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| 15:35 Uhr

Motorsport
Turbulenzen um das DTM-Rennen am Lausitzring

Das Deutsche Tourenwagen Masters (DTM) gehört zu den jährlichen Höhepunkten am Lausitzring. Foto: dpa
Das Deutsche Tourenwagen Masters (DTM) gehört zu den jährlichen Höhepunkten am Lausitzring. Foto: dpa FOTO: Bernd Settnik
Klettwitz. Um das geplante DTM-Rennen auf dem Lausitzring gibt es Turbulenzen. Der ADAC Berlin-Brandenburg kann keine Unterstützung geben - es fehlt ein sportlicher Ausrichter. Das Problem ist eine Konkurrenzveranstaltung der Formel E zeitgleich in Berlin. Muss das DTM-Gastspiel in der Lausitz verschoben werden? Von Jan Lehmann

Diese Nachricht hatte die Motorsport-Fans in der Lausitz gefreut: Das Deutsche Tourenwagen Masters (DTM) stattet dem Lausitzring auch im Jahr 2018 seinen traditionellen Besuch ab. Das Rennen steht für das Pfingstwochenende am 19. und 20. Mai im DTM-Rennkalender. So weit, so gut – doch jetzt gibt es Turbulenzen um dieses Wochenende. Der ADAC Berlin-Brandenburg kann die sportliche Leitung des Rennens nicht übernehmen. Horst Seidel, Sportlicher Leiter beim regionalen ADAC-Verein, bestätigte gegenüber der RUNDSCHAU einen Bericht der „Berliner Morgenpost“ und erklärte: „Wir haben dem DTM-Ausrichter ITR frühzeitig Bescheid gegeben, dass wir an diesem Wochenende nicht zur Verfügung stehen.“

Das Problem ist: An eben diesem Pfingstwochenende fährt auch die Formel E in Berlin – und dort ist der ADAC Berlin-Brandenburg vertraglich als sportlicher Ausrichter gebunden. Seidel erklärt: „Zwei dieser Veranstaltungen können wir nicht gleichzeitig stemmen.“ Etwa 80 Personen seien für die Ausrichtung eines solchen Rennens im Einsatz, 120 weitere würden für die Streckensicherung gebraucht. Seidel betont: „Und diese Mitarbeiter müssen alle geschult und lizenziert sein.“

Was bedeutet das für das DTM-Rennen am Lausitzring – muss es gar verschoben werden? ITR-Sprecher Guido Stalmann sagt ganz klar: „Nein!“ Für ihn ist der „Morgenpost“-Bericht „eher heiße Luft um nix“. Stalmann bestätigt die Absage des ADAC Berlin-Brandenburg und betont: „Es gibt genügend andere sportliche Ausrichter. Schließlich veranstalten wir zehn DTM-Rennen im Jahr, mit verschiedenen Ausrichtern.“ Laut Stalmann ist die ITR aktuell „in finalen Gesprächen mit drei potenziellen Ausrichtern“. Und der ITR-Sprecher lässt durchblicken, dass durchaus ein anderer regionaler ADAC-Club einspringen könne.

Im Mai 2017 feierte der Österreicher Lucas Auer seinen zweiten Saisonsieg. Foto: DTM
Im Mai 2017 feierte der Österreicher Lucas Auer seinen zweiten Saisonsieg. Foto: DTM FOTO: DTM

Für Horst Seidel vom ADAC Berlin-Brandenburg wäre das kein Problem. Er betont erneut, dass der regionale Automobilclub weiter an der Motorsport-Zukunft am Lausitzring interessiert sei. Problematischer sieht er hingegen die Überschneidung der beiden Rennsportveranstaltungen. Er sagt: „Das tut beiden Rennen sicher nicht gut, weil sie sich in einer Entfernung von 120 Kilometern gegenseitig Konkurrenz machen – sei es bei den Zuschauern oder bei der medialen Aufmerksamkeit.“ Der Leiter der Sportabteilung beim ADAC Berlin-Brandenburg lässt durchblicken, dass innerhalb der Motorsport-Branche sich der Wind in Richtung Formel E drehe. Die Rennserie für Formelwagen mit Elektromotor, die auf Initiative des ehemaligen Ferrari-Teamchefs Jean Todt ins Leben gerufen wurde, fährt seit der Premierensaison 2015 in Berlin. Im vergangenen Jahr kamen 24 000 Zuschauer auf den stillgelegten Flughafen Tempelhof.

Zum Vergleich: Beim Motorsport-Festival am Lausitzring, bei dem die DTM mit dem ADAC GT Masters in Klettwitz fuhr, waren am Wochenende insgesamt 67500 Zuschauer an der Strecke. Beim DTM-Ausrichter ITR sieht man da keinen Konflikt. Sprecher Guido Stalmann erklärt: „Die DTM und die Formel E bedienen völlig unterschiedliche Zuschauergruppen. Zu uns kommen die traditionellen Race-Fans, die Formel E spricht gezielt ein ganz anderes Klientel an.“

Im vergangenen Jahr fand das Formel-E-Rennen in Berlin auf dem Tempelhofer Feld statt. Foto: dpa
Im vergangenen Jahr fand das Formel-E-Rennen in Berlin auf dem Tempelhofer Feld statt. Foto: dpa FOTO: Rainer Jensen

Dass zumindest die mediale Aufmerksamkeit wohl geteilt werden müsste, rechnet Stalmann mit ein: Die DTM wird in dieser Saison erstmals von Sat.1 übertragen – die ARD denkt derweil darüber nach, Formel-E-Rennen ins Programm aufzunehmen.

Darüber ist man sich bei der ITR im Klaren, Stalmann befürchtet eher eine andere Konkurrenz: „Am 19. Mai findet das DFB-Pokalfinale in Berlin statt, das bereitet uns mehr Sorgen als das Formel-E-Rennen, weil der Fußball viel Aufmerksamkeit zieht.“

Auch in der Lausitz muss das DTM-Rennen sich gegen etliche hochwertige Veranstaltungen durchsetzen. In Forst fahren die Steher beim traditionellen Pfingstpreis, in Sielow gibt es das hochklassiger Reit- und Springturnier und gleich neben dem Laustzring, auf dem Testoval der Dekra, soll am Pfingstsonntag der 10. Lausitz-Marathon der Skater ausgetragen werden. Mächtig viel los in der Lausitz – das könnte durchaus turbulent werden.