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| 14:18 Uhr

Olympische Jugendspiele
Von der Fußballerin zum BMX-Champion

BMX-Fahrerin Julia Möhser (16) ist zweifache Deutsche Jugendmeisterin und fährt für das BMX-Team Cottbus.
BMX-Fahrerin Julia Möhser (16) ist zweifache Deutsche Jugendmeisterin und fährt für das BMX-Team Cottbus. FOTO: Frank Hammerschmidt
Cottbus. Seit sieben Jahren fährt Julia Möhser BMX-Rad. Nun ist sie im deutschen Aufgebot für die olympischen Jugendspiele. Von Stephan Meyer

Bis zu 60 Kilometer pro Stunde ist Julia Möhser schnell, wenn sie mit ihrem BMX-Fahrrad vom acht Meter hohen Starthügel fährt. Die 16-Jährige ist amtierende deutsche BMX-Racing-Meisterin (Women Junior) und nimmt an den Olympischen Jugendspielen in Buenos Aires teil, die heute beginnen. Sonntag fährt sie dort ihr nächstes Rennen. Noch vor sieben Jahren galt ihre die Aufmerksamkeit einer ganz anderen Sportart – dem Fußball.

Eigentlich habe sie viel zu spät angefangen, gibt Julia zu. Angesichts ihrer sportlichen Erfolge ist das kaum zu glauben. Vor dem Women Junior-Meistertitel war sie schon deutsche U17-Meisterin (2017) und U15-Landesmeisterin (2015 und 2014). Ihre internationalen Mitbewerber hätten zum Teil weitaus früher mit dem Sport begonnen, so die Branitzerin. Bereits im Alter von fünf Jahren könne man Teil des BMX Sports werden.

Ihr Bruder Philipp ist an Julias Titeln nicht ganz unschuldig. „Ich wollte halt immer das machen, was er macht“, erzählt sie rückblickend über den Beginn ihrer Sportkarriere. 2011, da war Julia zehn Jahre alt, wünschten sich die Geschwister von ihren Eltern BMX Freestyle-Räder, die sie dann auch bekommen haben. „Mit denen sind wir dann, wann immer Zeit war, zur BMX Bahn am Stadtring geradelt, die damals noch öffentlich war.“ Noch im selben Jahr ist Radsporttrainer Reneé Schmidt auf die beiden aufmerksam geworden und lud sie zu einem Probetraining ein. Danach waren die beiden nicht mehr vom Rad zu bekommen.

Heute fährt Julia für den 2015 gegründeten Verein BMX Team Cottbus. Sie trainiert von Montag bis Samstag zwei Mal täglich. Wenn sie nicht auf der BMX-Bahn fährt, geht es in den Kraftraum. Die sportliche Ausbildung läuft über die Lausitzer Sportschule, die eng mit Olympiastützpunkt Brandenburg und dem Landesleistungsstützpunkt Radsport – BMX zusammenarbeitet.

Bei den Rennen in Buenos Aires geht es nicht allein um Julias Leistungen. Sie bildet zusammen mit dem Stuttgarter Aron Beck ein Team. Ihre Zeiten werden für die Wertung addiert. Wie es um die Chancen des deutschen BMX-Zweiergespanns steht, verrät Bundestrainer Florian Ludewig. Der 36-Jährige spekuliert nicht auf Medaillen und ist bei seiner Prognose bescheiden: „Es gibt insgesamt 16 Teams, unser Ziel ist es, unter die besten acht zu kommen. Dann wären wir zufrieden. Wenn nach oben hin mehr herausspringt, sind wir darüber natürlich nicht unglücklich.“

Julia sagt, außerhalb Deutschlands sei der BMX-Sport viel weiter, werde besser gefördert und zum Teil schon als Schulsport angeboten. Die internationale Konkurrenz ist daher stark. Vor allem die Fahrer aus Argentinien und Kolumbien seien ernstzunehmende Gegner, erläutert Trainer Ludewig. Die Niederlande und die USA hingegen, ebenfalls beides starke BMX-Nationen, schicken keine Racing-Fahrer zu den Olympischen Jugendspielen.

FOTO: Frank Hammerschmidt