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| 18:11 Uhr

Radsport
Von der Straße ins Regenbogentrikot

Hand in Hand: Lokalmatador Roger Kluge (r.) vom RK Endspurt und Theo Reinhardt gehen an diesem Freitag in Cottbus als Titelverteidiger an den Start.
Hand in Hand: Lokalmatador Roger Kluge (r.) vom RK Endspurt und Theo Reinhardt gehen an diesem Freitag in Cottbus als Titelverteidiger an den Start. FOTO: imago/ZUMA Press / Foto Olimpik
Cottbus. Bei den International Cycling Days muss sich Roger Kluge wieder kurzfristig auf die Bahn umstellen. Bereits im März gelang dem Cottbuser mit seinem Partner Theo Reinhardt ein weltmeisterlicher Wechsel. Trotzdem fährt Ungewissheit mit. Von Frank Noack

Das Fragezeichen fährt auch an diesem Freitagabend wieder mit, wenn Lokalmatador Roger Kluge gemeinsam mit Theo Reinhardt bei den „International Cycling Days“ in Cottbus (Beginn um 19 Uhr) an den Start geht. Normalerweise gehören die amtierenden Weltmeister im Zweiermannschaftsfahren natürlich auch in der Lausitz zum Kreis der Favoriten. Zumal Kluge/Reinhardt im vergangenen Jahr als Sieger auf der 333 Meter langen Betonbahn gefeiert wurden. Aber da ist eben auch dieses Fragezeichen: Wie gut gelingt ihnen diesmal der kurzfristige Umstieg von der Straße auf die Bahn? „Für den ­Körper wird das sicher wieder ein kleiner Schock“, befürchtet Roger Kluge vor seinem Heimrennen des RK Endspurt Cottbus.

Denn sowohl Kluge als auch Reinhardt stecken mitten in der Straßensaison. Während der Berliner Theo Reinhardt für das Team Heizomat rad-net fährt, steht der inzwischen ebenfalls in der Hauptstadt lebende Roger Kluge bei der australischen Mannschaft Mitchelton-Scott als Straßenprofi unter Vertrag.

Ein gezieltes Bahntraining für Veranstaltungen wie die „International Cycling Days“ ist deshalb nicht möglich. Im Gegenteil: Die Fahrer nutzen jeden Tag, um auf der Straße zu trainieren. Roger Kluge zum Beispiel wird am Freitagabend zum ersten Mal seit langem wieder auf einem Bahnrad mit der deutlich höheren Trittfrequenz sitzen – und einfach losrollen. „Irgendwann werden sich dann sicher die Beine melden. Da die Veranstaltung aber  nur drei und nicht sechs Tage geht, kommt man da schon durch“, weiß der 32-Jährige aus der Vergangenheit.

Mit solchen Blitz-Umstiegen von der Straße auf die Bahn kennt sich Roger Kluge aus. Auch vor der WM-Goldfahrt im März in Apeldoorn gab es kaum Vorbereitungszeit für das deutsche Duo. Damals reiste Kluge beinahe direkt von der Abu-Dhabi-Tour an, wo er bei brütender Hitze auf der Straße unterwegs war. Mehr als ein paar kurze Trainingsfahrten durch das kalte Berlin waren im Vorfeld der WM nicht drin. Und trotzdem holte er sich das Regenbogen-­Trikot im Zweiermannschaftsfahren. Selbst sein Partner Theo Reinhardt staunte über diese Flexibilität: „Roger ist hier wie immer angekommen, ganz ­locker und nach dem Motto: ,Ich fahre dann mal drei Tage Bahn.’“

Drei Tage dauert auch die Veranstaltung in Cottbus. Und locker ist Roger Kluge auch diesmal wieder drauf. „Meine Beine sind gut, die Form ist da“, sagt er vor der Mission Titelverteidigung bei den „International Cycling Days“. Überhaupt ist der gebürtige Eisenhüttenstädter diesmal deutlich besser durch das Frühjahr gekommen als im vergangenen Jahr. 2017 musste Kluge ­aufgrund von immer wieder auftretenden Magen-Darm-Problemen mehrmals aussetzen und konnte deshalb sein Trainingsprogramm sowie die Wettkämpfe nicht wie geplant durchziehen.

Entgegen kommen dürfte dem Straßenprofi, dass in Cottbus auf einer Betonbahn gefahren wird und nicht auf Holz. „Das Rollverhalten auf dieser Bahn ist ähnlich wie auf der Straße“ berichtet Kluge. Trotz aller Zuversicht bei der angepeilten Titelverteidigung in Cottbus – zumindest in den ersten Runden fährt wieder das Fragezeichen mit, wie der Körper die Umstellung verkraftet.

Erfahrene Sixdays-Fahrer wie Roger Kluge spüren schnell, ob nach dem „kleinen Schock“ aufgrund der Umstellung von der Straße auf die Bahn in den nächsten Tagen vielleicht ein großer Sieg möglich ist.