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Turnen
Weltmeisterin vs. Olympiasiegerin: Goldenes Duell auf zehn Zentimetern

Sanne Wevers war die einzige Turnerin, die bei den Olympischen Spielen in Rio die Ausnahme-Athletin Simone Biles stoppen konnte.
Sanne Wevers war die einzige Turnerin, die bei den Olympischen Spielen in Rio die Ausnahme-Athletin Simone Biles stoppen konnte. FOTO: Amy Sanderson / picture alliance / Amy Sanderson
Cottbus. Beim traditionsreichen 42. Turnier der Meister in Cottbus treffen kommende Woche die deutsche Weltmeisterin Pauline Schäfer und die niederländische Olympiasiegerin Sanne Wevers auf dem Schwebebalken aufeinander. Von Jan Lehmann

Der Weltturnverband FIG beweist Sinn für die große Dramatik, das goldene Duell Weltmeisterin gegen Olympiasiegerin beim 42. Turnier der Meister in Cottbus geht bereits vorzeitig in die erste Runde: Schon beim Qualifikationswettkampf am kommenden Freitag müssen Pauline Schäfer (Chemnitz) und Sanne Wievers (Niederlande) direkt nacheinander auf dem Schwebebalken ran, um sich für den Einzug ins Finale der besten acht Turnerinnen zu qualifizieren.

Das ergeben die offiziellen Startlisten, die der Weltverband nun herausgegeben hat. Demnach dürfen am Donnerstag am ersten Qualifikationstag (ab 16.30 Uhr) bei den Männern Sebastian Gawronski (Polen) am Boden), Oskar Kirmes (Finnland) am Pauschenpferd und der Cottbuser Bundesligaturner Igor Radivilov (Ukraine) an den Ringen den Turn-Weltcup in der Lausitz-Arena eröffnen. Bei den Frauen beginnen am Donnerstag die Kanadierin Rose Woo am Sprung und Liliia Akhaimova (Russland) am Stufenbarren.

Schäfer gegen Wevers, das wird ein Weltklasse-Duell auf dem fünf Meter langen, aber nur zehn Zentimeter breiten Sportgerät. Die deutsche Lokalmatadorin ist schließlich die aktuelle Weltmeisterin und nach ihrem Sensationstriumph im Oktober in Montreal das neue deutsche Turn-Covergirl. Die 20-Jährige, die aus dem Saarland stammt, aber in Chemnitz trainiert, hat eine neue Euphorie in ihrer Sportart ausgelöst. Ihre Chemnitzer Trainer Gabriele Frehse sagte zuletzt gegenüber „Stern-TV“: „Sie ist eine der elegantesten Turnerinnnen auf der Welt, eine absolute Perfektionistin.“

Pauline Schäfer ist nach WM-Gold am Schwebebalken die neue Hoffnungsträgerin des deutschen Turnsports.
Pauline Schäfer ist nach WM-Gold am Schwebebalken die neue Hoffnungsträgerin des deutschen Turnsports. FOTO: Rainer Jensen / DPA

Und jetzt trifft Schäfer auf die 26-jährige Niederländerin, die Olympiasiegerin von Rio de Janeiro. 2016 stoppte Wevers den Traum der US-amerikanischen Überfliegerin Simone Biles, als erste Sportlerin fünfmal Turn-Gold bei einer Olympia-Ausgabe zu holen. Alle anderen Wettbewerbe entschied die Ausnahmeathletin damals für sich – nur am Schwebebalken war Wevers besser.

Während Simone Biles eine einjährige Pause eingelegt hatte und erst wieder an ihrem Comeback arbeitet, sind Pauline Schäfer und Sanne Wevers in Bestform. Für Wevers bietet Cottbus die erste Chance zur Revanche. Beim der WM in Montreal war sie überraschend in der Qualifikation gescheitert.

Für Pauline Schäfer ist es indes der erste internationale Wettkampf mit dem Weltmeister-Titel – und das auch noch auf heimischem Boden. Der Andrang auf die Karten für das Turnier der Meister ist sehr groß, der Vorverkauf endet am Montag.

An Cottbus dürfte die 20-Jährige indes keine ganz so guten Erinnerungen haben. Im Vorjahr zog sie sich im Training vor dem Turnier der Meister eine schmerzhafte Rückenverletzung zu und musste ohne Wettkampf abreisen.

Nun hoffen die Veranstalter um Turnierdirektor Mirko Wohlfahrt, dass beide Spitzenathletinnen die Traditionsveranstaltung mit einem grandiosen Schwebebalken-Finale krönen. Das wäre auch der Lohn für die viele ehrenamtliche Arbeit, die hinter dem Turn-Weltcup steckt.

Für das Organisationsteam beginnt jetzt nämlich die heiße Phase. Während die Bundesliga-Mannschaft des ausrichtenden Vereins SC Cottbus am Samstag (18 Uhr) noch zum letzten DTL-Wettkampf beim TSV Monheim zu Gast ist, werden in der Heimat die letzten Handgriffe getätigt. Ab Montag kommen die Sportler aus insgesamt 28 Ländern. Sie müssen vom Flughafen in Berlin abgeholt und auf ihre Unterkünfte verteilt werden.

Am Dienstag gibt es dann das erste freie Training in der Lausitz-Arena und in der danebenliegenden Aufwärmhalle. Am Mittwoch werden die Sportler dann zum Podiumstraining gebeten, ehe es aber Donnerstag richtig ernst wird. Für Pauline Schäfer und Sanne Wevers beginnt dann auch der Countdown für das goldene Duell auf dem Schwebebalken. Die Niederländerin hat Startplatz 23, die Deutsche Platz 24.