| 14:58 Uhr

Turnen
Traumpaar mit gewissen Unterschieden

Andreas Bretschneider war nach 
seinem Rekord-Sieg in Cottbus etwas zwiegespalten.
Andreas Bretschneider war nach seinem Rekord-Sieg in Cottbus etwas zwiegespalten. FOTO: Frank Hammerschmidt / Hammerschmidt Frank
Cottbus. Weltmeisterin Pauline Schäfer und Reck-König Andreas Bretschneider plaudern nach dem Turnier der Meister aus dem Nähkästchen.

Erst als die Fotografen nach dem 42. Turnier der Meister ihre
Objektive schon verstaut hatten, gingen Pauline Schäfer und Andreas Bretschneider in der Cottbuser Lausitz-Arena auf Tuchfühlung. Ein Küsschen und eine Schmuse-Einheit als Belohnung für einen starken Final-Sonntag, den das deutsche Traumpaar des Turnens mit drei Medaillen gekrönt hatte. Die deutsche Schwebebalken-Weltmeisterin mit Silber an ihrem Paradegerät und Bronze am Boden – und Publikumsliebling Bretschneider mit
seinem Rekordsieg am Reck.

Dass die beiden seit drei Jahren ein Paar sind, wollen sie nicht an die ganz große Glocke hängen. Gemeinsame Fotos von ihnen findet man so gut wie keine. Doch nach dem erfolgreichen internationalen Jahresabschluss plauderten sie im kleinen Kreis dann doch ein bisschen aus dem Nähkästchen. Beispielsweise über gewisse sportliche Unterschiede. Bretschneider formulierte griffig: „Ich kenne das ja schon. Einer von uns beiden trainiert gut, der andere knipst im Wettkampf.“

Pauline Schäfer geht mit dem Rummel um ihren WM-Titel erstaunlich gelassen um.
Pauline Schäfer geht mit dem Rummel um ihren WM-Titel erstaunlich gelassen um. FOTO: Frank Hammerschmidt / Hammerschmidt Frank

Damit spielte er auf die Nervenstärke seiner Lebensgefährtin an, die im WM-Finale von Montreal am Balken die gesamte Weltelite hinter sich gelassen und das erste Turn-Gold für Deutschlands Damen seit 30 Jahren geholt hatte.

Der Reck-Spezialist sagt: „Ich bin sehr stolz darauf, wie sie diesem Druck standgehalten hat. Ihre Leistung hat mir selbst aber auch meine eigene Unfähigkeit gezeigt, gute Trainingsleistungen auf den Wettkampf zu übertragen.“

Die faszinierende Übung von Balken-Olympiasiegerin Sanne Wevers war einer von vielen Höhepunkten beim 42. Turnier der Meister – auch wenn die Niederländerin nach dem famosen Auftritt beim Abgang patzte.
Die faszinierende Übung von Balken-Olympiasiegerin Sanne Wevers war einer von vielen Höhepunkten beim 42. Turnier der Meister – auch wenn die Niederländerin nach dem famosen Auftritt beim Abgang patzte. FOTO: Frank Hammerschmidt / Hammerschmidt Frank

Bretschneider eilt der Ruf voraus, seine Nerven bei großen Wettbewerben nicht vollends im Zaum zu haben. Bei der Weltmeisterschaft hatte er gepatzt – mal wieder. Sein süffisanter Jahresrückblick fällt entsprechend düster aus. Bretschneider fasste zusammen: „Das war mal wieder katastrophal. Zwei Schulter-Operationen zu Beginn, dann die Höhepunkte vergeigt und am Ende wieder in Cottbus gewonnen. Typisch.“

Der 28-Jährige, der einst auch für den SC Cottbus in der Deutschen Turnliga geturnt hatte, ärgerte sich sogar nach seinem Rekord-Sieg am Reck ein bisschen über sich selbst. Schließlich hatte er als letzter Starter auf Sicherheit geturnt, weil vor ihm die größten Konkurrenten aus Japan und China gepatzt hatten. Seinen „Bretschneider“, das schwierigste Element der Turnwelt, ließ er aus – obwohl er den Doppelsalto rückwärts, gehockt und mit zwei Längsachsendrehungen, beim Einturnen noch sicher an die Stange gehängt hatte. Der Reck-König erklärte zwiegespalten: „Sicher freue ich mich über den Sieg. Aber eigentlich hätte ich die schwerere Übung probieren müssen. So viele Möglichkeiten gibt es ja nicht, die unter ansprechendem Druck in einem Weltcup-Finale zu testen.“

Der deutsche Nationalmannschaftsturner Marcel Nguyen zeigte eine bemerkenswerte Barren-Übung und wurde mit Bronze belohnt.
Der deutsche Nationalmannschaftsturner Marcel Nguyen zeigte eine bemerkenswerte Barren-Übung und wurde mit Bronze belohnt. FOTO: Frank Hammerschmidt / Hammerschmidt Frank

Seine Freundin Pauline Schäfer hatte zuvor hingegen ihren „Schäfer-Salto“ mit weltmeisterlicher Sicherheit auf den Schwebebalken gezaubert. Sie berichtete mit erstaunlicher Lockerheit: „Die Erwartungshaltung an mich ist jetzt ja riesig. Aber ich gehe das Ganze so entspannt wie vorher an.“

Sie weiß, dass ihr Freund sie für ihre Nervenstärke bewundert und sagt: „Ich kann auch mit weniger Training gute Leistung abrufen. Er ist halt der Trainingsweltmeister. Umso schöner, dass es endlich mal wieder mit Gold geklappt hat.“

Der Cottbuser Turn-Experte Ronny Ziesmer hatte seinen Spaß.
Der Cottbuser Turn-Experte Ronny Ziesmer hatte seinen Spaß. FOTO: Frank Hammerschmidt / Hammerschmidt Frank
Der bärenstarke Ukrainer Igor Radivilov gewann zwei Medaillen.
Der bärenstarke Ukrainer Igor Radivilov gewann zwei Medaillen. FOTO: Frank Hammerschmidt / Hammerschmidt Frank
Die Russin Lilia Akhaimova holte Gold am Boden und Silber beim Sprung.
Die Russin Lilia Akhaimova holte Gold am Boden und Silber beim Sprung. FOTO: Frank Hammerschmidt / Hammerschmidt Frank
Der filigrane Sprung-Sieger Keisuke Asato aus Japan beeindruckte das Publikum beim Traditionsturnier in der ausverkauften Lausitz-Arena mit zwei hochwertigen Versuchen.
Der filigrane Sprung-Sieger Keisuke Asato aus Japan beeindruckte das Publikum beim Traditionsturnier in der ausverkauften Lausitz-Arena mit zwei hochwertigen Versuchen. FOTO: Frank Hammerschmidt / Hammerschmidt Frank
Kopfüber ins Finale, beim Turn-Weltcup in Cottbus gab es viel zu sehen.
Kopfüber ins Finale, beim Turn-Weltcup in Cottbus gab es viel zu sehen. FOTO: Frank Hammerschmidt / Hammerschmidt Frank