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Wintermärchen im Hexenkessel

Fehlerfrei auf Rang fünf: Maren Hammerschmidt sorgte im Winter-Wunderland von Oberhof für das deutsche Top-Ergebnis.
Fehlerfrei auf Rang fünf: Maren Hammerschmidt sorgte im Winter-Wunderland von Oberhof für das deutsche Top-Ergebnis. FOTO: dpa
Oberhof. Endlich einmal hat Oberhof beim Biathlon-Weltcup ein Wintermärchen mit viel Schnee erlebt. Die deutschen Skijägerinnen freilich schafften es nicht auf das Podest. Auch, weil sich ihre Vorzeigeläuferin eine Auszeit gönnte. Dafür überzeugte Maren Hammerschmidt im Hexenkessel. Sandra Degenhardt / dpa/jal

Nach dem Zieleinlauf ballte Maren Hammerschmidt die Faust und konnte gar nicht mehr aufhören, zu lachen. Mit Rang fünf im Biathlon-Sprint von Oberhof war die 27-Jährige in Abwesenheit der pausierenden Nummer eins Laura Dahlmeier nicht nur beste Deutsche. Die Winterbergerin fuhr am Freitag nach einer bisher enttäuschenden Saison auch ihr mit Abstand bestes Saisonergebnis ein. "Es ist eine hammergeile Platzierung und es ist wahnsinnig viel Druck von mir abgefallen. Denn ich hatte vor Weihnachten keine leichte Zeit", sagte Hammerschmidt mit strahlenden Augen.

Beim 15. Weltcupsieg der Tschechin Gabriela Koukalova schoss Hammerschmidt bei bestem Wetter vor fast 14 000 begeisterten Zuschauern im zugeschneiten Oberhofer Winter-Wunderland fehlerfrei und hat nun auch eine tolle Ausgangsposition für die Verfolgung am Samstag. "Da ist auch wieder was möglich", sagte die Winterbergerin, die 36 Sekunden Rückstand auf die Spitze hat.

Mit Franziska Hildebrand (Platz 17) und Vanessa Hinz (34) mussten die ersten beiden deutschen Läuferinnen gleich zweimal in die Strafrunde. Besser machte es dann Maren Hammerschmidt. Sie war als Spätstarterin im Vorjahr mit zwei zweiten Plätzen ins Rampenlicht gelaufen und holte bei ihrer WM-Premiere in Oslo Staffel-Bronze. Vorher war sie schon kurz davor, aufzuhören. Nach der starken Saison wollte sie sich in diesem Winter weiter steigern. Aber der engagierten Tierschützerin und Veganerin war die Unbekümmertheit des vorigen Jahres abhandengekommen. Von 20 bis 56 reichten ihre Platzierungen.

"Ich habe gewusst, was auf dem Spiel steht und mich fokussiert. Mit so einem Rennen habe ich gezeigt, dass ich das verflixte zweite Jahr beiseitegeschoben habe", sagte Hammerschmidt, die zudem nun auch die WM-Norm geknackt hat: "Mit diesem Rennen habe ich mich in eine gute Position gebracht", sagte Hammerschmidt. Sie hatte vor der Saison mit einem Nackt-Fotoshooting für die Tierschutz-Organisation Peta für Aufmerksamkeit gesorgt.

Nur drei Monate nach der Geburt ihrer Tochter feierte die dreimalige Olympiasiegerin Darja Domratschewa mit Rang 37 ihr Comeback. "Es ist schön wieder dabei zu sein, aber das erste Rennen war extrem hart", sagte sie. Insgesamt hatte die Weißrussin 656 Tage im Weltcup gefehlt, weil sie zuvor wegen Pfeifferschen Drüsenfiebers die ganze letzte Saison ausgelassen hatte. Dann wurde sie schwanger.

Den Familien-Vergleich mit ihrem Ehemann Ole Einar Björndalen hat die Weißrussin knapp verloren. Der norwegische Rekord-Skijäger war am Donnerstag im Männersprint auf Platz 32. gelaufen.

Darja Domratschewa feierte nach 656 Tagen ihr Comeback im Weltcup-Zirkus.
Darja Domratschewa feierte nach 656 Tagen ihr Comeback im Weltcup-Zirkus. FOTO: dpa