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Über Cottbus zu Olympia in Tokio

Roger Kluge (l.) fährt für das Profiteam Orica-Scott, kennt sich aber auch bei den Bahnwettbewerben bestens aus.
Roger Kluge (l.) fährt für das Profiteam Orica-Scott, kennt sich aber auch bei den Bahnwettbewerben bestens aus. FOTO: Roth/rrt
Cottbus. Der kurzfristige Plan lautet: Bei den International Cycling Days an diesem Freitag und Samstag in Cottbus peilt Lokalmatador Roger Kluge mit seinem Partner Theo Reinhardt aus Berlin einen Platz auf dem Podest an. Langfristig hat das Duo jedoch schon die Olympischen Spiele 2020 in Tokio im Visier. Frank Noack

Dort will Kluge nach der Silbermedaille im Punktefahren im Jahr 2008 nun gemeinsam mit Reinhardt im Zweiermannschaftsfahren erneut nach Edelmetall greifen. Bis dahin ist es zwar noch ein weiter Weg, trotzdem hat der 31-jährige Radprofi dieses Fernziel im Hinterkopf. "Ich hoffe, das Rennen in Cottbus kann der Auftakt für eine möglichst erfolgreiche Olympiaphase werden", erklärt Kluge.

Geplant ist, dass er diesen Weg bis 2020 gemeinsam mit Theo Reinhard absolviert. Die Zusammensetzung dieses Duos auch für die an diesem Freitag um 19 Uhr startenden International Cycling Days bei seinem Heimatverein RK Endspurt Cottbus war deshalb ein ausdrücklicher Wunsch von Kluge, den ihm Geschäftsführer und Cheforganisator Eberhard Pöschke natürlich gern erfüllte. Denn Kluge und Reinhardt sind zwar nicht die Topfavoriten auf den Gesamtsieg bei der Nachfolgeveranstaltung der Cottbuser Nächte, die ebenfalls der RK Endspurt im Jahr 2012 aus der Taufe gehoben hatte. Zum Kreis der Herausforderer gehören Kluge/Reinhardt aber allemal. "Es wäre natürlich schön, wenn wir hier vor dem heimischen Publikum auf das Podest fahren könnten", betont Roger Kluge.

Die Nummer 1 auf dem Rücken hatte Pöschke eigentlich an den dreimaligen Madison-Weltmeister Morgan Kneisky und dessen französischen Landsmann Benjamin Thomas vergeben. Doch dieses Topfavoriten-Duo musste seinen Start in der Lausitz absagen, weil Kneisky verletzt ist und Thomas bei der derzeit in Dänemark laufenden Straßen-Europameisterschaft für Frankreich im Einsatz ist. Doch auch so ist die Konkurrenz groß. Leif Lampater und Andreas Müller (Österreich) sind die dienstältesten Sechstagefahrer. Beide haben über 90 Sixdays-Starts absolviert. Im vergangenen Winter konnten sich Marcel Kalz, Christian Grasmann, Jouri Havik (Niederlande) und eben Roger Kluge in die Siegerlisten bei den verschiedenen Sechstagerennen eintragen. Kluge gewann gemeinsam mit Grasmann in Rotterdam.

Allerdings wird der Lokalmatador die International Cycling Days ohne eine gezielte Vorbereitung auf der Bahn bestreiten, denn am vergangenen Sonntag war Kluge noch für sein Team Orica-Scott beim Pro-Tour-Rennen in London am Start. Sein Vertrag bei der australischen Profimannschaft läuft noch einschließlich der Saison 2018. Und mit Orica-Scott ist abgestimmt, dass der gebürtige Eisenhüttenstädter neben den natürlich im Vordergrund stehenden Einsätzen auf der Straße auch seiner zweiten großen Leidenschaft nachgehen kann: den Bahnrennen.

Denn auch unter dem Dach warten interessante Ziele auf Roger Kluge. Zum Beispiel die Europameisterschaft im Oktober in Berlin, wo er gern mit Reinhardt im Zweiermannschaftsfahren antreten will. Auch die Weltmeisterschaft vom 28. Februar bis 4. März 2018 in Apeldoorn könnte eine wichtige Zwischenstation auf dem Weg zu den Olympischen Spielen in drei Jahren werden.

Bei den International Cycling Days geht der Lokalmatador ganz besonders motiviert an den Start, weil Roger Kluge hier seine sportlichen Wurzeln hat. In Cottbus hat er die Lausitzer Sportschule absolviert und wurde beim RK Endspurt ausgebildet. Seine Kampfansage an die Konkurrenz: "Theo und ich kommen zwar direkt von der Straße nach Cottbus. Aber wir haben genug Erfahrung, um diesen Wechsel relativ schnell hinzubekommen. Wir benötigen keine lange Eingewöhnungszeit, zumal wir ja in Cottbus auf einer Betonbahn fahren. Das ist ja fast wie auf der Straße."