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Vettel muss jetzt "Bösewicht" Hamilton jagen

Sebastian Vettel muss nach Monza auch Ferrari-Patron Sergio Marchionne besänftigen.
Sebastian Vettel muss nach Monza auch Ferrari-Patron Sergio Marchionne besänftigen. FOTO: dpa
Monza. Nach Sebastian Vettels erstmaligem Sturz von der WM-Spitze in dieser Formel-1-Saison genoss Lewis Hamilton seine Rolle als Monza-Bösewicht sichtlich. Er genehmigte sich erstmal eine ordentliche Portion Eiscreme. dpa/jal

Erstmals in dieser Saison und ausgerechnet beim 70. Geburtstag von Ferrari konnte mit ihm ein Pilot einen zweiten Sieg in Folge feiern.

Selbst Pfiffe der frenetischen Ferrari-Fans konnte Hamilton da bestens verkraften. "Unweigerlich wirst du hier der Bösewicht, wenn du die Ferraris stoppst", räumte er ein. Manchmal sei er sogar "richtig froh, der Bösewicht zu sein und mich kümmert das auch nicht." Manchmal kämen ihm die Anhänger in Italien "eher wie Fußballfans vor, die aggressiven unter ihnen", schob er hinterher.

Hamilton beschrieb die Übernahme der WM-Führung beim Europa-Finale als "stärkendes Gefühl". Sein Plan nach der Demonstration der Stärke sei es nun für die nächsten Rennen "zu versuchen, sie auszubauen." Der Titelkampf werde aber "wirklich eng" bleiben. Vettel und Ferrari müssen sich indes nach 161 Tagen an der Spitze mit der Rolle des Jägers anfreunden. "Wenn Hamilton der Moral Ferraris und Vettels einen perfekten Schlag versetzen wollte, dann hätte das Drehbuch dafür sicher sehr dem geglichen, was am Sonntag passiert ist", meinte "Mundo Deportivo" in Spanien. Der englische "The Telegraph" mutmaßte: "Für Lewis Hamilton fühlte sich das an wie der Moment, in dem sich alles gewendet hat."

Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff erkannte auf dem Hochgeschwindigkeitskurs vor den Toren Mailands nicht zwingend eine Überlegenheit seines Rennstalls. "Für mich sieht es so aus, als ob Ferrari an diesem Wochenende irgendwie einen Schritt nach hinten gemacht hat", erläuterte der Österreicher. Der Aufbruch nach Übersee in zwei Wochen könne schon wieder ein anderes Bild abgeben. "Singapur kann schon wieder gegen uns laufen. Es geht darum, kühlen Kopf zu bewahren."

Ferrari-Patron Sergio Marchionne verbarg seine Emotionen dagegen nicht und verhehlte seinen Frust nach der verdorbenen Heim-Party beim Grand Prix von Italien nicht. "Wir haben versagt, wir haben Monza unterschätzt", ätzte Marchionne. Vettel wiegelte ab. "Es gibt viel zu tun, wir haben aber die richtigen Leute und wissen, was wir tun müssen", betonte der 30-Jährige. "Nach dem Podium, nach der Stimmung bin ich voller Hoffnung. Es kommen Strecken, die ich eigentlich alle gerne habe."