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Wie lange hält Aues Boss noch zu Dotchev?

Aues Trainer Pavel Dotchev (l.) hat bei den Fans nicht mehr viel Kredit. Vereinschef Helge Leonhardt gilt als Mann klarer Entscheidungen.
Aues Trainer Pavel Dotchev (l.) hat bei den Fans nicht mehr viel Kredit. Vereinschef Helge Leonhardt gilt als Mann klarer Entscheidungen. FOTO: dpa
Aue. Pfiffe von den Fans. Trost vom Gegner – für Aues Coach Pavel Dotchev wird es nach der Niederlage gegen Dresden langsam eng. Jens Maßlich

Es war ein Bild, das Bände sprach. Minutenlang musste Erzgebirge Aues Trainer Pavel Dotchev von seinem Kollegen Uwe Neuhaus nach der Derby-Pleite gegen Dynamo Dresden getröstet werden. Der 51-Jährige hatte die Partie gegen den sächsischen Rivalen als Kampf um die Existenz in der 2. Fußball-Bundesliga ausgerufen: "Wir müssen brennen und unbedingt die drei Punkte wollen."

Nach der 1:4-Niederlage rang der FCE-Coach um Fassung. Seine Enttäuschung konnte Dotchev nur schwer in Worte fassen. Zu desolat präsentierte sich seine Mannschaft im vermeintlichen Abstiegskampf. "Wir schulden unseren Fans und Zuschauern eine Entschuldigung, wir haben sie enttäuscht. Das ist ein absoluter Schlag ins Gesicht für alle. Ich bin selbst sehr enttäuscht", wiederholte er in jedes Mikrofon.

Vor allem im ersten Durchgang hatte sich seine Mannschaft den Gästen förmlich ergeben, ließ Dynamo in seinem Angriffsspiel gewähren und leistete sich immer wieder einfache Fehler im Spielaufbau. Dennoch nahm Dotchev seine Spieler nach der Partie in Schutz, sprach von einer großen Verunsicherung seines Teams im Kampf um den Klassenverbleib. Er selbst trage die Schuld an der Niederlage, weil er es nicht geschafft habe, diese Verunsicherung in den Köpfen seiner Spieler zu lösen. Dotchev will "alles" noch einmal überdenken. Was das bedeutet, ließ er offen.

Doch wie geht es weiter im Erzgebirge? Präsident Helge Leonhardt erklärte vor der Partie, die Lage von Spiel zu Spiel neu zu beurteilen. Nach der zwölften Saisonniederlage kippt aber die Stimmung bei den "Veilchen". Schon vor Abpfiff ertönten von der Haupttribüne deutlich hörbare "Dotchev raus"-Rufe. Aues Anhänger zeigten mit Pfiffen ihren Unmut, stellten mitunter ihre Unterstützung ein. "Wir haben unseren Kredit bei den Fans auf brutalste Art und Weise verspielt", resümierte Christian Tiffert. Der 35 Jahre alte Mittelfeldspieler war einer von zwei Spielern, die sich nach der Partie den Journalisten stellten.

Sichtlich niedergeschlagen suchte auch er nach einer Erklärung für das schwache Auftreten. Er sprach von einem "Lähmungszustand", aber auch davon, wie wichtig es sei, direkt wieder aufzustehen. Der Routinier kämpferisch: "Ich will mit Aue weiter die Klasse halten, das ist noch möglich. Auch wenn das jetzt ein paar Tage wehtut."

Kommenden Sonntag können sich die "Veilchen" rehabilitieren. Dann gastiert man beim direkten Konkurrenten Armina Bielefeld. Ein Zähler trennt die beiden im Kampf gegen den Abstieg. Kapitän Martin Männel wollte daher wieder schnell nach vorn blicken. "Die Punkte, die nächste Woche auf dem Tableau liegen, sind doppelt wichtig. Wenn wir dort nichts holen, dann landen die automatisch bei unseren direkten Konkurrenten", sagte der 28 Jahre alte Aue-Keeper und hofft dabei auch auf den Anhang: "Ich glaube, dass unsere Fans nicht nachtragend sind und uns in Bielefeld zahlreich unterstützen werden."