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WM mit Wischi-Waschi und Stimmungskiller

Bei der WM-Generalprobe, dem Zeitfahren bei der Tour of Britain, wurde Tony Martin zuletzt Sechster.
Bei der WM-Generalprobe, dem Zeitfahren bei der Tour of Britain, wurde Tony Martin zuletzt Sechster. FOTO: dpa
Bergen. Die Form stimmt, doch der gebürtige Cottbuser Tony Martin hat vorm WM-Zeitfahren trotzdem schon die Titelverteidigung abgeschrieben. Stefan Tabeling

Der Wohlfühlfaktor könnte für Tony Martin kaum größer sein. Nach vielen Jahren ist er zurück in seinem "Lieblingsland" Norwegen, mit dem er seit den Kindheitstagen faszinierende Touren im Wohnmobil mit "Angeln und Pilze sammeln" verbindet. Und auch die Form sei optimal. "Mit solchen Beinen bin ich schon Weltmeister geworden", sagt Martin vor dem Einzelzeitfahren bei der Straßenrad-WM am Mittwoch in Bergen.

So ist eigentlich alles angerichtet für Titel Nummer fünf, wäre da nicht dieser Mount Floyen, ein 3,4 Kilometer langer Schlussanstieg mit durchschnittlich 9,1 Prozent Steigung. "Der Knackpunkt ist nach wie vor die Strecke, da werden auch die besten Beine der Welt nichts daran ändern, dass ein Chris Froome und ein Tom Dumoulin Weltklasse-Kletterer sind und ich eben nicht", räumt Martin ein und hakt den Weltmeister-Titel ab.

Bronze ist daher die Zielstellung, das sei schon schwer genug. Immerhin sei der "worst case" nicht eingetreten, berichtet Martin. So schwer der Berg auch ist, ist er doch relativ gleichmäßig im Anstieg. Keine extremen Rampen, die Gift für Martins Fahrweise wären. So ist die Marschroute für den nur 31 Kilometer langen Kampf gegen die Uhr klar. Bis zum Fuße des Berges will Martin die Bestzeit hinlegen, um dann bei der Kletterpartie so wenig Zeit wie möglich zu verlieren.

Für Martin ist die Kürze der Strecke "einer WM unwürdig". Und dass der Weltverband UCI vor dem Anstieg eine Wechselzone eingerichtet hat, um die Zeitfahrmaschine mit dem Straßenrad tauschen zu können, sei "Wischi-Waschi". Er werde wohl darauf verzichten. "Radwechsel, Zeitverlust, Rhythmuswechsel, andere Sitzposition - das sind mir zu viele Negativaspekte", betont der Wahl-Schweizer. Im deutschen Team gehen die Meinungen darüber auseinander. Jasha Sütterlin will sein Rad auf jeden Fall tauschen. Er komme vom Cross und sei darin recht fix.

Der ehemalige Cottbuser Nikias Arndt als dritter deutscher Fahrer hat sich noch nicht festgelegt. Wohl aber die Frage des Siegers ist für ihn klar. Er glaube, dass sein Sunweb-Teamkollege Dumoulin das Rennen machen werde. Natürlich hoffe er auch, dass Martin gut den Berg hochkommt, schob Arndt nach.

Zum Thema:
(jal) Die Dissenerin Trixi Worrack ist beim Einzelzeitfahren der Damen bei der Straßenrad-WM in Bergen (Norwegen) am Dienstag auf Rang 17 gelandet. Die 35-Jährige, die zwar in Erfurt lebt aber weiterhin dem RK Endspurt Cottbus angehört, hatte bei ihrer zehnten WM-Teilnahme im Ziel einen Rückstand von 2:03.53 Minuten auf die neue Weltmeisterin Annemiek van Vleuten aus den Niederlanden. "Ich habe mich heute nicht gut gefühlt, am Berg war ich zu langsam. Ich habe keinen Druck auf die Pedale bekommen", sagte Worrack. Ihre Teamkollegin Lisa Brennauer war auf Rang zwölf ebenfalls ohne Medaillenchance.