| 02:40 Uhr

Trainieren wie die Fußball-Profis

Torwarttrainer Thomas Köhler demonstriert den Teilnehmern am jüngsten Sommercamp in Forst eine Übung.
Torwarttrainer Thomas Köhler demonstriert den Teilnehmern am jüngsten Sommercamp in Forst eine Übung. FOTO: Sven Hering
Forst. Ein wenig spielte der Zufall den Organisatoren in die Karten. Das zweite Sommercamp der Torwartschule Dresden beim TV 1861 Forst endete vor wenigen Tagen mit einer dicken Überraschung. Sven Hering

Nach der Videoanalyse der Vormittags-Trainingseinheit kamen die Kinder aus dem benachbarten Feriendorf mit zwei Fußballmannschaften zum Freundschaftsspiel gegen die Nachwuchstorhüter. Eine willkommene Abwechslung. Und die Zuschauerplätze waren prominent besetzt. Energie-Coach Pelé Wollitz schaute sich das Spiel an, Seite an Seite mit Ministerpräsident Dietmar Woidke. Sie waren auf Einladung des Vereins zur Einweihung der neuen Bewässerungsanlage auf dem Hammer-Groeschke-Platz gekommen. Und nutzten nach dem offiziellen Teil die Gelegenheit zu einem Abstecher zu den Nachwuchskickern.

Die Torhüter gewannen übrigens beide Begegnungen. Ein Beleg dafür, was die Profis seit einigen Jahren mitunter eindrucksvoll demonstrieren: Ein guter Torhüter sollte auch ganz ordentlich mit dem Ball umgehen können.

Trotzdem kämpfen die Keeper gerade außerhalb der Fußball-Leistungszentren mit einem Problem. "In den Vereinen gibt es kaum ein spezielles Torwarttraining", betont Gabi Sieber. Die Forsterin will das ändern. Sie betreut ihren elfjährigen Enkel, der ein begeisterter Fußballer ist - und natürlich im Tor steht.

Anfang Mai startete auf dem Sportplatz des TV1861 Forst ein spezielles Angebot für Nachwuchstorhüter. "Die Absprachen mit dem Verein liefen ganz unkompliziert", erzählt Gabi Sieber. Die Bedingungen auf der Sportanlage seien optimal. Als Partner wurde die Torwartschule Dresden gewonnen. Die wird von einem prominenten Ex-Keeper betrieben: Thomas Köhler. Der stand bis 2001 beim damaligen Erstligisten Energie Cottbus im Kasten und ist jetzt hauptberuflicher Torwarttrainer. Er betreute Schlussmänner wie Tomislav Piplica, Martin Männel oder Benjamin Kirsten. Gemeinsam mit seinem Mitstreiter Enrico Kuntke kümmert sich Köhler jetzt auch um den Forster Trainingsstützpunkt. Die Torwart-Ausbildung in den großen Leistungszentren sei sehr gut, erzählt Köhler. Doch gerade die kleineren Vereine könnten in der Regel kein spezielles Training nur für die Schlussmänner anbieten. "Da besteht das Torwarttraining oft darin, dass die Spieler einfach aufs Tor schießen", so Köhler. "Unser Ziel ist es, die jungen Keeper den entscheidenden Kick besser zu machen", ergänzt Köhler. Trainieren wie die Profis sei nicht nur ein Slogan, sondern auch die Philosophie der Torwartschule Dresden. "Unser Ziel ist es, jeden einzelnen unserer Torwartschüler besser zu machen und das mit den neusten Methoden, die auch bei den Profis der höchsten Spielklassen verwendet werden", so Köhler.

So wird mit moderner Technik gearbeitet. Auf Video werden die Übungen aufgezeichnet, um später Reaktionsvermögen und Paraden analysieren zu können.

Bei den Kindern kommt diese Art des Trainings jedenfalls sehr gut an. Gregor Bennicke (9), der beim Kahrener SV spielt, und am jüngsten Sommercamp mitgemacht hat, betont: "Mir macht das Training hier unheimlich viel Spaß". Andreas Chmell (11) vom BSV Cottbus Ost sagt: "Das Training hier bringt mir unheimlich viel, weil wir Dinge machen, die speziell auf den Torwart zugeschnitten sind." Und Leon Lukas (10) vom VfB Cottbus zeigt sich ebenfalls begeistert: "Mir gefällt es hier sehr gut, die Übungen sind schön abwechslungsreich."

Und trotzdem gibt es laut Gabi Sieber von einigen Vereinen Vorbehalte, ihre Kinder zur Zusatzausbildung zu schicken. "Dabei profitieren sie doch ebenfalls davon", sagt die Forsterin.

Allerdings: Ein wenig Aufwand steckt schon dahinter, schließlich müssen die Eltern ihre Kinder einmal in der Woche nach Forst bringen und nach den 75 Minuten Spezialtraining auch wieder abholen. Und zum Nulltarif ist das Angebot ebenfalls nicht zu haben. 20 Euro kostet die Trainingseinheit. Hinzu kommt eine Fahrtkostenpauschale. Wer Interesse hat, kann erst einmal an einem kostenlosen Schnuppertraining teilnehmen. Und danach entscheiden, ob er die Zusatzeinheiten in Anspruch nehmen möchte.

Vor allem aus Cottbus, Leuthen oder Döbern kommen laut Gabi Sieber derzeit die Kinder. Enttäuscht ist sie über die Resonanz aus der eigenen Stadt. "Aus Forst", so sagt sie, "haben wir derzeit leider nur einen."