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Vom Umbruch zum Aufbruch

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Berlin/Hamburg. Nachteil oder Vorteil? Hertha BSC will sich mit dem Trainerwechsel beim nächsten Kontrahenten Hamburger SV gar nicht beschäftigen. Auch die lange Reihe der fehlenden Akteure soll das Spiel nicht beeinflussen. Coach Dardai will die gute Stimmung nutzen. Dennoch kann der Trainerwechsel beim HSV eine Gefahr sein. Jens Mende, Thomas Prüfer und Franko Koitzsch

Weder der Umbruch beim Gegner HSV noch die eigenen Personalprobleme bringen Hertha BSC in der Bundesliga vom nächsten Drei-Punkte-Matchplan ab. "Wir haben eine gute Stimmung und konzentrieren uns nur auf uns selbst", erklärte der Berliner Chefcoach Pal Dardai vor dem Heimspiel am Samstag (15.30 Uhr/Sky) gegen den Liga-Dino Hamburger SV. "Ich bin nicht der Typ, der etwas verspricht. Wir wollen die drei Punkte, aber nicht verkrampft", ergänzte der Ungar.

Die zehn errungenen Punkte aus den bisherigen fünf Spielen haben bei Hertha für viel Selbstbewusstsein und auch Lockerheit gesorgt. "Wir hatten ja schon andere Zeiten", bemerkte Hertha-Manager Michael Preetz. "Der HSV würde sich auch mehr Ruhe wünschen. Es ist angenehmer, wenn du dich auf das Wesentliche konzentrieren kannst. Jetzt ist es in Hamburg traditionell eher ein unruhiges Umfeld. Sie haben den Turnaround noch nicht geschafft, um für Ruhe zu sorgen." Idealerweise würde das mit sportlichen Erfolgen gelingen. "Sie dürfen gern am Sonntag damit anfangen", lachte Preetz.

Zuvor möchte sich Hertha jedoch den vierten Saisonsieg sichern, um weiter in der Spitzengruppe zu bleiben. Die Hamburger kommen mit nur einem Punkt - allerdings auch mit dem neuen Trainer Markus Gisdol und 6000 Fans ins Berliner Olympiastadion. Hertha will verhindern, dass der Umbruch beim HSV zu einem Aufbruch wird.

Denn genau dafür wurde Markus Gisdol zum HSV geholt. Und der neue Übungsleiter fordert gleich das Ende des Wehklagens über den Fehlstart. "Da müssen wir einen dicken Strich drunter machen. Ich erwarte, dass die Spieler bereit sind für einen Neustart", erklärte der neue Hoffnungsträger des Nordclubs, der aktuell Platz 17 belegt. Ob er nach nur fünf Trainingstagen schon gegen Hertha tiefgreifende Änderungen plane, wollte der Labbadia-Nachfolger nicht verraten. "Sonst könnte die Hertha ja ihren Spion abziehen, der hier schon die ganze Woche rumspringt", erklärte Gisdol grinsend.

Seit seiner Vorstellung am Montag hat er intensiv gearbeitet mit den verunsicherten HSV-Kickern. "Fehler sind erlaubt, aber ich erwarte von allen die volle Einsatzbereitschaft", sagte Gisdol. Der frühere Hoffenheim-Trainer will das Lachen beim HSV verstärkt in den Trainingsalltag einführen. "Der Spaß gehört dazu", sagte der 47-Jährige.

In Hamburg kehrt also wieder Spaß ein. Eine schlechte Nachricht für Hertha? "Jede Sache hat Vor- und Nachteile", so Dardai. Jeder Spieler wolle sich dem neuen Trainer anbieten, nannte er als Nachteil für sein Team. "Der Vorteil ist: Innerhalb einer Woche ist es schwierig, etwas Neues zu machen. Das müssen wir ausnutzen." Ob Stammkraft Marvin Plattenhardt mitwirken kann, ist ungewiss. Der Linksverteidiger leidet an Magen-Darm-Problemen, konnte zwei Tage nicht trainieren. "Wenn er beim Abschlusstraining nicht mitmachen kann, wird er nicht spielen." Als Alternativen nannte Dardai Maximilian Mittelstädt und Niklas Stark, der die Rolle schon in seiner Zeit in Nürnberg ausgefüllt hatte. Fehlen werden Peter Pekarik (Muskelfaserriss) und Salomon Kalou, der zu einer Trauerfeier in die Heimat gereist ist. Vladimir Darida und Ondrej Duda stehen in der Rehabilitation.

Falls Stark nicht als Linksverteidiger gebraucht wird, muss der wieder genesene John Anthony Brooks auf seine Rückkehr in die Startelf warten. "Hinten sind wir stabil", bemerkte Dardai. Daran hatte die Innenverteidigung mit Sebastian Landkamp und Stark einen großen Anteil. Noch nicht entschieden hat Dardai, ob er Alexander Esswein von Beginn an oder als Joker bringt.