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| 01:03 Uhr

Vorn viele Chancen und hinten große Löcher

Acht Tore in einem Spiel, wie bei der Partie Cottbus gegen Köln am Sonntag bekommen die Zuschauer nicht alle Tage zu sehen. Wenn die Heimmannschaft drei Treffer erzielt, müsste das eigentlich auf der Habenseite zu einem Heimsieg reichen. Allerdings wenn im Soll fünf Gegentreffer stehen, funktioniert das nicht, wie beim 3:5 des FC Energie gesehen. Von Wolfgang von der Burg

Genau diese beiden Komponenten, die schlechte Chancenverwertung und das schwache Defensivverhalten seiner Spieler, waren die Hauptgesprächspunkte von Cheftrainer Petrik Sander gestern in der Auswertung.
Die Chancenverwertung: „Ich weiß nicht genau, wann wir in einem Spiel so viele Großchancen hatten wie am Sonntag. Mit diesen Gelegenheiten sind wir zu fahrlässig umgegangen. Nach dem Elfer zum 2:1 von Mokhtari hätten wir 3:1 und sogar 4:1 in Führung gehen können, dann hätte ich Köln mal sehen wollen“ , sinnierte Petrik Sander.
Abwehrspieler Rayk Schröder: „Als wir durch den Strafstoß auf 3:5 herankamen, selbst da waren noch drei Großchancen von Daniel Gunkel, Martin Hysky und Adrian Iordache da, um zum Ausgleich zu kommen.“ Doch was optisch gefällig aussieht, reicht eben nicht, um im Abstiegskampf zu punkten. „Da müssen wir einfach cleverer werden“ , fordert Sander.
Das Defensivverhalten: Als in der ersten halben Stunde die taktische Grundordnung beim FCE stimmte, wurde richtig gut Fußball gespielt. „Ich glaube, besser können wir derzeit gar nicht spielen“ , anerkannte Sander die Leistung bis zu diesem Zeitpunkt. Doch wie in der Defensive, speziell nach der Halbzeit, der Schlendrian einzog und Köln zum Toreschießen eingeladen wurde, brachte Sander noch gestern in Rage. „Mir ist unverständlich, wie wir da so auseinanderfallen konnten. Nichts gegen das Bemühen meiner Mannschaft nach dem 2:1 weiter nach vorn zu spielen. Doch nach vorn spielen heißt nicht, die Abwehrarbeit zu vernachlässigen. Das haben wir uns im Video noch einmal ganz genau angeschaut und ausgewertet.“ Auch Ex-Kapitän Christian Beeck, der die Partie von der Tribüne aus verfolgte, meinte: „Hurra-Fußball für die Fans ist ja ganz schön, aber es muss immer eine Absicherung da sein, sonst wird der Riesenaufwand, der betrieben wurde, am Ende nicht belohnt.“
Nichts hören wollten alle Beteiligten davon, dass Torhüter Tomislav Piplica an ein, zwei Toren eine Aktie hatte. „Wir gewinnen und verlieren zusammen. Das liegt nie an einem Spieler allein“ , sah es Björn Brunnemann. „Wir haben uns in den Situationen, die zu den Gegentoren führten einfach dämlich angestellt, jetzt mit dem Finger auf andere zu zeigen, ist doch Blödsinn“ , reagiert Rayk Schröder. „Diese Diskussion halte ich für unsinnig. Es stehen elf Mann auf dem Platz, um Tore zu verhindern“ , beschied auch der Trainer.
Sander hatte auch unmittelbar nach dem Kölner Spiel gesagt: „In Dresden brauche ich elf Männer auf dem Platz.“ Wie ist das gemeint„ „Ganz einfach. Weil in Dresden nicht mit spielerischen Mitteln die Entscheidung fallen wird. Sondern dort geht es nur über Kampf und Einsatz. Und dazu muss jeder Spieler über die gesamten 90 Minuten bereit sein“ , antwortet Sander.

Mit Löw und Berhalter?
Möglich, dass die Energie-Abwehr schon in Dresden mit zwei Routiniers wieder stabiler werden kann. Zsolt Löw spielt nach seiner Rotsperre hundertprozentig wieder mit und auch die Hoffnung, dass Kapitän Gregg Berhalter vielleicht schon gegen Dynamo aufläuft, ist nicht utopisch. Berhalter hat gestern, trotz einer tiefen Fleischwunde in der Leistengegend, schon wieder trainiert. „Es geht. Der Doktor sagt, wenn ich das vom Kopf her möchte, kann ich das riskieren. Medizinisch ist das kein Problem“ , ist der Amerikaner vorsichtig optimistisch. Der Energie-Trainer wünscht auch, dass sein Stratege wiederkommt, sagt aber: „Ich muss da ganz sicher sein. Ich werde nicht das Risiko eingehen, dass Gregg durch einen zu frühen Einsatz vielleicht für Wochen ausfällt.“