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Unverhofft ins Glück: Kann Jursch seine EM-Chance nutzen?

Christopher Jursch ist nach ausgestandener Schulterverletzung guter Dinge.
Christopher Jursch ist nach ausgestandener Schulterverletzung guter Dinge. FOTO: Michael Helbig/mih1
Cottbus/Montpellier. Am Donnerstag gilt es für den Cottbuser Christopher Jursch bei der Turn-EM in Montpellier. Der 22-Jährige startet in Frankreich an vier Geräten und hat zumindest eine reelle Chance aufs Finale. Viel früher als erwartet turnt der Lausitzer wieder im Nationalteam – vielleicht ein Vorteil für Jursch. Jan Lehmann

Mit dieser Chance konnte Christopher Jursch nicht unbedingt rechnen: Zu Jahresbeginn hatte der 22-jährige Cottbuser noch als Ziel ausgegeben, nach seiner langen Zwangspause bis zu den Weltmeisterschaften Ende Oktober in Glasgow wieder zum deutschen Nationalteam zu gehören. Nun ist Jursch schon viel früher zurück im deutschen Trikot und erlebt in Montpellier (Frankreich) seine ersten Europameisterschaften. Nach seinem WM-Debüt im Herbst 2013 in Antwerpen darf der Vorturner des SC Cottbus nun auch erstmals bei den kontinentalen Meisterschaften starten. Jursch freut sich: "Das ist ein starkes Umfeld mit vielen Weltklasse-Turnern."

Seine Nominierung hat der Cottbuser ein wenig dem Verzicht der ersten deutschen Turnriege zu verdanken: Fabian Hambüchen und Andreas Toba bereiten sich auf die Europaspiele in Baku vor. Marcel Nguyen nach einem Kreuzbandriss und Andreas Bretschneider nach seinem Achillessehnenriss sind aufgrund der schweren Verletzungen noch nicht einsatzfähig.

Bundestrainer Andreas Hirsch hat deshalb um Routinier Matthias Fahrig mit Lukas Dauser, Sebastian Krimmer, Waldemar Eichorn, Philipp Herder und eben Jursch jene Athleten nominiert, die alle noch Kandidaten für das Olympiateam 2016 sind. Dafür sind aller Voraussicht nach fünf Plätze zu vergeben und zumindest Hambüchen, Nguyen und Bretschneider dürften ihr Ticket bereits sicher haben. Um die restlichen zwei Plätze kämpfen alle anderen - auch Jursch.

Montpellier könnte für ihn der nächste Schritt zu seinem großen Traum Rio de Janeiro sein. Der Vorteil des 22-Jährigen: Nach seiner komplizierten Schulter-Operation im Vorjahr startet er eigentlich ohne Druck. Schließlich kann man so früh in der Saison von ihm in Frankreich noch keine Wunderdinge erwarten. Bundestrainer Hirsch ist zwar nicht unbedingt für seine extreme Geduld bekannt und will lieber heute statt morgen den Nachweis des Cottbusers, dass Jursch ein ernsthafter Kandidat für Rio ist. Doch schon beim "39. Turnier der Meister" in Cottbus, als der Reckspezialist mit einem Fehler am Abgang das Finale am Königsgerät verpasste hatte, bremste Heimtrainer Karsten Oelsch die Erwartungen: "Es geht nur Schritt für Schritt. Christopher muss sich langsam zurückarbeiten." Deshalb gilt jetzt auch für Montpellier: Jede stabile Übung ist ein Erfolg.

Im Training sieht das schon ordentlich aus, Jursch sagt: "Ich fühle mich bereit für die EM." Der Cottbuser geht in der Qualifikation am Donnerstag an Boden, Sprung, Barren und Reck an die Geräte. Er formuliert zurückhaltend als Ziel: "Ich will meine Trainingsleistungen umsetzen und mich gut präsentieren." Dabei gilt für ihn: Wenn er am Reck seine Übung sauber durchbringt, ist er ein Kandidat fürs Finale. Und trotz Olympia im Hinterkopf geht es in Montpellier schließlich in erster Linie um EM-Medaillen. Womöglich kann Jursch seine unverhoffte Chance ja gleich richtig gut nutzen.