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Wer ist der bessere Woitalla?

Steve Woitalla (28) startet in dieser Saison in Stuttgart einen Comeback-Versuch. Sein jüngerer Bruder Devin (17) geht für den SC Cottbus an die Geräte.
Steve Woitalla (28) startet in dieser Saison in Stuttgart einen Comeback-Versuch. Sein jüngerer Bruder Devin (17) geht für den SC Cottbus an die Geräte. FOTO: Imago
Cottbus. Wenn der SC Cottbus an diesem Samstag beim MTV Stuttgart antritt, dann ist das mehr als nur ein normaler DTL-Wettkampf: Mit Devin Woitalla (Cottbus) und Steve Woitalla (Stuttgart) treffen zwei Lausitzer Brüder aufeinander. Die entscheidende Frage ist: Wer ist der bessere Woitalla? Jan Lehmann

Devin Woitalla redet nicht lange drum herum und gibt zu: "Auf diesen Wettkampf fiebere ich schon lange hin, ich freue mich extrem darauf." Eigentlich hatte der 17-Jährige ja davon geträumt, einmal mit seinem zehn Jahre älteren Bruder gemeinsam in der Deutschen Turnliga (DTL) für den Heimatclub SC Cottbus zu turnen. Doch weil Steve Woitalla (28) aus persönlichen Gründen seinen Comeback-Versuch in Stuttgart statt in der Cottbuser Heimat gestartet hat - er arbeitet als Finanzdienstleister in Baden-Baden - sind die beiden nun Gegner statt Teamkollegen.

Allerdings gilt diese Konkurrenz nur für den Wettkampf, ansonsten ist das Verhältnis trotz des großen Altersunterschiedes sehr gut. Der Jüngere der beiden Brüder berichtet: "Wir haben viel Kontakt, schreiben uns regelmäßig Nachrichten."

Ihre Mutter wisse nun gar nicht, welchem der beiden Teams sie die Daumen drücken solle, erzählt Devin Woitalla und sagt: "Sie hätte es natürlich lieber gehabt, wenn wir beide in der gleichen Mannschaft turnen würden."

Von der Statur ähneln sich die beiden Athleten, Devin hat aber dunklere Haare und ist ein paar Zentimeter größer als Steve. Auch an den Geräten haben sie ähnliche Vorlieben, nämlich Sprung und Boden. Nur am Barren ist Devin stärker. Und sogar bei den Verletzungen gibt es Ähnlichkeiten - die Schulter ist die Schwachstelle. Steve Woitalla hatte lange Zeit Probleme, eine schwere Operation, bei der ihm die Bizepssehne neu an der Schulter befestigt werden musste, hatte ihn zum zwischenzeitlichen Karriereende bewogen.

Auch sein jüngerer Bruder Devin wurde im Vorjahr an dem für Turner äußerst wichtigen Gelenk operiert. Nun scheint er langsam in Form zu kommen. Zuletzt beim 44:40-Zittersieg zeigte er besonders am Barren, welche Qualitäten in ihm schlummern. Der jüngere der beiden Brüder ist bereit für den Wettkampf, über dem diese eine entscheidende Frage steht: Wer ist der bessere Woitalla?

Die ist schwer zu beantworten. Steve, der 2006 vier Medaillen bei der Junioren-Europameisterschaft gewonnen hatte, galt einst als großes Talent im deutschen Turnsport. Doch bei seinem Abschied aus der Lausitz im Jahr 2013 gab er zu: "Mir ist es nie gelungen, die sportlichen Erfolge zu erreichen, die vielleicht in mir gesteckt haben. Das hat mich frustriert und belastet." Er räumte ein: "Ich habe nicht immer alles für den Leistungssport gegeben. Wer weiß, was sonst möglich gewesen wäre? Im Nachhinein bedauere ich das."

Und Devin? Auch er hat wie sein extrovertierter Bruder ein paar gute Sprüche auf Lager, auch er gilt als großes Talent. Sein großer Vorteil: Er könnte aus den Fehlern seines Bruders lernen. Wie weit er an diesem Samstag in Stuttgart seiner Cottbuser Mannschaft schon zum Sieg verhelfen kann, bleibt allerdings abzuwarten.