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Wenn der "Vaddi" nochmal richtig loszieht

Doppeltes Siegerküsschen für Doppelsieger Maximilian Levy von seinen beiden Teamkolleginnen Pauline Grabosch (l.) und Olympiasiegerin Kristina Vogel.
Doppeltes Siegerküsschen für Doppelsieger Maximilian Levy von seinen beiden Teamkolleginnen Pauline Grabosch (l.) und Olympiasiegerin Kristina Vogel. FOTO: Frank Hammerschmidt
Cottbus. Alte Eisen rollen gut: Der Cottbuser Maximilian Levy hat beim Großen Preis von Deutschland gezeigt, dass mit ihm weiter zu rechnen ist. Nach dem Doppelsieg im Sprint und Keirin schmiss er eine vorgezogene Geburtstagsparty. Heute feiert er seinen 30. Geburtstag. Jan Lehmann

Auf der Radrennbahn ist es wie im wahren Leben: Wenn die Alten von früher erzählen, hört nicht jeder aufmerksam zu. Maximilian Levy wollte einem jungen Sportler beim 27. Großen Preis von Deutschland am Wochenende erklären, wie man sich auf Rennen konzentriert: "Junge, als ich so alt war wie du, da gab es noch nicht mal ein I-Phone. Kannst du dir das vorstellen?" Die Antwort: Ein kurzes "Ja!" - und der Jungspund widmete sich wieder dem Smartphone.

Levy grinst. Er war auch mal der Jungstar, holte vier WM-Titel und drei Olympia-Medaillen - und fuhr dafür manchmal auch mit dem Kopf durch die Wand, ohne auf die Alten zu hören. Heute ist er der Routinier auf dem Rennrad. Nach seinem grandiosen Doppelerfolg auf der heimischen Bahn - Levy siegte genau wie Olympiasiegerin Kristina Vogel im Sprint und Keirin - schmiss der Cottbuser am Samstag für die Familie und seine vielen Freunde eine vorverlegte Geburtstagsparty.

An diesem Montag wird Levy 30 Jahre alt. Eine besondere Zahl? Der Vater zweier Töchter winkt ab: "Die Kollegen nennen mich sowieso schon alle ,Vaddi‘ oder der ,Alte‘. Daran habe ich mich gewöhnt - und die Zahl wird daran nichts mehr ändern." Bundestrainer Detlef Uibel scherzte: "Die Null steht ja hinten und nicht vorn." Der Chef der Bahnradsprinter weiß, was er an Levy hat. Denn wenn der "Vaddi" nochmal richtig loszieht, dann räumt er ab. Wie beim Großen Preis, als Levy dermaßen souverän das Sprintturnier gewann, dass Uibel beinahe die vorzeitige Nominierung für die Europameisterschaft herausgerutscht wäre. Aber nur beinahe. Das unterhaltsame Siegerinterview, das der Bundestrainer mit Levy führte, war ein verbaler Ringkampf, der unentschieden endete. Man merkte: Die beiden Siegertypen schätzen sich, weil sie seit mehr als einem Jahrzehnt gemeinsam Erfolg haben.

Und das trotz der vielen Rückschläge. Levy hat sich inzwischen so viele Sturzverletzungen zugezogen, dass man ihm zum Geburtstag am liebsten ein Rennrad mit Airbag schenken möchte. Nach dem Sprint klopfte sich der Sieger mit der Faust auf die linke Schulter. Der Schlüsselbeinbruch - sein dritter in seiner Laufbahn - und die erneuten Komplikationen, hatten ihn auch mental zurückgeworfen. Zum ersten Mal seit elf Jahren verpasste er eine Weltmeisterschaft, Gedanken an die Rennrad-Rente kamen auf.

Doch der "Alte" hat sich neu motiviert. Die EM in Berlin ist sein emotionales Ziel. Im Velodrom hat der gebürtige Berliner vor 20 Jahren zum ersten Mal auf einem Rennrad gesessen. Bundestrainer Uibel wollte zwar auch gegenüber der RUNDSCHAU die EM-Teilnahme nicht zum Geburtstag verschenken. Aber er erklärte: "Für die EM hat Max alle Perspektiven." Uibel betonte: "Ich wünsche ihm vor allem Gesundheit. Und dass er es schafft, mit seinem Niveau international nochmal vorn reinzufahren."

Der Bundestrainer denkt schon weiter: "Dann muss man bei ihm etappenweise sehen: Ist Olympia noch einmal ein Ziel für ihn?" Eine Frage, die nur Levy selbst beantworten kann. Das Geburtstagskind hat die RUNDSCHAU-Berichterstattung über die Sorgen beim Cottbuser Nachwuchs wahrgenommen und erklärt: "Vielleicht ist es ja notwendig, dass ich noch ein, zwei Jahre vorneweg stehe und die anderen sich dahinter entwickeln können." Aber dafür sollten sie ab und an auch mal genauer zuhören, wenn "Vaddi" von früher erzählt.