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| 02:38 Uhr

Trotz Weltcup-Absage will Oberhof unbedingt die WM

Hier sollte am Wochenende eigentlich ein Biathlon-Weltcup stattfinden. Wegen Schneemangels wird er in Ruhpolding ausgetragen.
Hier sollte am Wochenende eigentlich ein Biathlon-Weltcup stattfinden. Wegen Schneemangels wird er in Ruhpolding ausgetragen. FOTO: dpa
Oberhof. In der Weltcup-Absage sieht der Thüringer Ski-Präsident Gerd Siegmund keinen Rückschlag für die Oberhofer WM-Bewerbung. Im Gegenteil: Die Situation habe ganz deutlich den noch bestehenden Nachholbedarf am Rennsteig aufgedeckt. Uwe Jentzsch

Die Absage des Oberhofer Biathlon-Weltcups soll keinen nachhaltigen Schaden hinterlassen. Die Thüringer Wintersport- Metropole bemüht sich eher noch intensiver um die Weltmeisterschaften der Skijäger 2020 oder 2021. "Wir bewerben uns beim Kongress der Internationalen Biathlon-Union kommenden September in Moldawien um die Titelkämpfe", bekräftigte trotz des witterungsbedingten Ausfalls Gerd Siegmund, der Präsident des Thüringer Skiverbandes.

"Die WM in Oberhof wollen nicht nur wir, sondern auch der Deutsche Skiverband und die Landesregierung", sagte Siegmund. Der fehlende Schnee habe ganz deutlich die Oberhofer Defizite aufgedeckt. Die für die WM 2004 rekonstruierte Arena am Grenzadler erfüllt längst nicht mehr die heutigen Anforderungen. Notwendig sind ein modernes Beschneiungskonzept mit einem Depot zum Übersommern von bis zu 15 000 Kubikmeter Schnee als Kernstück, Veränderungen des Loipen-Netzes und der unterirdischen Laufwege im Stadion, die Vergrößerung des Hauptgebäudes und der Stellplätze für Material und Medien-Technik sowie veränderte Zufahrten und Transportwege für Besucher und Versorger.

Ein künstlicher Wasserteich für die Beschneiung wurde schon angelegt, das Schneedepot ist fertig, neue Plätze für die Wachs trucks und TV-Technik sind geschaffen. Schritt für Schritt sollen die Anforderungen einer bereits 2014 erstellten Machbarkeitsstudie umgesetzt werden. Eine interministerielle Arbeitsgruppe begleitet die Bewerbung.

Im Entwurf der Thüringer Landesregierung für den Doppelhaushalt 2016/17 sind insgesamt zehn Millionen Euro für die einst nicht im Koalitionsvertrag der rot-rot-grünen Regierung verankerte WM eingestellt. Weitere Millionen müssen in den Jahren danach folgen. Die Studie war von einem Aufwand von fast 28 Millionen Euro netto ausgegangen, allein rund 17 Millionen Euro für die sportfachlich notwendige Umgestaltung. "Das wird eine große Herausforderung. Ich bin mir aber sicher, dass es sich um eine lohnende Investition für die Region am Rennsteig und für den ganzen Freistaat handelt. Es bleibt mein Ziel, die Biathlon-WM 2020/21 nach Oberhof zu holen", erklärte die für den Sport zuständige Bildungsministerin Birgit Klaubert (Die Linke).

Auch sie weiß, welchen wirtschaftlichen Effekt schon der jährliche Weltcup für die Region hat. Durch ihn fließen jährlich mehr als eine Millionen Euro Mehrwertsteuer in die Staatskasse. Tourismus, Gastgewerbe, Handwerk und andere Versorger erzielen pro Biathlon-Weltcup bis zu 20 Millionen Euro Umsatz. Eine WM bringt neben dem sportlichen Image und größere Chancen, bis weit in die 2020er-Jahre Weltcups in Oberhof ausrichten zu können, noch mehr Einnahmen.

Kampagne mit Kati Wilhelm

"Eigentlich wollten wir den ausgefallenen Weltcup im Januar als Schaufenster für die WM-Bewerbung und Auftakt einer Werbekampagne nutzen. Dabei werden auch einstige Thüringer Biathlon-Asse wie die jetzigen TV-Experten Kathi Wilhelm und Sven Fischer mitwirken. Nun suchen wir in diesem Winter einen anderen öffentlichkeitsträchtigen Anlass für den Start der Kampagne", sagte Siegmund.

Bei aller Euphorie weiß aber auch er: Eine erste Bewerbung hat selten Erfolg. Wenn's für 2020 oder 2021 nicht klappt, muss Oberhof einen längeren Atem beweisen und mit dem komplett erneuerten Stadion für die Jahre nach den Olympischen Winterspielen 2022 erneut seinen Hut in den Ring werfen.