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| 11:19 Uhr

Radsport
Trotz Vogel-Unfall: Große Preis findet statt

Am vergangenen Wochenende startete Kristina Vogel beim Sprintcup in Cottbus.
Am vergangenen Wochenende startete Kristina Vogel beim Sprintcup in Cottbus. FOTO: Hammerschmidt Frank / Frank Hammerschmidt
Cottbus. Das Bangen um Kristina Vogel geht weiter. Die Bahnrad-Olympiasiegerin wurde nach ihrem schweren Sturz in Cottbus mehrere Stunden lang operiert. Der Große Preis findet trotzdem statt. Von Matthias Bossaller, Thomas Juschus, Frank Noack und Jan Lehmann

Auch Stunden nach dem heftigen Trainingsunfall von Bahnrad-Olympiasiegerin Kristina Vogel ist weiterhin unklar, wie schwer die 27-Jährige an der Wirbelsäule verletzt wurde. In der Nacht zum Mittwoch drangen keine neuen Informationen zu ihrem Gesundheitszustand an die Öffentlichkeit. Bundestrainer Detlef Uibel hatte der Lausitzer RUNDSCHAU am Dienstag gesagt: „Wir machen uns große Sorgen um Kristina.“

Inzwischen ist klar: Trotz des tragischen Trainingsunfalls soll der 28. Große Preis von Deutschland im Sprint wie geplant am Freitag und Samstag auf der Radrennbahn in Cottbus stattfinden. Dies teilte der RSC Cottbus am Mittwochvormittag mit. „Wir sehen die Wettkämpfe als Chance für die Beteiligten, das Geschehen zu verarbeiten. Gleichzeitig haben wir aber auch für jeden Sportler Verständnis, der unter diesen Umständen nicht in der Lage ist, an den Start zu gehen“, erklärt Bernd Kühner als RSC-Präsident.

Laut ihrem Manager Jörg Werner trug Vogel schwere Verletzungen davon. Wie ein Sprecher des Berliner Unfallkrankenhauses in Marzahn bestätigte, wurde Vogel in der Nacht zum Mittwoch mehrere Stunden lang operiert. Zum Gesundheitszustand der schwer an der Wirbelsäule verletzten Erfurterin konnte er keine Angaben machen.

Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) konnte zum Verlauf der Operation ebenfalls noch keine Informationen geben. „Wir haben bisher kein Update bekommen, werden aber in Absprache mit der Familie weiter über Kristinas Zustand informieren“, sagte BDR-Sportdirektor Patrick Moster am Mittwoch.

Nach Schilderung des BDR war die Erfurterin am Dienstag auf der Rennbahn in Cottbus mit einem Radsportler bei hohem Tempo zusammengestoßen. Danach stürzte sie auf die Betonbahn. Mit Brüchen sei die 27-Jährige zunächst in das Cottbuser Thiem-Klinikum gebracht worden, hieß es. Später wurde sie nach Berlin geflogen.

Zahlreiche Sportstars aus dem In- und Ausland reagierten entsetzt auf die Kunde von Vogels Trainingsunfall. Der Cottbuser Maximilian Levy, der am Dienstag 31 Jahre alt wurde, schrieb bei Facebook: „Ein ganz trauriger Tag den wir heute überstehen mussten. Als Freund das zu erleben, ist qualvoller als jedes eigene Leiden.“ Er fährt genau wie Vogel wie für das Erdgas-Team aus Chemnitz. „Bitte habt Verständnis, dass ich heute nicht zum Geburtstagsplausch aufgelegt war und seht von weiteren Nachfragen zum Gesundheitszustand und dem Ablauf des Unfalls ab. Auch wir müssen das verarbeiten und sind in unseren Gedanken bei Kristina“, teilte Levy seinen Fans mit.

Auch Miriam Welte hat „geschockt und fassungslos“ auf den dramatischen Trainingsunfall ihrer langjährigen Teamkollegin. „Ich bin in Gedanken bei ihr und hoffe, dass alles gut verläuft. Wir müssen abwarten, was passiert.“

„Was für ein Schock!“, schrieb Rodel-Olympiasieger Felix Loch bei Twitter. „Wir denken an dich und drücken fest die Daumen! Du schaffst das!!“ Auch die Radrennfahrer John Degenkolb und Marcel Kittel sowie Rennrodlerin Dajana Eitberger schickten Genesungswünsche an Vogel. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow schrieb: „Gute Besserung und möglichst wenig Schmerzen! In der Ruhe liegt die Kraft! Jetzt erstmal nur an die Genesung denken! (...) Wir drücken ganz fest die Daumen liebe Kristina.

Schon 2009 hatte Vogel bei einem Unfall so schwere Verletzungen erlitten, dass sie anschließend um ihre Karriere bangen musste. Doch drei Jahre später feierte sie bei den Olympischen Spielen in London mit Miriam Welte den Gewinn der Goldmedaille im Teamsprint. Bei den Spielen 2016 in Rio de Janeiro holte sie als erste Deutsche olympisches Gold im Sprint und mit Welte erneut Bronze.

Vogel ist bei ihrem Unfall mit einem Junioren-Fahrer aus den Niederlanden kollidiert. Das bestätigte am Mittwoch Jeffrey Kimmels, Pressesprecher des niederländischen Radsport-Verbandes KNWU. „Sein Zustand ist okay. Er hat keine ernsthaften Verletzungen“, sagte Kimmels.

Maximilian Levy und Kristina Vogel fahren für das Chemnitzer Erdgas-Team und sind befreundet.
Maximilian Levy und Kristina Vogel fahren für das Chemnitzer Erdgas-Team und sind befreundet. FOTO: Frank Hammerschmidt