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| 01:06 Uhr

„Trainerwechsel bei Energie zu spät“

Ein zufrieden stellendes Jahr liegt nach Ansicht von Siegfried Kirschen hinter dem Fußball-Landesverband Brandenburg. Neben Erfolgen im Frauenfußball, Nachwuchsbereich und in der ehrenamtlichen Arbeit gibt es aber auch Sorgen beim Präsidenten. Welche das sind, sagte Kirschen im RUNDSCHAU-Interview. Foto: Archiv


Siegfried Kirschen, ein ereignisreiches Jahr 2004 ist vorüber. Schaut man sich die Bilanz der Spitzenvereine des Landes an, dann zeigt diese Höhen und Tiefen. Wie bewerten Sie im Einzelnen dieses Abschneiden„
In der Tat sind in den Ergebnissen unserer Spitzenmannschaften Unterschiede zu verzeichnen. Äußerst positiv fällt auf, wie sich die Frauen von Turbine Potsdam präsentieren. Hinter der Mannschaft liegt das erfolgreichste Jahr mit dem Gewinn des Hallencups, des DFB-Pokals und der Deutschen Meisterschaft. Sechs Spielerinnen waren am Gewinn der Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen in Athen beteiligt. Nicht zu vergessen der erneute Deutsche Meistertitel der B-Juniorinnen und die Mitwirkung von vier Spielerinnen an der U 19-Weltmeisterschaft. Diese stolze Bilanz ist das Resultat einer engagierten Arbeit im Verbundsystem Schule - Verein - Verband. Etwas anders sieht die Lage in Cottbus aus. Zum einen können wir zufrieden sein, dass die Arbeit im Nachwuchs Früchte trägt, wie mit dem Aufstieg der A-Junioren in die Bundesliga oder der Deutschen Vizemeisterschaft der B-Junioren. Andererseits bangen wir alle darum, dass die Lizenzmannschaft die Klasse hält.

Wobei der neue Cheftrainer Petrik Sander etwas mehr auf die Jugend zu setzen scheint . . .
Letztlich wird auch er an den Ergebnissen gemessen werden, aber es ist nur zu begrüßen, dass er jetzt einige Talente heranzieht. Auf jeden Fall scheint hier ein Umdenken im Vergleich zu seinem Vorgänger Eduard Geyer eingesetzt zu haben, der ohne Frage hohe Verdienste um den Verein hat, vielleicht aber zu wenig Vertrauen und Ausdauer zum eigenen Nachwuchs hatte. Prinzipiell glaube ich, dass der Trainerwechsel richtig und notwendig war. Zu spät, um das eigene Ziel Aufstieg in die 1. Bundesliga zu erreichen, hoffentlich nicht zu spät, was den Klassenerhalt betrifft.

Und wie beurteilen Sie die Lage der Brandenburgischen Vereine in der Oberliga“
Mein Eindruck ist, dass wir Vereine in der Oberliga vertreten haben, die sich hier dank ihrer soliden Arbeit auch auf längere Sicht etablieren können. Andererseits wird die Struktur dieser Liga im Bereich des NOFV weiter in der Diskussion sein. Zwei Staffeln werden auf Dauer keinen Bestand haben. Sich darauf rechtzeitig einzustellen, wird kein Fehler sein.

Wie fällt Ihre Zwischenbilanz auf halber Wegstrecke bis zum 5. Verbandstag 2006 aus„
Der Verbandsbeirat hat auf seiner Tagung einmütig festgestellt, dass wir eine positive Halbzeit-Bilanz ziehen können. Alle eingesetzten Arbeitsausschüsse haben bislang eine gute Arbeit geleistet. Hervorragend ist das Abschneiden unserer Vereine in der WM-Kampagne "Klub 2006 - Die Fifa WM im Verein". Mehr als 200 Vereine haben sich dafür bereits angemeldet, das ist mit über 25 Prozent aller Vereine der Spitzenwert in Deutschland. Dass unsere Vereine aber auch schon fleißig gepunktet haben, sieht man daran, dass fünf von insgesamt 50 Vereinen bereits in der ersten Prämierungsphase durch den DFB geehrt wurden. Was das DFBnet betrifft, haben wir eine 100-prozentige Flächendeckung im Land erreicht. Nun kommt es darauf an, die pünktliche Ergebnismeldung sicherzustellen, die Voraussetzung für eine weitergehende Vermarktung durch den DFB ist. Dafür möchte ich verstärkt die Vereine gewinnen. Die Zukunft dieser modernen Technologie wird uns weitere Perspektiven bieten und zur Erleichterung der ehrenamtlichen Arbeit beitragen, so durch die Integration des Passwesens sowie der Verbands- und Vereinsverwaltung.

Das Thema Ehrenamt war auch ein Schwerpunktbeschluss des Verbandstages . . .
So ist es, und auch hier sind wir auf einem guten Weg. Neben der Würdigung ehrenamtlicher Leistungen durch den DFB, unseren Verband und die Kreise kommt es zunehmend darauf an, neue ehrenamtliche Mitarbeiter für die Vereine zu gewinnen. Das Projekt der Vereinsehrenamtsbeauftragten weist hier einen guten Zwischenstand auf, denn in über 200 Vereinen wurde bereits eine solche Funktion installiert. Bedeutsam sind auch die Aktivitäten im Fairplay. Hier konnten wir im abgelaufenen Jahr bereits zum zweiten Mal die fairste Mannschaft des Landes, den Ludwigsfelder FC, in würdiger Form ehren und allen Fairplay-Staffelsiegern Schecks überreichen. Für die DFB-Aktion "Fair ist mehr" haben wir wiederum Beiträge eingereicht. Unter dem Begriff der gesellschaftspolitischen Aktivitäten werden wir uns verstärkt auch der Gewaltprävention widmen.

Mit der 7. Uefa-Junioren-Konferenz in Potsdam und dem U 21-EM-Qualifikationsspiel Deutschland gegen Polen in Cottbus fanden in Brandenburg im Jahr 2004 zwei internationale Höhepunkte statt. Haben Sie eine positive Resonanz seitens der Veranstalter vernommen“
Durchaus. Die Uefa-Konferenz hat neue Impulse für den Jugendfußball vermittelt, und natürlich war es für die Talente unseres Verbandsleistungszentrums ein besonderes Erlebnis, mit DFB-Trainer Michael Skibbe eine Trainingseinheit vor allen Teilnehmern zu absolvieren. Was das Länderspiel in Cottbus betrifft, war ich rundum zufrieden. Wir hatten eine prima Atmosphäre und haben damit die Voraussetzung geschaffen, auch künftig bei Repräsentationsspielen des DFB berücksichtigt zu werden, wobei ich damit den gesamten Bereich unseres Landesverbandes einbeziehen möchte.

Am Rande des Länderspiels gab es auch Kontakte mit Vertretern der polnischen Partnerverbände. Was ist diesbezüglich weiterhin geplant„
Nicht nur bei diesem Länderspiel, auch etwa bei der bereits erwähnten Tagung zu den gesellschaftspolitischen Themen haben wir Gemeinsamkeiten mit unseren Partnern aus den Wojewodschaften Lubuskie und Dolnoslaski vertieft. Mündlich habe ich bereits einem Austausch von Schiedsrichtern innerhalb unserer Landesverbände zugestimmt.

Stichwort WM: Wird das Land Brandenburg 2006 eine bestimmte Aufgabe haben“
Davon bin ich überzeugt. Gegenwärtig stehen mit dem Bundesleistungszentrum Kienbaum, dem Arosa-Hotel in Bad Saarow, dem Seminaris-Hotel in Potsdam und dem Hotel Haus Linowsee in Rheinsberg vier Einrichtungen auf der Fifa-Liste für die Unterbringung der WM-Teams. Jetzt kommt es darauf an, dass sich diese Objekte so gut wie möglich präsentieren, damit sich Mannschaften für diese Objekte interessieren. Einzelheiten werden sich im Verlaufe dieses Jahres ergeben.

Mit SIEGFRIED KIRSCHEN
sprach Michael Hillmann