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| 14:21 Uhr

Verrückter Plan mit großen Schmerzen

Nach der OP trägt Levy vorerst eine Manschette.
Nach der OP trägt Levy vorerst eine Manschette. FOTO: Levy/privat
Cottbus. Es ist ihm schon wieder passiert: Der Cottbuser Bahnradsprinter Maximilian Levy hat sich bei einem schweren Trainingssturz zum dritten Mal das Schlüsselbein gebrochen. Doch trotz Operation und großer Schmerzen hat der 30-Jährige einen verrückten Plan: Levy will beim Sprinterrennen bei den Berliner Sixdays starten – in genau zehn Tagen! Jan Lehmann

Seinen Humor hat Maximilian Levy auch beim schweren Sturz im Training auf der Holzbahn in Frankfurt/Oder nicht verloren. Er sagt: "Dieses Mal ist es wieder die linke Schulter, wir wollen ja schön im Rhythmus bleiben." Zum dritten Mal hat der Cottbuser sich das Schlüsselbein gebrochen: 2010 in Pruszkow (Polen) an der linken Schulter, 2014 in Cali (Kolumbien) an der rechten Schulter - und nun eben wieder auf der linken Seite.

Zum dritten Mal ist Dr. Karsten Labs in Birkenwerder der Arzt seines Vertrauens. Der ausgewiesene Schulterchirurg kann wahrscheinlich Levys Schlüsselbeine bald mit geschlossenen Augen erkennen. Erst im zurückliegenden September hatte er bei dem 29-Jährigen Cottbus eine Metallplatte aus der Schulter entfernt - die letzte von insgesamt vier Operationen nach dem folgenschweren Sturz von Kolumbien über den Levy im Nachhinein sagte: "Dieser Sturz war ein ganz entscheidender Moment in meiner Karriere und hat mich viel Leben gekostet." Offen hatte der vierfache Weltmeister damals über Rücktrittsgedanken gesprochen - sich aber dann doch noch nach einer langen Verletzungspause zu seinen dritten Olympischen Spielen in Rio de Janeiro gekämpft.

Nun hat Levy wieder eine Metallplatte in der Schulter - doch dieses Mal will er trotzdem gar nicht erst lange aus dem Sattel steigen. Quasi noch auf dem Operationstisch verkündet er seinen verrückten Plan: "Wenn alles optimal läuft, will ich bei den Sixdays in Berlin starten."

Wie bitte? Das Sechstagerennen, bei dem das Sprinterturnier zu den Highlights gehört, beginnt am 19. Januar, also in zehn Tagen. "Ja, bei den Sixdays", bekräftigt Levy und meint scherzhaft: "Wir Radsportler sind schließlich keine Fußballer."

Ganz klar, bei Radprofis fährt immer ein Schuss Verrücktheit mit - das wissen wir nicht erst seit dem sensationellen Comeback von Trixi Worrack. Die war nur drei Monate nach schwerem Sturz in Italien, einer dramatischen Not-Operation und dem Verlust einer Niere sensationell Deutsche Meisterin im Zeitfahren geworden. Wenig später fuhr sie in Rio sogar bei ihren vierten Olympischen Spielen.

Levy wiegelt ab: "Ich werde sicher nichts Beklopptes machen. Aber bei mir ist es dieses Mal nicht so dramatisch. Der Bruch ist recht sauber und ich wurde schnell operiert. Bei den Sixdays fahren wir ja keinen Teamsprint, die Belastungen auf den Oberkörper beim Start habe ich also nicht." Die Rennen mit fliegendem Start traut sich der Cottbuser durchaus zu - und bei den Sixdays will er unbedingt dabei sein. Levy sagt: "Berlin war der Höhepunkt, auf den ich mich die ganze Zeit vorbereitet habe. Und ich war in Topform, hatte keinerlei gesundheitliche Probleme."

Und das Sechstagerennen ist für ihn eine ganz persönliche Angelegenheit. Nur wenige hundert Meter vom Velodrom wurde Levy geboren, beim Berliner TSC hat er das Radfahren erlernt.

Viele Freunde und Bekannte trifft er jedes Jahr bei dem Spektakel. Sein Start dieses Mal wäre eine Sensation, Angst hat der Cottbuser keine. Den Trainingssturz in einem Gruppensprint stuft er als Berufsrisiko ein. "Wenn dir bei 78 Stundenkilometern der Reifen platzt, dann hast du wenig Gestaltungsspielraum", sagt Levy und vergleicht: "Das ist wie in der Formel 1. Da fliegen bei 300 km/h die Reifen weg. Wir haben halt weniger Aufprallschutz."

Im Grunde genommen haben sie gar keinen Aufprallschutz, doch unter diesen Voraussetzungen fährt der dreifache Olympiamedaillengewinner schon seit mehr als einem Jahrzehnt in der Weltspitze mit. Und deshalb hatte er beim dritten Schlüsselbeinbruch sogar die Muße, kurz nach dem Unfall erst einmal ein Selfie aus dem Waschraum bei "Facebook" zu posten. Lakonisch kommentierte er: "Eine weitere Episode von: ,Mein Leben hart an der Grenze.'" Irgendwann werden eben selbst die schlimmsten Stürze zur Routine.

Zum Thema:
Beim Berliner Sechstagerennen (19. bis 24. Januar) sind wieder einige Lausitzer am Start. Henning Bommel (RK Endspurt Cottbus/fährt mit Sebastian Schmiedel) und Nico Heßlich (RSC Cottbus/Achim Burkart) fahren im Hauptrennen mit. Zudem sind Stephanie Pohl (RSC) im Frauenrennen sowie Stefan Schäfer (RK Endspurt) und Franz Schiewer (LKT Team Brandenburg) bei den Stehern zu erleben.Aktuelle Informationen: sechstagerennen-berlin.de