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| 20:32 Uhr

Radsport
Von „Mr. Boombastic“ zum Familienvater

 Der Lokalmatador als Entertainer: „Die Atmosphäre kann man einfach nur genießen“, sagt Maximilian Levy über das Sechstagerennen im Velodrom.
Der Lokalmatador als Entertainer: „Die Atmosphäre kann man einfach nur genießen“, sagt Maximilian Levy über das Sechstagerennen im Velodrom. FOTO: Arne Mill / www.frontalvision.co / Arne Mill
Cottbus. Maximilian Levy tritt nach den Sixdays in Berlin kürzer. Auf die Weltmeisterschaft verzichtet der Cottbuser freiwillig. Ob er bis Olympia 2020 fährt, lässt er offen. Von Frank Noack

Am Dienstagabend wollte „Mr. Boombastic“ noch einmal die Muskeln spielen lassen und sich seinen insgesamt achten Sieg im Sprint-Turnier des Berliner Sechs­tagerennens holen. Der Cottbuser Maximilian Levy, der zum gleichnamigen Song seine Sprintrunden dreht, hat die Nächte bei seinem Heimspiel auf dem Velodrom genossen. „Für mich als gebürtigen Berliner ist das ein besonderes Rennen. Außerdem fahren wir nur selten vor so einem großen Publikum. Diese Atmosphäre kann man einfach nur genießen“, sagt der 31-jährige Levy.

Bei seinem mittlerweile 13. Sechstagerennen auf dem Velodrom führte „Mr. Boombastic“ die Konkurrenz der Sprinter vor dem letzten Abend mit deutlichem Vorsprung an und wollte sich nach eigenem Bekunden „die Butter nicht mehr vom Brot nehmen lassen“.

Als Lokalmatador war er in den vergangenen Tagen ein gefragter Mann – auf und neben der Bahn. Neben den Wettkämpfen standen diverse Sponsoren-Termine und natürlich auch viel Nähe zu den Fans auf dem Programm. „Vor allem am Wochenende ging es sehr turbulent zu. Die Rennen auf der Bahn waren dabei fast noch der entspannte Teil“, berichtet der Cottbuser.

Seit Donnerstag hat Maximilian Levy im ganz speziellen Sechs-­Tage-Rhythmus gelebt. Das bedeutet: Vor 2 oder 3 Uhr kommen die Fahrer ­selten ins Bett. Dann wird bis kurz vor Mittag geschlafen. Das „Mittagessen“ gibt es nicht vor 16 Uhr. Wie schwer fällt Levy nach dem Ende des Sechstagerennens der Umstieg auf den normalen Tagesrhythmus? „Meine Kinder sind das beste Mittel gegen Jetlag“, schmunzelt er. Denn ab Mittwoch ist „Mr. Boombastic“ dann wieder als Familienvater bei seinen Töchtern Tessa (5) und Mila (3) gefragt. „Um 7 Uhr geht das Leben los. Ich kann ihnen ja nicht erzählen, dass der Papa jetzt erstmal schlafen muss“, berichtet Levy.

Ohnehin spielt die Familie in den nächsten Wochen die Hauptrolle beim vierfachen Bahnrad-Weltmeister aus Cottbus. Die WM Ende Februar in Pruszkow (Polen) hat Levy schon vor geraumer Zeit abgesagt, weil Ehefrau Madeleine dann das dritte Kind zur Welt bringen wird und er in dieser Zeit ganz besonders für sie da sein möchte. Außerdem stehen der Hausumbau sowie ein größeres Familien-Auto auf der ­To-do-Liste von Maximilian Levy für die kommenden Wochen.

Die Wintersaison auf der Bahn ist für ihn nach dem Rennen in Berlin so gut wie beendet. Eventuell startet er im März noch bei den Sixdays in Manchester. Der Wiedereinstieg im Sommer ist dann bei den deutschen Meisterschaften vom 31. Juli bis 4. August geplant. Wie es mittelfristig weitergeht, hat der 31-Jährige auch in den Sixdays-Tagen von Berlin offengelassen. 2020 locken mit der Weltmeisterschaft in Berlin sowie den Olympischen Spielen noch einmal zwei reizvolle Veranstaltungen. Ob Levy dann noch auf dem Rad sitzt, sei eine gute Frage, findet der Routinier. „Ich werde mir die weitere Entwicklung im Verband anschauen und natürlich auch in den Körper hineinhören. In ­meinem Alter braucht man längere Regenerationsphasen als früher. Und für die Familie möchte ich auch da sein“, fasst Levy den aktuellen Stand zusammen. „Im Moment gibt es für mich keine Not, eine Entscheidung für 2020 treffen zu müssen.“

Dass es immer schwerer wird, den Sport und die Familie unter einen Hut zu bringen, bekommt Maxi­milian Levy auch schon in diesem Sommer zu spüren. Denn genau an jenem Samstag im August, wenn bei der deutschen Meisterschaft in Berlin wahrscheinlich das Sprint-­Turnier stattfindet, wird Töchterchen Tessa eingeschult. Dann steht im Hause Levy die nächste ganz schwierige Entscheidung an.