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Handball
Verwirrung um Handball-Stützpunkt Cottbus

Anders als gedacht sind die Querelen im Cottbuser Handball, die mit Konflikten zwischen Lehrertrainern einhergingen, noch längst nicht ausgestanden.
Anders als gedacht sind die Querelen im Cottbuser Handball, die mit Konflikten zwischen Lehrertrainern einhergingen, noch längst nicht ausgestanden. FOTO: dpa
Cottbus. Der Handball-Verband Brandenburg verweigert die Anerkennung als Leistungszentrum. Es gebe demnach noch „Dinge zu klären“. Von Wolfgang Swat

Die Querelen um den Landes-Leistungsstützpunkt für junge Handballspieler und Schüler der Lausitzer Sportschule in Cottbus schienen nach heftigen Auseinandersetzungen in der Vergangenheit mit Beginn des neuen Schuljahres endlich ausgeräumt zu sein. In einem Beitrag vom 13. September 2017 zitierte die RUNDSCHAU den Präsidenten des Landessportbundes Brandenburg (LSB), Wolfgang Neubert, wonach sich das LSB-Präsidium zum Landesstützpunkt für den männlichen Handball-Nachwuchs bekannt habe und dass der LHC Cottbus stützpunkttragender Verein bleibt. Die schriftliche Bestätigung schien nur noch eine Formsache zu sein, zumal das zuständige Sportministerium in Potsdam unlängst neben Potsdam, Wildau und Oranienburg auch Cottbus als Stützpunkt  bis zum Jahr 2021 auswies.

Dann aber sorgte ein sehr persönlich gehaltener und nicht mit dem LHC-Präsidium abgestimmter Artikel vom Sportlichen Leiter des Vereins, Marcel Linge, im Programmheft zum Oberliga-Spiel des LHC gegen den Ludwigsfelder HC im Dezember für Verwirrung. Unter der Überschrift „Nachdenklich …“ hieß es: „Sollte es uns nicht gelingen, in den kommenden Wochen die so einfachen Bedingungen des Handballverbandes zu erfüllen, dann wird es wohl den Stützpunkt Handball in Cottbus nicht länger geben ...“ Linge ließ im weiteren Text anklingen, dass die Streitigkeiten um den und im Leistungsstützpunkt weiter schwelen.

Was denn nun? Fakt ist, dass beim LHC noch keine Bestätigung vorliegt, dass er stützpunkttragender Verein bleibt. Damit ist die damit verbundene Stelle eines Landestrainers weiter vakant. LSB-Präsident Wolfgang Neubert, der hauptberuflich die Lausitzer Sportschule leitet, versicherte, dass dies nicht die Schuld des Vereins sei. „Der LHC hat alles getan“, sagte er auf RUNDSCHAU-Nachfrage und fügte hinzu: „Es gibt Dinge, die geklärt werden müssen. Dazu braucht man aber noch Zeit.“

Offensichtlich gibt es vor allem zwischen dem Landessportbund und dem Handball-Verband Brandenburg (HVB) Unstimmigkeiten. HVB-Präsident Rüdiger Ziemer bestätigte gegenüber der RUNDSCHAU: „Unser Präsidium hat einstimmig beschlossen, dem Leistungsstützpunkt in Cottbus derzeitig die Anerkennung zu verweigern.“ Als Grund nannte er die Nicht­erfüllung von Festlegungen des HVB, die in Abstimmung mit dem Potsdamer Sportministerium, dem Olympiastützunkt Brandenburg und dem Schulleiter der Lausitzer Sportschule im Juni 2017 getroffen worden waren. In der sogenannten „Elefantenrunde“ wurde damals auch entschieden, dass der Potsdamer Axel Bornemann als Lenkungsstableiter die Verantwortung für die Stützpunkte in Potsdam und Cottbus übernimmt. Ferner wurde bestimmt, welche Klassenstufen die beiden Cottbuser Lehrertrainer Diane Brucke und Peter Melzer an der Sportschule betreuen. Außerdem sollte der Kooperationsvertrag mit dem LHC umgesetzt werden und für die Sportschüler die Pflicht bestehen, in den Ausbildungsmannschaften des LHC am Spielbetrieb teilzunehmen.

Von dieser „Pflichtmitgliedschaft“ ist der HVB inzwischen abgerückt, weil es dafür im Moment offensichtlich keine rechtliche Grundlage gibt. Fakt ist, dass eine Nachwuchsmannschaft von Cottbuser Sportschülern seit dieser Saison die ganze Woche über zwar in der Lausitz-Arena in Cottbus trainiert, aber beim Grünheider SV in der Brandenburg-Liga am Spielbetrieb teilnimmt. Bei den Schülern der Klassenstufen sieben und acht sei es ja noch verständlich, wenn die Jungs in Heimatvereinen aktiv sind, sagte Ziemer. „Ab Klasse neun sollten sie aber beim LHC spielen“, bekräftigt der Präsident den HVB-Standpunkt. Alles andere habe ansonsten nichts mit Leistungssport-Förderung zu tun.

Torpediert sieht der HVB-Präsident die Arbeit von Lenkungsstab­leiter Axel Bornemann. Der habe einen Trainings- und Zeitplan für die einzelnen Mannschaften unterschrieben, und schon kurz danach seien die dafür vorgesehenen Hallenzeiten in Cottbus über den Haufen geworfen worden, nannte er als ein Beispiel. „Wir wollen den Leistungsstützpunkt in Cottbus erhalten. Doch dafür müssen die Leute endlich an einem Strang ziehen“, bezog Ziemer Stellung. „Im Moment bin ich mit der Situation in Cottbus total unzufrieden. Wenn Konflikte zwischen Lehrertrainern über Schüler und deren Eltern ausgetragen werden, ist das nicht hinnehmbar.“

Lenkungsstableiter Bornemann gab sich zurückhaltender, auch wenn er Probleme einräumte. „Das ständige Hin und Her spiegelt die sehr unterschiedlichen Meinungen wider. Ich bin aber mit dem OSP, der Schule und dem LHC in guten Gesprächen.“ Bereits länger bestehende Differenzen bei Strukturen und zwischen Personen könne man eben nicht im Handumdrehen ausräumen.

Im Januar soll es nun eine neue „Elefantenrunde“ geben, um die verfahrene Situation zu klären. Die sollten dann mit mehr als nur in „guten Gesprächen“ enden.