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Warnsignale für Timo Werner

Timo Werner musste vor einer Woche im Champions-League-Spiel in Istanbul ausgewechselt werden.
Timo Werner musste vor einer Woche im Champions-League-Spiel in Istanbul ausgewechselt werden. FOTO: dpa
Frankfurt/Main. Leipzigs Nationalspieler braucht eine Pause. Kiefer und Halswirbelsäule machen dem Torjäger zu schaffen. Was steckt dahinter? Stress? Arne Richter und Klaus Bergmann

Timo Werner hat in seiner noch jungen Karriere die extremen Ausschläge der Profi-Glitzerwelt schon zu spüren bekommen - nach oben wie nach unten. Jetzt streikt der Körper des neuen deutschen Topstürmers. Und darum muss Joachim Löw das Ticket zur Fußball-WM 2018 ohne den 21 Jahre alten Offensivmann von RB Leipzig lösen.

"Blockade der Halswirbelsäulenmuskulatur und des Kiefergelenks", lautet die Diagnose. Doch die Worte von RB-Coach Ralph Hasenhüttl deuten auf eine grundsätzliche Überlastung hin. "Man darf eines nicht vergessen. Ein Spiel in der Champions League oder mit der Nationalmannschaft ist schon eine mentale Extrembelastung", äußerte der Österreicher. Es könne darum sein, dass Dauerleister Werner "dem Ganzen jetzt ein bisschen Tribut zollt", so Hasenhüttl. Auch Sportdirektor Ralf Rangnick hatte angekündigt, dass eine Teilnahme des Angreifers beim Abschluss der DFB-Elf in der WM-Qualifikation am Donnerstag in Nordirland und danach gegen Aserbaidschan "keinen Sinn" machen würde.

Werner hat enorm viel geleistet in den vergangenen Monaten. Er erlebte bei seinem kometenhaften Aufstieg auch krasse Widerstände. Sensationelle Bundesliga-Premiere mit RB. Wirbel und Anfeindungen nach seiner Schwalbe gegen Schalke. Länderspieldebüt gegen England, Pfiffe deutscher Fans inklusive. Leipzigs Champions-League-Quali. Confed-Cup-Sieg mit Goldenem Schuh als Ehrung zum besten Torschützen. Kurze Sommerpause. Gala mit einem Doppelpack für Deutschland gegen Norwegen. Dauereinsatz für Leipzig in Liga und Königsklasse - bis zu seiner frühen Auswechslung wegen Kreislaufproblemen in Istanbul. Da streikte der Körper. Auch von Schwindelattacken war die Rede. Bei der nun vermeldeten Diagnose ist vorerst offen, wie es mit Timo Werner weitergeht.

WM-Rekordtorschütze Miroslav Klose sieht in dem Schwaben neben Kylian Mbappé von Paris Saint-Germain und Marco Asensio von Real Madrid die größte internationale Sturmhoffnung. Nach acht Länderspielen, die alle gewonnen wurden, stehen für ihn sechs Tore zu Buche. Für RB traf er nach seinem Wechsel vom VfB Stuttgart in 37 Liga-Spielen 26 Mal.

Löw kennt sich aus mit der Beanspruchung junger Profis. Er hat viele gefördert und gefordert. Und gibt ihnen doch immer wieder Zeit. Auch Mario Götze kehrt nach seiner langen Erkrankung noch nicht in die Nationalmannschaft zurück, ebenso der gerade fit gewordene Dortmunder Julian Weigl. Der Bundestrainer nannte es "bedauerlich, dass einige unserer Leistungsträger nicht dabei sein können". Aber Löw vermeidet in dieser frühen Phase der WM-Saison jegliche Risiken. Denn im Sommer 2018 braucht er einen fitten Timo Werner.