| 02:41 Uhr

Warum Frauen sich viel häufiger am Knie verletzen

Regensburg. (ml) Ein Drittel der Verletzungen beim Skifahren betrifft die Knie. Dabei fällt auf, dass Frauen (46,6 Prozent aller Verletzungen) deutlich häufiger Knieschäden erleiden als Männer (26,6 Prozent).

"Ursache ist eine im Vergleich zum Mann geringere Muskelkraft in der Oberschenkelmuskulatur und eine insgesamt schwächere Bandfestigkeit", sagt Professor Dr. Michael Nerlich, Direktor der Unfallchirurgie an der Universitätsklinik Regensburg. Aus Studien ist bekannt, dass Frauen sich auch beim Fußballspielen bis zu zehnmal häufiger am vorderen Kreuzband verletzen als Männer.

Möglicherweise spielen anatomische Unterschiede eine Rolle. Frauen kippen beim Aufsetzen des Fußes mit dem Rückfuß generell stärker nach innen als Männer. Zudem weisen Frauen eine stärkere X-Beinstellung auf, weil sie wegen des Geburtskanals breitere Becken haben. Dadurch laufen ihre Oberschenkelknochen zum Knie hin stärker aufeinander zu als beim Mann. Beides führt dazu, dass sich die Knie der Frau stärker nach innen drehen, wodurch die Belastung steigt.

Zudem zeigen Frauen andere Aktivierungsmuster der Muskulatur als Männer. Frauen aktivieren den vorderen Oberschenkelmuskel stärker, den hinteren Oberschenkelmuskel hingegen schwächer als Männer. Dadurch wird das Kniegelenk muskulär weniger stabilisiert, das Kreuzband weniger stark "geführt". Und bei Frauen ist eine verzögerte und verkürzte Aktivierung der stabilisierenden Muskulatur zu beobachten, insbesondere der Gesäß- und Wadenmuskulatur.

Weitere häufige Verletzungen beim Skifahren betreffen die Schulter (20,2 Prozent), den Rumpf (9,4 Prozent), Hüfte und Oberschenkel (8,4 Prozent) sowie den Kopf (7,7 Prozent).

Guten Schutz bei Stürzen auf den Rücken bieten spezielle Rückenpanzer (Protektoren). Der Tragekomfort der neuen Protektorenwesten ist hoch. Wenn Wirbelsäule, Rippenbögen und Schulterblätter ausreichend abgedeckt sind, überzeugt die Schutzwirkung, wie Tests des Tüv Süd und der Stiftung Sicherheit im Skisport gezeigt haben.