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| 17:29 Uhr

Motorsport
War das die letzte Zielflagge am Lausitzring?

Die Rennen zur Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft IDM fanden am Wochenende auf dem Lausitzring vor enttäuschender Kulisse statt.
Die Rennen zur Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft IDM fanden am Wochenende auf dem Lausitzring vor enttäuschender Kulisse statt. FOTO: IDM / Dino Eisele
Klettwitz. Der ADAC Berlin-Brandenburg befürchtet das Ende für Motorsportveranstaltungen in Klettwitz. Die RUNDSCHAU analysiert die Lage. Von Jan Lehmann

Die Motorsport-Saison auf dem Lausitzring ist de facto beendet. Bei den Rennen zur Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft am zurückliegenden Wochenende wurde die vorerst letzte Zielflagge geschwenkt. Nicht wenige Motorsport-Fans in der Region treibt nun die Sorge um, dass damit die Rennstrecke endgültig ihre Boxengasse schließt. Seit der Übernahme des Rings von der Prüfgesellschaft Dekra wird das Areal zu Europas größtem Testzentrum für automatisiertes Fahren umgebaut.

Der ADAC Berlin-Brandenburg veröffentlichte nun eine sorgenvolle Pressemitteilung mit dem Titel „Quo vadis Lausitzring“. Darin wird die Zukunft des Motorsports in der Lausitz deutlich infrage gestellt. Dabei nimmt der ADAC die Dekra in die Verantwortung und kritisiert unter anderem deren Mietpreise für die Anlage. Sie seien ein Grund dafür, dass kein Veranstalter sich den Ring mehr leisten kann. Die RUNDSCHAU stellt die wichtigsten Fragen.

Wie lief die Motorsport-Saison?

Es war ein eher ruhiges Motorsport-Jahr in Klettwitz. Weil das Red Bull Air Race und auch die Superbike-WM einen Bogen um die Lausitz machten, war allein des Renn-Wochenende des Deutschen Tourenwagen Masters (DTM) eine große Publikumsveranstaltung. Dem sportlich äußerst spektakulären Wochenende fehlte es an wenig – außer an ein paar mehr Zuschauern. Der Veranstalter ITR veröffentlichte zwar keine Publikumszahlen, doch die leeren Flecken auf der Haupttribüne waren nicht zu übersehen.

Der Lauf zur Deutschen Meisterschaft im Rallye-Cross sowie nun das IDM-Wochenende waren eher auf eine kleinere Zielgruppe zugeschnitten, die Zuschauerzahlen blieben im unteren vierstelligen Bereich.

Was bewegt die Motorsportfans?

Horst Seidel, Abteilungsleiter Sport beim ADAC Berlin-Brandenburg, der beim IDM-Rennen der sportliche Ausrichter war, erklärte: „Es ist schon so, dass die Dekra die Anlage primär für ihr Kerngeschäft nutzen möchte, was ja nachvollziehbar und verständlich ist.“ Und dieses Kerngeschäft ist eben nicht der Motorsport. In Klettwitz wird stattdessen in Zusammenarbeit mit der Deutschen Telekom ein Testfeld für die Mobilfunkgeneration 5G gebaut. Mit dessen Hilfe soll die Verkehrssicherheit auf den Straßen verbessert werden. Motorsportveranstaltungen sind da in Klettwitz allenfalls ein Nebengeschäft.

Die Dekra tritt auch nicht als Veranstalter auf, sondern vermietet nur die Strecke. In der ADAC-Pressemitteilung heißt es dazu: Da die Dekra ein Wirtschaftsunternehmen sei, könne man ihr nichts vorwerfen. Doch wenn eine von nur vier richtigen Rennstrecken in Deutschland nicht mehr genutzt würde, wäre das „ein herber Verlust für den deutschen Motorsport insgesamt“.

Wie reagiert die Dekra?

Volker Noeske, Leiter des Dekra Technology Center in Klettwitz, erklärte auf RUNDSCHAU-Nachfrage: „Die Sorge des ADAC Berlin-Brandenburg, dass die IDM in diesem Jahr die letzte Motorsportveranstaltung am Lausitzring war, können wir nicht teilen. Da er bei der IDM nicht als Veranstalter, sondern nur als sportlicher Ausrichter beteiligt war, ist für uns schwer nachvollziehbar, worin die Sorgen des ADAC begründet sein sollen. Der IDM-Veranstalter Motor-Presse Stuttgart hat sich in Gesprächen mit uns hoch zufrieden gezeigt und bereits konkrete Termine für 2019 angefragt.“

Sind die Mietpreise zu hoch?

Horst Seidel vom ADAC Berlin-Brandenburg kritisiert die Preise, die von der Dekra für die Nutzung der Strecke aufgerufen werden. Er fürchtet, dass so mögliche Rennsport-Veranstalter vergrault werden könnten. Seidel sagte: Die aktuelle Mietpreisliste ist nicht für jedes Veranstaltungsbudget passend, sodass es potenzielle Veranstalter schwer haben dürften, ein kostendeckendes Event auf die Beine zu stellen.“ Volker Noeske von der Dekra betont indes: Für uns gilt zunächst, dass die Mietpreise die entstehenden Kosten decken müssen. Die früheren Betreiber des Lausitzrings konnten die Anlage im damaligen Geschäftsmodell nicht kostendeckend betreiben – und letztendlich war das ja auch der Grund für den Verkauf an die Dekra.“ Noeske stellt klar: „Wir stehen – auch aus unserer Tradition – zum Motorsport, können ihn aber nicht als Zuschussgeschäft betreiben.“ Der Klettwitzer Dekra-Chef betont zudem: „Dass die Mietpreise nicht generell zu hoch sind, zeigt der Saisonkalender 2018 am Lausitzring mit vielen Veranstaltungen.“ Er meint damit unter anderem die Extremsport-Veranstaltung Tough Mudder, den Lausitz-Marathon, das Reisbrennen und andere Markenfestivals. Die lockten Noeske zufolge mehr Besucher an den Lausitzring als die Motorsport-Veranstaltungen – abgesehen von der DTM.

Wie sind die Aussichten für 2019?

Motorrad-Rennleiter Olaf Noack vom ADAC Berlin-Brandenburg erklärte nach dem IDM-Rennen am Wochenende: „Ich bin bei bisher allen IDM-Rennen dabei gewesen und hätte bei der Eröffnung nie gedacht, dass ich den Motorsport am Lausitzring überleben würde – eher umgekehrt.“ Nun fürchtet er, dass es am Lausitzring nicht weitergeht. Volker Noeske von der Dekra betont: „Für das Jahr 2019 laufen Gespräche mit mehreren Veranstaltern. Wasserstandsmeldungen geben wir dazu aber – wie bisher, so auch weiterhin – nicht heraus. Was wir sagen können, ist: Schon jetzt sind mehrere Monate im Jahr 2019 an den Wochenenden mit Veranstaltungen verschiedenster Art ausgebucht.

Fährt die DTM wieder in Klettwitz?

Welche Veranstaltungen fürs nächste Jahr schon feststehen, sagt der Dekra-Chef nicht. Die wohl spannendste Frage ist, ob die DTM auch 2019 wieder am Lausitzring fährt. Noeske sagt dazu: „Wir hatten  2018 – hier übrigens ohne Unterstützung des ADAC Berlin Brandenburg – ein sehr gelungenes Rennwochenende und würden die Serie, in der wir seit fast 30 Jahren Partner sind, gerne auch im kommenden Jahr wieder am Lausitzring sehen. Letztlich kann die Frage, ob die DTM im nächsten Jahr wieder am Lausitzring fährt, aber nur der Veranstalter ITR beantworten.“ Die Rennserie ist mit dem angekündigten Ausstieg von Mercedes im Umbruch. DTM-Sprecher Guido Stalmann hatte nach dem Lausitzring-Rennen gesagt: „Wir müssen erst unsere Hausaufgaben machen. Dann können wir mit der Dekra über ein Lausitzring-Rennen 2019 sprechen.“ Er betonte, dass dies wegen der engen Zusammenarbeit seit vielen Jahren wohl auf kurzem Dienstwege geklärt werden könne.

Kehrt das Red Bull Air Race zurück?

Das Red Bull Air Race hatte im September 2017 etwa 30 000 Zuschauer an die Rennstrecke in Klettwitz gelockt. In diesem Jahr düst die Flug-WM aber in anderen Regionen – zuletzt kämpften der Deutsche Matthias Dolderer und seine Kollegen im Himmel über Kasan (Russland) um WM-Punkte. Gibt es eine Chance auf die Rückkehr an den Lausitzring?

Dekra-Chef Noeske macht wenig Hoffnung: „Wir haben dem Veranstalter nach dem letzten Rennen 2017 signalisiert, dass wir als Veranstaltungsort zur Verfügung stehen. Bei Interesse führen wir sehr gerne entsprechende Gespräche“, erklärte er. „Letztlich ist für jeden Veranstalter immer die Frage, ob sich eine Veranstaltung am Ende rechnet – und das steht und fällt auch mit der Anzahl an Zuschauern, die kommen.“

Zielflagge sw
Zielflagge sw FOTO: klesign/fotolia / klesign
Horst Seidel vom ADAC Berlin Brandenburg kritisiert die Mietpreise am Lausitzring.
Horst Seidel vom ADAC Berlin Brandenburg kritisiert die Mietpreise am Lausitzring. FOTO: ADAC Berlin Brandenburg
Volker Noeske, der Dekra-Leiter in Klettwitz, kann die Sorgen des ADAC nicht nachvollziehen.
Volker Noeske, der Dekra-Leiter in Klettwitz, kann die Sorgen des ADAC nicht nachvollziehen. FOTO: dpa / Patrick Pleul