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| 13:35 Uhr

Unglaubliche Laufleistungen
Die Kilometerfresser aus Elbe-Elster

 Beste Lauffreunde vom Start bis zum Ziel beim 6. Ludwig-Leichhardt-Trail-Ultralauf von Trebatsch nach Cottbus über 55 Kilometer im Februar 2019. Der Ausdauersportler Peter Oßendorf (r.) aus Merzdorf (Schradenland) sowie aus Elsterwerda die Ultra-Beginner David Döring (l.) und René Kretzschmar. Nach 6:31 Stunden hatten sie es geschafft.
Beste Lauffreunde vom Start bis zum Ziel beim 6. Ludwig-Leichhardt-Trail-Ultralauf von Trebatsch nach Cottbus über 55 Kilometer im Februar 2019. Der Ausdauersportler Peter Oßendorf (r.) aus Merzdorf (Schradenland) sowie aus Elsterwerda die Ultra-Beginner David Döring (l.) und René Kretzschmar. Nach 6:31 Stunden hatten sie es geschafft. FOTO: Privat
Schradenland. Wenn andere nach dem Marathon aufhören, machen sie einfach weiter – die Ultraläufer. Wie sie das schaffen, ist kein Geheimnis. Einer von ihnen will das ehemalige Westberlin umrunden. Von Manfred Feller

Sie sind positiv verrückt, durchgeknallt und gnadenlos zu sich selbst – die Ultraläufer. Was sie vollbringen, ist kaum vorstellbar und eigentlich unmöglich. Dutzende von ihnen gibt es allein im Süden von Brandenburg und im benachbarten Nordostsachsen, weit mehr als 1000 sollen es deutschlandweit sein. Man kennt sich, aber nicht alle sind organisiert. Wer trainiert schon freiwillig mit Extremsportlern?

Der Ultra-Spezialist Peter Oßendorf aus Merzdorf in Elbe-Elster hat mit David Döring und René Kretzschmar, beide aus Elsterwerda, zwei gleichgesinnte Jüngere gefunden. Der Ludwig-Leichhardt-Lauf im Februar über 55 Kilometer war die erste gemeinsame Schinderei der drei Sportler vom Sun-Sport-Team Elsterwerda auf dem bekannten Lausitzer Radwanderweg mit dem schwarzen Känguru als Symbol.

160 Kilometer Berliner Mauerweg

Der 46-jährige Peter Oßendorf, der seit dem 30. Lebensjahr ambitioniert läuft, möchte Mitte August noch eins draufsetzen. Er hat sich für den Mauerweglauf um das ehemalige Westberlin qualifiziert. Mit Hunderten anderen Läufern aus aller Welt begibt er sich auf die 100 Meilen beziehungsweise mehr als 160 Kilometer auf den Spuren deutscher Geschichte. „Dafür trainiere ich jedes Wochenende insgesamt etwa 80 Kilometer. Doch eine Woche vor dem Start ist Ruhe angesagt“, blickt der Montage-Elektriker voraus.

Zwischen Freitag nach Feierabend und Sonntag werden mit dem Laufen, Radfahren und Schwimmen schon mal in der Summe 19 000 Kilokalorien verbrannt. „Ich esse von Gemüse bis Fleisch alles, aber nicht übermäßig. Dazu viel Magnesium“, sagt er. Zwischendurch und unterwegs gibt es leckeren Babybrei, Bananen, Joghurt, Salzstangen, auch Schokolade und anderes Süßes, das Energie liefert. Also nichts Besonderes.

 Peter Oßendorf beim Mt.-Everest- Treppenmarathon 2018 auf der Spitzhaustreppe in Radebeul-Oberlößnitz. Nächster Termin: 13. April 2019.
Peter Oßendorf beim Mt.-Everest- Treppenmarathon 2018 auf der Spitzhaustreppe in Radebeul-Oberlößnitz. Nächster Termin: 13. April 2019. FOTO: Privat

Laufen aus Spaß

Während Marathonläufer im Jahr drei bis vier Rennen auf Zeit absolvieren, will der Extremathlet allein 2019 acht Läufe ab 50 Kilometer aufwärts ins Ziel bringen. Hier und da gibt es ein Zeitlimit. Ansonsten darf je nach Kondition gelaufen, gegangen sowie zum Essen und Trinken pausiert werden. „Wir laufen aus Spaß, um anzukommen und nicht, um uns kaputt zu machen“, lautet das für „normale“ Freizeitsportler dennoch nur schwer zu verstehende Motto. Trotz des intensiven Trainings plage am Folgetag natürlich der Muskelkater. Doch je nach Streckenlänge habe sich der Körper nach einer Woche wieder erholt.

 Erschöpft nach dem Lebuser-Land- Ultra-Lauf 2018. Peter Oßendorf hat die 84 Kilometer in neun Stunden und 49 Minuten absolviert.
Erschöpft nach dem Lebuser-Land- Ultra-Lauf 2018. Peter Oßendorf hat die 84 Kilometer in neun Stunden und 49 Minuten absolviert. FOTO: Privat

Peter Oßendorf (1,83 m, 81 kg) und seine Laufkollegen sehen gar nicht wie schmächtige Ausdauerläufer aus. Im Gegenteil! Dabei kommt es beim Ausdauersport doch eigentlich auf jedes Kilogramm an. „Wir laufen kleine, überlegte Schritte bei geringem Tempo. Das ist gelenkschonend“, verrät der Extremathlet, der seit dem sechsten Lebensjahr Sport treibt. Der Laufstil mache den Unterschied, heißt es weiter. Sowie auch sehr gute Laufschuhe. Acht verschiedene stehen zu Hause. Drei pro Jahr verschleißen. „Ich bin kerngesund, habe keine Knieschäden, Hüfte und Bandscheiben sind in Ordnung“, sagt er nach dem letzten medizinischen Check. Sportler, die mit großen, die Gelenke stauchenden Schritten auf Tempo laufen, hätten eher Probleme.

Ruhe vor dem Wettkampf

Ganz wichtig nach einer Beanspruchung sind für Peter Oßendorf zwei bis drei Tage sportliche Ruhe sowie vor allem für Beine und Oberkörper Dehnübungen und Faszienrollen. Aber auch eine Familie, die voll hinter dem Extremsport steht.

Mit dem notwendigen Willen und der Ausdauer könne jeder etwas für seinen Körper tun. „Das Gewicht ist zweitrangig“, sagt Peter Oßendorf, der von Diäten nichts hält. Für Kinder und Jugendliche sollte Vereinssport generell kostenfrei sein.

Der Merzdorfer hat mit seinen Lauffreunden schon die nächsten Ultradistanzen im Blick, wie den Mount-Everest-Treppenmarathon von Radebeul mit fast 40 000 zu bewältigenden Stufen. Das Elbe-Elster-Trio teilt sich diese Strapazen.

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