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Radsport
Vorfreude auf das Heimspiel in Berlin

An den vier Finaltagen bis Sonntag stehen insgesamt 23 Entscheidungen im Velodrom auf dem Programm.
An den vier Finaltagen bis Sonntag stehen insgesamt 23 Entscheidungen im Velodrom auf dem Programm. FOTO: Oliver Mehlis / picture alliance / dpa
Berlin. Die Bahnrad-EM ist für das deutsche Team um Kristina Vogel und Maximilian Levy mehr als nur Standortbestimmung. Von Frank Noack und Andreas Zellmer

Die deutsche Hauptstadt mit der neu verlegten Holzpiste im Velodrom ist bereit für die ersten großen Bahnrad-Titelkämpfe seit fast zwei Jahrzehnten. Auch bei den sieben Cottbuser Startern ist die Vorfreude auf die Europameisterschaft in Berlin von Mittwoch bis Sonntag riesengroß. „Es ist das erste Mal, dass ich eine große Meisterschaft vor heimischem Publikum fahren darf“, sagt Maximilian Levy, der im Teamsprint, Sprint und Keirin an den Start gehen wird.

Genau wie damals mit der EM 1997, dem Weltcup 1998 und der WM 1999 erlebt Berlin erneut einen radsportlichen Dreiklang der Elitefahrer im Velodrom. Nach der EM folgt auch diesmal ein Weltcup im Jahr 2018 und als krönender Höhepunkt dann 2020 die WM, bei der es in Berlin um die entscheidenden Qualifikationspunkte für die Olympischen Spiele in Tokio gehen wird.

Aber schon jetzt wollen es die Gastgeber krachen lassen. Denn diese Heim-EM ist viel mehr als nur ein Härtetest auf dem Weg zu den Weltmeisterschaften im März 2018 in Apeldoorn. „Alle sind hoch motiviert. Das ist unser erster Saisonhöhepunkt“, sagte Sprint-Bundestrainer Detlef Uibel aus Cottbus. „Wir nehmen die Europameisterschaft im eigenen Land ernst, schließlich kommen Events von solcher Qualität nicht sehr oft in Deutschland vor.“

Mehr als 300 Teilnehmer – darunter acht Olympiasieger – gehen an den Start. Der Berliner OK-Chef, Ex-Sportdirektor Burckhard Bremer, rechnet optimistisch mit „rund 8000 Zuschauern an vier Wettkampftagen“. Verbands-Sportdirektor Patrick Moster ist ebenfalls zuversichtlich, er kalkuliert mit „vier bis sieben Medaillen“ für das deutsche Team bei den am Mittwochabend mit der Qualifikation der Vierermannschaften startenden Titelkämpfe. Die ersten Medaillen werden am Donnerstag vergeben.

Der Star ist die zweimalige Olympiasiegerin Kristina Vogel, die trotz ihrer imposanten Titelsammlung Nachholbedarf hat. „Eine Goldmedaille im Teamsprint fehlt mir noch – die will ich“, sagte die 26 Jahre alte Erfurterin am Dienstag in Berlin. Zusammen mit ihrer Stamm-Partnerin Miriam Welte (Vogel: „Die ist in der Form ihres Lebens“) wird sie sich vornehmlich gegen die starken Russinnen erwehren müssen. In den Vorkämpfen soll neben Vogel Nachwuchshoffnung Paulina Grabosch (19) eine Chance bekommen, wofür die Olympiasiegerin nicht unbedingt Verständnis hatte.

Für den Bahnvierer hat sich der zuständige Bundestrainer Sven Meyer zumindest „das kleine Finale“ als Ziel gesetzt. Das Team bei den Frauen, in dem nach vierjähriger Bahnpause auch die Zeitfahr-Ex-Weltmeisterin auf der Straße, Lisa Brennauer, starten wird, strebt eine Medaille an. Die Forsterin Romy Kasper, die ebenfalls von der Straße kommt, und Lisa Küllmer (RSC Cottbus) vertreten die deutschen Farben im Zweier-Mannschaftsfahren, das seit 2016 ausgefahren wird und erstmals bei internationalen Meisterschaften vom BDR besetzt wird.

Die deutschen Steher um Titelverteidiger Stefan Schäfer aus Cottbus freuen sich darauf, dass sie nach Paris 2016 auch in Berlin im Rahmen der EM fahren dürfen.

 Das Velodrom an der Landsberger Allee wurde extra für die kontinentalen Titelkämpfe aufwendig umgebaut. Die neue Holzpiste und weitere Renovierungen verschlangen rund zwei Millionen Euro. Dazu zeigte sich der Berliner Senat weiter spendabel und unterstützt die Veranstaltung laut Staatssekretär Christian Gaebler mit 750 000 Euro.

Die Räder können also losrollen. „Das Holz der Bahn ist noch ein bisschen weich. Aber sie ist schnell – das kann man jetzt schon sagen“, erklärte Ausdauer-Bundestrainer Sven Meyer.

Maximilian Levy und Kristina Vogel freuen sich auf die Heim-EM.
Maximilian Levy und Kristina Vogel freuen sich auf die Heim-EM. FOTO: Frank Hammerschmidt