ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:37 Uhr

Wenn der Küchentisch zum Spielfeld wird

Oliver Günther und Marko Jurisch (r.) spielen in ihrer Freizeit am liebsten Tabletop.
Oliver Günther und Marko Jurisch (r.) spielen in ihrer Freizeit am liebsten Tabletop. FOTO: Steffen Rasche/str1
Senftenberg. Marko Jurisch aus Senftenberg hat ein Hobby der besonderen Art. Seit über 20 Jahren ist er dem Strategiespiel Tabletop verfallen und hat mit seiner Leidenschaft auch seine Kinder angesteckt. Besonders die Kreativität beim "Bauen" des Spielfelds reize ihn. Anja Brautschek

Gemeinsam für ein Gesellschaftsspiel an einem Tisch sitzen ist nichts Ungewöhnliches. Doch beim Tabletop (zu deutsch: Tischplatte) rückt das Möbelstück in den Mittelpunkt der Partie. Denn die Tischplatte selbst wird zum Spielfeld. Und genau das reizt den Senftenberger Marko Jurisch daran. Seit über 20 Jahren widmet er sich diesem ungewöhnlichen Spiel, bei dem es ähnlich wie bei dem Strategiespiel "Risiko" darum geht, die gegnerische Armee zu schlagen.

"Beim Tabletop jedoch kann man seiner Kreativität freien Lauf lassen. Das Spielfeld kann man sich eher wie eine Eisenbahnplatte vorstellen", erzählt Marko Jurisch. Diese kann je nach Wunsch individuell angepasst werden. Ein vorgegebenes Spielbrett wie bei Schach oder "Mensch ärgere dich nicht" gibt es nicht. Von Schneelandschaften, Stadt-Ruinen bis zu Gebirgsszenen ist alles denkbar. Und alles wird von den Tabletop-Spielern detailreich und per Handarbeit entworfen, bemalt und zusammengeklebt. "Für mich ist das ein super Ausgleich vom Alltag, das entspannt mich richtig", sagt der 38-Jährige. Schon als Kind habe er sich gern mit dem Modellbau beschäftigt und maßstabsgetreue Flugzeuge oder Panzer nachgebaut. Doch dieses Hobby war auf Dauer nichts für den Senftenberger. "Mich hat immer gestört, dass man mit den fertigen Modellen nie richtig spielen konnte", erzählt er.

Das ist beim Tabletop anders. Mit den selbst bemalten Figuren werden auf dem Spielfeld Konfliktsituationen nachgestellt. Je nach persönlichen Vorlieben und Anbietern reicht die Palette dabei von Fantasy-Welten wie Herr der Ringe, Star Wars oder futuristischen Figuren bis zu historischen Tabletops, die Szenen aus dem Mittelalter oder dem Zweiten Weltkrieg simulieren. Ähnlich wie bei "Risiko" geht es darum, den Gegner zu besiegen oder durch geschicktes Taktieren Missionen zu erfüllen. Die Spielzüge werden durch Würfel bestimmt.

Anfang der 1990er-Jahre hat Marko Jurisch das Spiel für sich entdeckt - und ist nicht mehr davon abgekommen. Unzählige "Armeen" habe er über die Jahre zusammengestellt oder ertauscht. Selbst seine Kinder habe er mit diesem Hobby angesteckt. "Wo andere das teure Porzellan verstauen, sind bei uns Miniatur-Büsche oder Figuren zu finden", sagt er. Gemeinsam mit anderen Senftenbergern trifft sich die Familie regelmäßig zu einer Partie. Eine lose Spielgemeinschaft, der "Wargames Tabletop-Clup 06" ist daraus entstanden. Am heutigen Samstag wollen sie das Spielsystem im Medimax Senftenberg (10 bis 17 Uhr) vorstellen und haben viele Figuren und Landschaften im Gepäck. "Wir sind immer auf der Suche nach neuen Spielpartnern und hoffen, so neue Leute kennenzulernen", sagt Marko Jurisch.

Zum Thema:
Tabletop ist die Weiterentwicklung eines Strategiesystems, das ein preußischer Baron im 19. Jahrhundert entwickelt hat. Er stellte auf speziellen Spielplänen oder Landkarten Kriegsszenen nach, um seine Schlachten zu planen. Tabletop-Spiele sind dem Genre Konfliktsimulationsspiele zuzuordnen. Anders als bei anderen Gesellschaftsspielen ist das Spielbrett individuell anpassbar. Ein Starterset beinhaltet Spielfiguren für zwei Spieler, das Regelwerk sowie weitere Materialien wie Würfel und Messstäbe und kostet je nach Anbieter zwischen 80 und 100 Euro.