| 02:40 Uhr

Vorteil Testosteron – neue Debatte

Caster Semenya war vor einigen Jahren Auslöser einer Diskussion über Testosteron.
Caster Semenya war vor einigen Jahren Auslöser einer Diskussion über Testosteron. FOTO: dpa
Monte Carlo. Die Zeit, in der die südafrikanische Läuferin Caster Semenya allen über 800 Meter davon eilt, könnte enden. Eine vom Leichtathletik-Weltverband IAAF am Dienstag veröffentlichte Studie belegt, dass Frauen mit hohen Testosteron-Werten in einigen Leichtathletik-Disziplinen einen Wettbewerbsvorteil haben. dpa/jam

"Über 400 und 800 Meter, 400 Meter Hürden sowie Hammerwurf und Stabhochsprung haben weibliche Athleten mit hohem Testosteronspiegel einen Wettbewerbsvorteil von 1,8 bis 4,5 Prozent gegenüber anderen weiblichen Konkurrenten mit normalem Androgenspiegel", lautet das Fazit der Untersuchung von Stéphane Bermon und Pierre-Yves Garnier. Finanziert wurde die Studie von der IAAF und der Welt-Anti-Doping-Agentur. Sie ist die Folge einer Klage der indischen Sprinterin Dutee Chand beim Internationalen Sportgerichtshof CAS gegen ihre Disqualifikation bei den Commonwealth-Spielen 2014. Ihre Testosteron-Werte waren höher als der in einer IAAF-Regel festgeschriebene Grenzwert. Das CAS hob im Juli 2015 die Regel für zwei Jahre auf, um wissenschaftliche Beweise für einen Zusammenhang zwischen erhöhten Testosteron-Werten und gesteigerter Leistungsfähigkeit ermitteln zu können.

"Ich sehe die Diskussion zu diesem Thema wieder eröffnet", sagte Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes. "Chancengleichheit hat im Sport oberste Priorität. Nun muss das CAS entscheiden, ob die Regel geändert werden muss."

"Der quantitative Zusammenhang zwischen erhöhtem Testosteronspiegel und verbesserter sportlicher Leistungsfähigkeit sollte berücksichtigt werden, wenn der Wettbewerbsvorteil von Frauen mit Hyperandrogenismus gegenüber der weiblichen Konkurrenz diskutiert wird", empfehlen die Autoren der Studie. Sie basiert auf der Untersuchung von 2127 Bestleistungen sowie auf Analysen der Konzentration des Testosteronspiegels im Blutserum bei männlichen und weiblichen Athleten bei den Weltmeisterschaften 2011 und 2013.