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| 02:40 Uhr

Weltmeister gibt sich keine Blöße

Shaw Barber aus Kanada.
Shaw Barber aus Kanada. FOTO: imago sportfotodienst
Cottbus. Weltmeister Shawn Barber aus Kanada hat sich keine Blöße gegeben und am Mittwochabend beim 14. Internationalen Springer-Meeting in Cottbus den Stabhochsprung-Wettbewerb gewonnen. Bei den Hochspringerinnen siegte Airine Palsyte aus Litauen. Mirjam Danke

Recht spät am Abend prasselte der Konfettiregen auf die Sieger des Cottbuser Springer-Meetings herunter. Der Siegerehrung ging am Mittwoch ein ziemlich langer Wettbewerb voraus. Das lag zum einen an der Vielzahl der Athleten, zum anderen daran, dass diese zum großen Teil gut drauf waren und sich daher lange im Wettbewerb hielten. Beides darf in jedem Fall positiv gewertet werden.

Und schließlich war ja kein Geringerer als der Weltmeister mit dabei - der "Mann mit der Haarfarbe eines Feuerwehrautos", wie Moderator Michael Werling über den 21-jährigen Rotschopf witzelte. Dem hat seine beschwerliche Anreise nach Cottbus nichts anhaben können. Stundenlang war er mit einem gemieteten Auto von Frankreich nach Cottbus unterwegs, mit aufgeschnallten Stäben,weil die Fluggesellschaft die 5,38 Meter langen Latten nicht mitnehmen wollte.

Barber trotzte am Mittwoch allem und jedem. Souverän und erwartungsgemäß sprang er in der rappelvollen Lausitz-Arena zum Sieg. Im Stehen klatschend versuchten die Zuschauer, Barber über die neue Meeting-Rekordhöhe von 5,91 Metern zu hieven. Allein das klappte nicht - vielleicht ja auch weil der Rekord-Inhaber Björn Otto, der selbst nicht springen konnte, aber anwesend war, etwas dagegen hatte. Am Ende stand für Barber die Sieghöhe von 5,77 Metern.

Den Hochsprung-Wettbewerb entschied die Litauerin Airine Palsyte mit 1,97 Meter für sich, vor der starken und mittlerweile schon 36 Jahre alten Spanierin Ruth Beitia und der Vorjahressiegerin Kamila Licwinko aus Polen.

Überhaupt war es ein gut sortiertes Frauen-Feld. Hingegen mussten die Veranstalter des Hochsprung-Meetings in Köln, das ebenfalls am Mittwoch stattfand, den Wettbewerb der Frauen aus dem Programm nehmen - aus Mangel an Athletinnen. "Sie wollten alle nach Cottbus", sagt Meeting-Direktor Ulrich Hobeck schmunzelnd.

Am Ende klopfte selbst Ariane Friedrich noch an, die deutsche Hochsprung-Rekordhalterin (2,06 Meter), die sich nach ihrer Babypause unbedingt noch für Olympia qualifizieren will und Wettkampfpraxis braucht.

Von Beginn an bekamen die Zuschauer einen Eindruck von ihrer Extravaganz. Fernab von allen anderen Athleten, nämlich am anderen Ende der Halle, machte sich die 32-Jährige warm - ganz lässig vor der aufspielenden Big Band des Konservatoriums Cottbus, mit Kopfhörern auf den Ohren. Und so wie man das bei großen Titelkämpfen schon erlebt hat bei ihr, forderte Ariane Friedrich vor ihren Sprüngen immer mal wieder absolute Stille ein. Ungewöhnlich, denn normalerweise wird in Cottbus bei Musik gesprungen, zu der rhythmisch mitgeklatscht wird. Die Ruhe half - Friedrich sprang zu einer neuen Saisonbestleistung (1,88). Zu mehr reichte es bei der WM-Dritten von 2009 indes noch nicht. Sie freute sich dennoch und verbeugte sich vor den Lausitzern: "Ihr seid wirklich ganz große Klasse!"

Begeistert von der Stimmung zeigte sich auch Uwe Möhrle, Kapitän der Drittliga-Fußballer von Energie Cottbus, die am Sonntag zum 50. Vereinsgeburtstag ihr Jubiläumsspiel gegen Fortuna Köln haben. "Wir hoffen, dass die Stimmung bei uns ähnlich gut ist und dass die Leute am Sonntag alle zu uns ins Stadion kommen", so Möhrle.

"Der Hammer"

Von den Zuschauern angetan war auch Hochspringerin Imke Onnen bei ihrer Cottbus-Premiere. Zwar musste sie wegen einer Verletzung früh aufgeben, ließ es sich aber nicht nehmen, dem Publikum übers Hallenmikrofon mitzuteilen: "Ihr ward schon bei zwei Sprüngen so Hammer - macht weiter so!"

Keine Frage: Das Springer-Meeting, das 2017 mit der 15. Auflage ein kleines Jubiläum feiern wird, hat sich nicht zuletzt auch wegen des Publikums einen tollen Ruf erworben. "Manager und Trainer bezeichnen es als das emotionalste Meeting Europas", betont Meeting-Chef Hobeck, Vater dieser Erfolgsgeschichte.

Der Zuspruch, den das Meeting erfährt, ist ganz gewiss ein Zeichen dafür, dass da in den vergangenen Jahren sehr viel sehr richtig gemacht wurde. "Im Grunde ist es bei uns nicht anders als bei Bayern München", zieht Hobeck einen Vergleich zum Fußball-Rekordmeister. "Wichtig ist ein gutes Konzept über Jahrzehnte hinweg."

Mittlerweile stehen die Athleten in Cottbus regelrecht Schlange. "In diesem Jahr hatten sehr viel mehr Athleten angefragt als ich hier springen lassen kann", sagt Hobeck. Elf Hochspringerinnen ("das Maximale") hat er schließlich nach Cottbus geholt. Dazu neun Stabhochspringer, zu denen sich gern noch ein weiterer Hochkaräter gesellt hätte. "Raphael Holzdeppe wäre unglaublich gern zu uns gekommen", verrät der Meeting-Chef. "Das Meeting in seiner Heimatstadt Zweibrücken fand aber leider zeitgleich statt." Vielleicht kommt er ja im kommenden Jahr in den Genuss des Cottbuser Meetings.

Da geht aber noch mächtig was bis zu den sechs Metern. Weltmeister @vaultbarber beim #Springermeeting in #Cottbus . pic.twitter.com/tTNDzDZHQa

— Frank Noack (@LR_sportnoack) January 27, 2016