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Vettel und Hamilton kämpfen gegen Jojo-Effekt

Lewis Hamilton (l.) und Sebastian Vettel fahren bisher durch ein Wellental der Formschwankungen.
Lewis Hamilton (l.) und Sebastian Vettel fahren bisher durch ein Wellental der Formschwankungen. FOTO: dpa
Baku. Auf dem schnellsten Stadtkurs der Formel 1 kämpfen Sebastian Vettel und sein Jäger Lewis Hamilton gegen den Jojo-Effekt. Im Schatten der Flammentürme von Baku wollen die beiden WM-Rivalen ihre Formschwankungen hinter sich lassen, um den Druck auf den Gegner weiter zu erhöhen. Christian Hollmann

"Wenn wir nach Siegen mit der gleichen Sorgfalt arbeiten wie zuletzt, dann sollte es nicht so sehr eine Achterbahnfahrt mit Höhen und Tiefen sein", sagte Hamilton vorm Großen Preis von Aserbaidschan.

Weder dem Mercedes-Piloten noch WM-Spitzenreiter Vettel sind bislang zwei perfekte Grand Prix nacheinander gelungen, keiner konnte zwei Siege aneinanderreihen. Nachdem Hamilton in Sotschi als Vierter und in Monaco als Siebter patzte, rettete Ferrari-Pilot Vettel zuletzt in Montréal in einem verkorksten Rennen noch Platz vier.

"Hin und her, ich hoffe, in Baku ist es dann wieder hin - oder her, je nachdem", scherzte der Deutsche mit Blick auf die wechselhaften Geschicke der WM-Favoriten, die vor dem achten Saisonrennen am Sonntag (15 Uhr/RTL und Sky) zwölf Punkte trennen. Die Folge der Kapriolen waren Zusatzschichten bei Mercedes und Ferrari. In den Rennfabriken von Brackley und Maranello grübelten eilig einberufene Arbeitsgruppen über die Gründe für die Rückschläge und die nächsten Ausbaustufen im immer intensiveren Entwicklungswettlauf der Branchenriesen. "Gegen Ferrari müssen wir alles aufbieten, was möglich ist", mahnte Mercedes-Teamaufseher Niki Lauda vor der Reise ans Kaspische Meer.

In Baku erlebte Hamilton im Vorjahr ein rabenschwarzes Wochenende. In der Qualifikation zerstörte er seinen Silberpfeil, im Rennen kämpfte er mit einer falschen Motoreinstellung und rollte als Fünfter ins Ziel. Sein Teamkollege Nico Rosberg sammelte als überlegener Sieger wertvolle Punkte auf dem Weg zum Titel. Vettel wurde damals Zweiter und will noch mehr. "Dieses Jahr sind die Voraussetzungen ein bisschen anders, es sollte schon gehen", sagte der Hesse.

Das allerdings dürfte für Vettel auf dem 6,003-Kilometer-Kurs in Aserbaidschans Millionen-Metropole eine ziemliche Herausforderung werden. Mit der anhaltenden Kritik an dem Gastspiel im Reich von Staatspräsident Ilham Aliyev, dem Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden, dürfte sich der Grand-Prix-Zirkus zwar wie gewohnt nicht lange beschäftigen.

Die akribische Analyse der sportlichen Gegebenheiten indes dürfte den meisten gezeigt haben, dass erneut einiges für Hamilton und Mercedes spricht. Die mit 2,1 Kilometern längste Vollgas-Passage im aktuellen Rennkalender kommt dem starken Silberpfeil-Motor entgegen, vor allem in der Qualifikation.

Teamchef Toto Wolff sieht seinen Spitzenfahrer aber auch für den Fall gerüstet, dass auf das Hoch von Kanada wieder ein Tief folgt. Der 32-Jährige sei in der besten Verfassung seit seinem Wechsel zu Mercedes 2013. "Nicht nur, weil er ein großartiges Wochenende in Montréal hatte, sondern weil er so gut mit den schwierigen Tagen umgeht", sagte Wolff. "Das ist das Holz, aus dem die Besten geschnitzt sind."