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Kolumne
Videobeweis mit Walkie Talkie, Freibier und Ouzo

Steven Wiesner
Steven Wiesner FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau
Was würde der Videobeweis wohl in einer Lausitzer Amateurliga anrichten? Eine nicht ganz ernst gemeinte Konferenz. Von Steven Wiesner

Mal abgesehen vom Verhandlungsstand der Jamaika-Koalition gibt es wohl kaum ein Thema, das den Deutschen derart umtreibt wie der Videobeweis. Ist er nun ein alternativloses Hilfsmittel der Moderne oder doch der Räuber jeder Emotion? Interessant ist aber auch die Vorstellung, wie der Gebrauch von Fernsehbildern in der Amateurliga vor der Haustür ablaufen würde? Ein möglicher Spieltag.

Es ist 13.53 Uhr. In sieben Minuten beginnt der Spieltag in der Kreisoberliga Niederlausitz. Video-Schiedsrichter Harry Achterbahn sitzt auf seiner Veranda und sieht sieben Plasmabildschirme vor sich aufgereiht. Eigentlich besteht ein Spieltag aus acht Partien, so viele neue Fernseher waren aber nicht erschwinglich. Darum verfolgt Achterbahn Spiel Nummer acht provisorisch auf einem verstaubten Röhrenfernseher mit Antenne. Neben jedem Monitor liegt ein Walkie Talkie, mit dem Verbindung zum jeweiligen Schiedsrichter aufgenommen werden kann.

Anpfiff. Auf allen Plätzen rollt der Ball. In Dissenchen gibt es aber schon die erste Unterbrechung. Der von Verschwörungstheorien verfolgte Trainer Joseph Mourinok fordert den Videobeweis an, um die korrekte Ausführung des Anstoßes überprüfen zu lassen. „Dann läuft das Spiel doch ganz anders, Bursche“, raunt er dem Schiedsrichter entgegen.

14.15 Uhr, ein geruhsamer Nachmittag soweit für Achterbahn, der sich einen Ausflug aufs WC genehmigt. Doch kaum hat er die Sitzposition eingenommen, blinkt ein Walkie Talkie. Mit der Hose in der Kniekehle hüpft er zurück auf die Veranda. In Kahren sind zwei Hunde aufs Feld entwischt und haben den Ball angeknabbert. Der Video-Richter soll nun klären, welcher Vierbeiner zuerst am Ball war, damit der schuldige Tierhalter einen neuen Ball stiften kann.

Elfmeter in Briesen! Schiedsrichter Fridolin Feiertag zeigt auf den Punkt, der FuPa-Fotograf aber hat die Szene auf seiner Kamera eingefangen und Zweifel gesät. Feiertag nimmt die Entscheidung gegen die Heim-Elf zurück. Der Stadionsprecher spendiert Freibier für alle.

Auch in Sielow ist Alkohol im Spiel. Der Videobeweis wird hier vom Griechen präsentiert, weshalb der Schiri in der Video Area erstmal fünf Ouzo kippen muss, bevor er auf die Szene blicken darf. Weil er heute schon dreimal hier war und so dicht ist wie ein U-Boot, schickt er für ein Foul die gesamte Viererkette zum Duschen.

Nachspielzeit bei Viktoria. Der Referee will abpfeifen, doch plötzlich greift Achterbahn nochmal ein. Der Gäste-Kapitän müsse zwingend die Rote Karte bekommen. Die TV-Bilder belegen zwar kein Vergehen, gerüchtehalber soll er letzte Woche aber Achterbahns Frau in der Disko angetanzt haben. Der Videobeweis gilt manchmal eben auch abseits des Platzes.