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| 03:06 Uhr

Werder schenkt den Bayern zur Wiesn kräftig ein

Kaum hieß es auf der Wiesn „Ozapft is“, da hatte Jürgen Klinsmann auch schon einen Kater. So kräftig eingeschenkt wie beim 2:5 (0:2) gegen Werder Bremen wurde dem FC Bayern München zum Start des Oktoberfestes noch nie zuvor in der über 100-jährigen Vereinsgeschichte. Von Christian Kunz

Nachdem die Hanseaten dem Süd-Rivalen ausgerechnet am ersten Tag des größten Volksfestes der Welt buchstäblich die Lederhosen ausgezogen hatten, mochte Klinsmann nicht einmal mehr den Ratschlägen des "Kaisers" folgen. "Ich beneide Dich nicht, trink ein paar Wiesn-Maß heute Abend", riet Bayern-Präsident Franz Beckenbauer via TV dem neuen Coach, doch Asket Klinsmann war bedient: "Ich nehme immer jeden Ratschlag von Franz gerne an, aber diesem werde ich nicht nachkommen", sagte der 44-Jährige.

Gleich fünf Stück vom Erzrivalen, der erst in der Schlussphase im Gefühl des sicheren Sieges seinen Ex-Spieler Tim Borowski zu zwei Treffern einlud, schlugen Klinsmann mächtig aufs Gemüt. "Wir haben eine herbe Klatsche bekommen. Man muss zugestehen, der Gegner war besser und hat uns eine Lektion gegeben. Daraus muss man lernen", sagte der ehemalige Bundestrainer, der bei der ersten Pflichtspiel-Niederlage mit den Bayern an der Seitenlinie mehr kämpfte als einige seiner hoch bezahlten Stars auf dem Platz. Dank Borowski verhinderte der FC Bayern zwar die höchste Heimpleite seit fast drei Jahrzehnten. Doch mehr Gegentreffer hatte es zuletzt vor 32 Jahren beim 0:7 gegen Schalke gegeben.

Während Klinsmann in der Schlussphase des Spiels vom gegnerischen Anhang mit Sprechchören verhöhnt wurde, genossen die Bremer ihre Tor-Gala im Nord-Süd-Schlager. "Wir sind auch keine Thekenmannschaft", sagte Werders Kapitän Frank Baumann, der in der Woche nach dem 0:0 in der Champions League gegen Famagusta noch Kritik am Team geübt hatte. Manager Klaus Allofs stimmte trotz aller Freude mahnende Worte an. "Wir sollten aus den ersten Wochen der Saison gelernt haben und die gute Ausgangssituation nicht mehr aufs Spiel setzen, sondern diese ausbauen. Durch eine außergewöhnliche Leistung sind wir jetzt wieder im Rennen", betonte Allofs nach dem Sprung seiner Truppe unter die Top Fünf.

Markus Rosenberg (30./67.), Naldo (45.), der überragende Mesut Özil (54.) und Rückkehrer Claudio Pizarro (59.) waren vor 69 000 Zuschauern gegen die Alibi-Abwehr des Gastgebers die Torschützen. "Wenn wir Dinge wie heute abrufen, können wir fantastische Leistungen zeigen", lobte Werders Trainer Thomas Schaaf, der aber gleich wieder warnte: "Nicht total durchdrehen, wir haben drei Punkte geholt."

Wie der stille Schaaf zeigte aber auch der impulsive Klinsmann die für ihn typische Reaktion. "Wir liegen im Moment auf dem Boden. Aber wir werden wieder aufstehen und vielleicht noch stärker sein als vorher", mutmaßte der Bayern-Trainer. Wortlos dampfte dagegen Torhüter Michael Rensing ab, nachdem mit der ersten Niederlage im 28. Bundesliga-Spiel seine Erfolgsserie gerissen war. Der Nachfolger von Oliver Kahn wusste genau, dass nicht nur auf die Mannschaft, sondern speziell auf ihn turbulente Tage zukommen. "Nach so einer Leistung ist Kritik angebracht", sagte Doppel-Torschütze Borowski. "Aber Fehler sollte man nicht beim Nachbarn suchen, sondern bei sich selbst."