der Spitze seines Herzensvereins.

"Ich konnte damit eine sehr schwierige Phase meines Lebens abschließen und die Rückkehr ins normale Leben endgültig besiegeln. Ich schaue jetzt wieder nach vorne", erklärte der Jubilar kürzlich im "Bayern-Magazin". Er wolle entschlossen die erbetene und erhaltene "zweite Chance" nutzen. Bindeglied, Kümmerer und Ratgeber möchte er sein. Das deutliche Wort bleibe ein Markenzeichen.

Geheult wie ein Schlosshund

Als Patron des FC Bayern polarisierte Hoeneß schon vor seiner Verurteilung wie kein Zweiter im deutschen Fußball. Gerühmt wird er als großer Macher, als streitbarer Geist und von seinen Bewunderern auch immer noch als sozialer Wohltäter. Gegner nörgeln an seinen polternden Auftritten herum, nennen ihn einen mit zweierlei Maß messenden Moralapostel oder heben aus seiner bewegten Vita die Verurteilung wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe hervor.

"Ich habe einen großen Fehler gemacht, ich respektiere jeden hier im Saal, der mir seine Stimme wegen des Fehlverhaltens nicht gibt. Aber ich habe alles getan, um diesen Riesenfehler wieder gut zu machen", sagte Hoeneß am Tag seiner Wiederwahl. Manchmal habe er in seiner Zelle auf seinem Bett gesessen "und geheult wie ein Schlosshund". Dann habe er in den 5500 Briefen teilweise völlig fremder Menschen gelesen, die ihm in dieser Zeit geschrieben hätten.

Löw lobt Hoeneß' Herzblut

Jetzt ist Hoeneß wieder da - und wie. Der neue Uli Hoeneß agiert und wirkt in seinen Grundzügen wie der alte. Wortgewaltig, angriffslustig und tatendurstig. Er strotzt vor Energie. Er werde immer, "wenn es wichtig ist, für den FC Bayern da sein", versprach Hoeneß für seine neue Amtszeit. "Er hat immer viel Herzblut gezeigt und ist eine Bereicherung für die Bundesliga", sagte Bundestrainer Joachim Löw.

Ein halbes Jahrhundert bei seinem Herzensclub kann es nun also werden für Hoeneß, der 1970 im Alter von 18 Jahren als Spieler debütierte, mit gerade 27 Jahren aber als Sportinvalide aufhören musste. 1979 wurde er Manager, übernahm den damals klammen Verein und formte aus ihm eine Weltmarke. Titel und wirtschaftliche Traumbilanzen waren unter der Regie des "barocken Kraftprotzes", wie ihn die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" nannte, garantiert. Hoeneß, der im Februar 1982 als einziger von vier Insassen einen Flugzeugabsturz überlebte, hat den FC Bayern nicht nur zur Nummer eins in Deutschland geformt. Er führte den Rekordmeister in die Riege der Global Player im Fußballgeschäft.

Seine Stellungnahmen und Aussagen haben oft polarisiert und bisweilen nicht nur die Fußballszene aufgewühlt. Immer wieder untermauerte Hoeneß seine Glaubwürdigkeit mit Taten. Er spendete großzügig oder trat meinungsstark für das Gemeinwohl ein. Selbst als Häftling spendete er: per Anruf in einer Radioshow. In ungezählten Fällen unterstützte er ehemalige Bayern-Spieler in persönlichen Krisen. Er verhalf ihnen zu Jobs und einer neuen Zukunft.

Genießen und feiern

Nach seiner schwierigen jüngsten Vergangenheit wollte er schon "Weihnachten und den Jahreswechsel genießen und intensiv feiern", wie er verriet, "denn ich denke, ich habe allen Grund dazu." Zu seinem 65. Geburtstag dürfte das nun nicht anders sein.

Zum Thema:
Nach dem Willen von Präsident Uli Hoeneß muss beim FC Bayern München in der Kabine künftig wieder verstärkt Deutsch gesprochen werden. "Die Sprache ist ein Bindeglied. Ansonsten gibt es Grüppchen", sagte Hoeneß in einem Interview der "Sport Bild". Die Integration sieht Hoeneß als unabdingbar an. "Ein Spieler muss Deutsch lernen, das muss eine Vorschrift werden. Ansonsten muss er eben zahlen", so Hoeneß. "Und deswegen brauchen wir eben auch bald wieder einen Manager: Der muss das ganz genau kontrollieren und vorschreiben." Mit Philipp Lahm, der nach dem Ende seiner Profilaufbahn einer der Kandidaten für den Job ist, soll es bis Ende Januar ein weiteres Gespräch geben. Trainer Carlo Ancelotti bemüht sich seit seinem Amtsantritt im Sommer auf den Pressekonferenzen Deutsch zu sprechen. "Das beeindruckt mich, die Kommunikation ist für einen Trainer elementar wichtig. Es zeigt mir aber auch: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg", sagte Hoeneß.