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Traurige Bayern nach Blackout-Nacht

Dante (l.) war einer von drei erfahrenen Bayern-Profis, die mit schlimmen Fehlern die Gegentore der Portugiesen ermöglichten.
Dante (l.) war einer von drei erfahrenen Bayern-Profis, die mit schlimmen Fehlern die Gegentore der Portugiesen ermöglichten. FOTO: dpa
Porto. Bayern-Chef Rummenigge nimmt nach der Blackout-Nacht in Porto die "großartige Mannschaft" und den "großartigen Trainer" in Schutz. An Aufgabe denkt keiner. Ein Fußball-Wunder wäre ein Weiterkommen für Thomas Müller nicht – historisch wär's schon. Klaus Bergmann

Karl-Heinz Rummenigge sah keinen Anlass für eine Brandrede. Der Vorstandsboss blickte beim Bankett des FC Bayern im Teamhotel in "traurige Gesichter" und trat demonstrativ als Anwalt eines platt wirkenden Rumpfkaders auf. Absurde Aussetzer einzelner Akteure waren von einem euphorisierten FC Porto bei der 1:3 (1:2)-Abfuhr im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League gnadenlos bestraft worden. "Ich bin nicht bereit, die Mannschaft zu kritisieren", sprach Rummenigge in sein Mikrofon.

"Wir tun gut daran, uns jetzt zu sammeln", plädierte der Boss mit Blick auf den schwierigen, aber nicht aussichtslosen Rettungseinsatz im Rückspiel am Dienstag in München. Er habe "großes Vertrauen zu dieser großartigen Mannschaft". Und auch zu Pep Guardiola, "diesem großartigen Trainer", der Rummenigges Worten mit versteinerter Miene lauschte. Später nippte der Katalane freudlos an seinem Rotwein. Ein Jahr nach dem krachenden K.o. gegen Real Madrid droht Guardiola als Trainer in der Königsklasse erstmals vor dem Halbfinale auszuscheiden. "Auf diesem Niveau musst du in der Champions League fast perfekt sein", klagte er.

"Wir dürfen nicht die Nerven verlieren", mahnte Sportvorstand Matthias Sammer. Erfahrene Profis wie Champions-League-Sieger Xabi Alonso, Dante und auch Weltmeister Jérôme Boateng ermöglichten mit grotesken Fehlern die Gegentore der superstarken Porto-Angreifer Ricardo Quaresma (3./10. Minute) und Jackson Martinez (65.). "Schade, dass alle drei Fehler an einem Tag passieren", haderte Boateng.

Rummenigges Milde begründete sich auch in der Verletztenmisere. Die Spieler der aktuellen Rumpftruppe hätten schon jüngst beim 1:0 in Dortmund und beim Einzug ins Pokal-Halbfinale in Leverkusen nach Verlängerung und Elfmeterschießen "gefightet wie die Verrückten", erinnerte der Boss. Irgendwann komme dann eben der Tag, "wo du ein bisschen kaputt bist, wo du müde bist, wo die Beine schwer sind und dann auch im Kopf die Konzentration ein bisschen fehlt".

Fast alle Spieler schlichen nach dem Zuspruch des Chefs noch vor Mitternacht aus dem Bankettsaal. An Aufgabe denkt niemand. "Wir sind ja immer noch der FC Bayern, zu Hause eine starke Mannschaft", erklärte Thomas Müller. Schon in der Kabine habe man gesagt, "wir hauen am Dienstag alles raus. Es wäre kein Fußball-Wunder, wenn wir zu Hause 2:0 gewinnen sollten", verkündete er trotzig.

"Wir liegen mit der Nase ein bisschen am Boden", sagte Sammer, der die Geschehnisse weder begreifen noch erklären konnte: "Man denkt, man hat im Fußball schon alles erlebt, aber es gibt immer wieder Neues." Ausreden gab's nicht. "Wir haben es einfach verbockt", erklärte Manuel Neuer, der sich auch anstecken ließ in der allgemeinen Verunsicherung um ihn herum. Der Torhüter hatte noch Glück, dass er für sein Foul beim frühen Elfmeter zum 0:1 nicht zusätzlich die Rote Karte sah.

Zum Thema:
Der langjährige Bayern-Mannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt (72) und sein Stab legen ihre Tätigkeit für die Bayern mit sofortiger Wirkung nieder. Dies teilte Müller-Wohlfahrt in einer Erklärung am Donnerstag mit. "Nach dem Champions-League-Spiel des FC Bayern München gegen den FC Porto wurde aus uns unerklärlichen Gründen die medizinische Abteilung für die Niederlage hauptverantwortlich gemacht", heißt es darin. Man sehe dadurch das für eine erfolgreiche medizinische Arbeit notwendige Vertrauensverhältnis nachhaltig beschädigt.