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Auszeit
Wenn es bei Leipzig gegen Bayern richtig düster wird

Jan Lehmann
Jan Lehmann FOTO: M. Behnke / DC
Das Pokal-Duell zwischen RB Leipzig und dem FC Bayern erhitzt noch immer die Gemüter. RUNDSCHAU-Reporter Jan Lehmann kommentiert das Aufeinandertreffen der beiden Super-Bösewichte. Von Jan Lehman

Das war ja ganz großes Kino beim hart umkämpften Pokal-Krimi zwischen RB Leipzig und Bayern München, auch wenn es für viele Fußballzuschauer ein Kampf zwischen „Sauron und Darth Vader“ war, wie es der Cottbuser Sportjournalist Christian Spiller für „Zeit Online“ formulierte. Also mehr ein düsteres Action-Kino mit einem Duell zwischen zwei üblen Bösewichten, bei denen man gar nicht weiß, wem man den frühen (Pokal)-Tod mehr wünschen wollte.

Ungeachtet dessen, dass die Bayern natürlich einen seit Jahrzehnten gewachsenen großen Fanrückhalt haben und RB gerade rund um Leipzig und auch in der Lausitz immer mehr Anhänger gewinnt – so richtig viele Sympathiepunkte haben die beiden deutschen Topclubs im übrigen Fußballdeutschland am Mittwoch gewiss nicht gesammelt. Unterhaltsam war dieser Abend aber allemal. Klasse, wie sauronmäßig Bayern-Vorstand Karl-Heinz Rummenigge nach einem Spiel voller merkwürdiger Fehlentscheidungen von Referee Felix Zwayer mit Siegerlächeln betonte, man solle nicht immer so viel über Schiedsrichter-Entscheidungen debattieren. Wirklich wahr, das hat er tatsächlich gesagt – und Uli Hoeneß hat sich dabei wahrscheinlich vor Lachen fast in die Lederhose gemacht.

Zuvor hatte Leipzigs Sportdirektor Ralf Rangnick in der Halbzeitpause wild mit seinem Handy vor der Nase von Schiedsrichter Zwayer herumgefummelt, um quasi per Eilantrag seinen ganz privaten Videobeweis auch im DFB-Pokal einzuführen. Nicht gerade die ganze feine Art, selbst wenn Zwayer an diesem Abend überfordert schien. Rangnick erinnerte dort im Übrigen an eine Szene vor neun Jahren in Cottbus. Damals sprang er rumpelstilzchenmäßig und wutentbrannt hinter dem RUNDSCHAU-Reporter Frank Noack hinterher, um ihn lautstark davon zu überzeugen, dass 1899 Hoffenheim nicht mehr Geld zur Verfügung stände als dem FC Energie Cottbus – anders als wir es in unserer Zeitung dargestellt hatten. Sei es drum. Rangnick wird ja auch nicht müde, zu behaupten, dass RB Leipzig sich trotz Transferausgaben von 150 Millionen Euro und Einnahmen von 25 Millionen Euro - wie Spiegel-Reporter Rafael Buschmann kürzlich vorrechnete - brav ans Financial Fairplay halte.

Apropos, seriöse Geldgeschäfte: Haben Sie sich eigentlich darüber gewundert, warum Rummenigge nach Spielende so unkritisch die gute Arbeit der Leipziger lobte? Also den mit Brause-Millionen erkauften Erfolg eines Emporkömmlings, der nach nur acht Jahren Vereinsgeschichte schon fast auf Augenhöhe mit dem 117 Jahre alten Rekordmeister agiert? Könnte daran liegen, dass Bayern-Präsident Uli Hoeneß und Red-Bull-Milliardär Dietrich Mateschitz in München gemeinsame Sache machen. Dort wird eine neue Multifunktionsarena gebaut – die Basketballer der Bayern und das Eishockey-Team von Red Bull sollen dort spielen.

Ein 100-Millionen-Euro-Deal, bei dem es anfängt, wirklich düster zu werden. Man stelle sich nur vor, Sauron und Darth Vader schmieden einen Pakt und machen im Kino künftig gemeinsame Sache. Da müsste schon eine Allianz der ganz Guten aufgeboten werden, um die zu bezwingen: Batman, Superman, Bibi Blocksberg und vielleicht noch Polizeiruf-Legende Horst Krause. Doch so viele Helden sind in der Fußball-Bundesliga derzeit gar nicht ausfindig zu machen. Und deswegen drücken wir mal die Daumen, dass es am Samstag beim neuerlichen Aufeinandertreffen der beiden Teams in der Bundesliga wieder so ein aufregendes Action-Kino mit viel Feuer auf beiden Seiten gibt. Denn nichts wäre grusliger, als ein kitschiger Liebesfilm zwischen diesen beiden so unterhaltsamen Super-Bösewichten.